13. Januar 2021 / 18:53 Uhr

Corona-Chaos bei Handball-WM beschäftigt DHB-Team: Hoffen auf das Ende der "Hiobsbotschaften"

Corona-Chaos bei Handball-WM beschäftigt DHB-Team: Hoffen auf das Ende der "Hiobsbotschaften"

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
DHB-Sportvorstand Axel Kromer zeigt sich besorgt ob des Corona-Chaos um die WM in Ägypten.
DHB-Sportvorstand Axel Kromer zeigt sich besorgt ob des Corona-Chaos um die WM in Ägypten. © imago images/wolf-sportfoto
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Weitere Absagen drohen: Das Corona-Wirrwarr bei der Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten beschäftigt auch die deutsche Mannschaft. Die Spieler sind alarmiert. Nachrücker stehen bereit.

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Die Kaffeetasse in der Hand und Pool und Pyramide im Hintergrund postete Bundestrainer Alfred Gislason auf Instagram: „Angekommen in Ägypten! Von mir aus kann die WM losgehen.“ Keine Frage: Deutschlands Handballer freuen sich auf die XXL-WM am Nil, auf das erste Spiel am Freitag gegen WM-Neuling Uruguay (18 Uhr, ARD). Doch das Corona-Chaos lässt auch sie nicht kalt. „Natürlich bekommen wir das mit, versuchen es, so gut es geht, auszublenden“, kommentierte Melsungens Kai Häfner die Corona-Fälle in einigen Teams, die vorerst im WM-Verzicht von Tschechien und den USA gipfelten.

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Noch vor dem Eröffnungsspiel zwischen Ägypten und Chile wurden die Titelkämpfe von den Corona-Problemen überschattet. Am späten Dienstagabend hatte nach Tschechien auch der US-Verband ob 18 Infizierter im Trainingslager im dänischen Kolding die Reißleine gezogen und die Reise nach Kairo abgesagt. Nordmazedonien und die Schweiz sind bereits nachgerückt. Doch ein Ende scheint nicht in Sicht. Neben Brasilien ist auch der deutsche Vorrundengegner Kap Verde von Corona-Fällen betroffen. Ein Schnelltest im Trainingslager in Lissabon hatte in der Vorwoche 15 positive Fälle ergeben. Davon wurden später sieben in einem PCR-Test bestätigt, wie das Portal „Expresso das Ilhas“ berichtete. Die Reise nach Ägypten hat der WM-Neuling dennoch angetreten – ohne sechs Spieler und vier Mitarbeiter, darunter der Cheftrainer, wie der kapverdische Handballverband vermeldete. „Trotz dieser enormen Verluste ist das Team zuversichtlich und verspricht, unser Land würdig und mit Stolz zu vertreten“, heißt es in der Mitteilung weiter.

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Der Weltverband IHF rechnet offenbar mit weiteren Absagen und hat mit den Niederlanden schon einen weiteren, potenziellen Nachrücker informiert. „Man hat uns Spielern mitgeteilt, dass wir damit rechnen müssen, noch kurzfristig zur WM zu fliegen. Wir mussten uns am Mittwochvormittag deshalb auch einem Corona-Test unterziehen. Jetzt sollen wir ausharren, sind quasi in einer Art Warteschleife“, berichtete Nationalspieler Niels Versteijnen vom Zweitligisten VfL Lübeck-Schwartau.

Die neuen Corona-Fälle haben auch die deutschen Handballer alarmiert. „Das übertrifft unsere Befürchtungen. Wir hoffen, dass die vielen Hiobsbotschaften, die wir aus allen Ecken der Welt erhalten, endlich ein Ende nehmen“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. „Für die Kritiker ist das natürlich eine Bestätigung. Wir müssen jetzt die Sicherheit unserer Mannschaft und Betreuer vor Ort vorantreiben.“ Die Mannschaft fühle sich in der weitläufigen und sehr angenehmen Hotelanlage zwar sehr wohl, hat aber bereits in einigen Dingen den Weltverband um Nachjustierung gebeten. „Und das mit Nachdruck“, wie Kromer betonte. Dazu gehört eine stärkere Separierung bei den Mahlzeiten im Teamhotel. „Wir haben im Hotelgelände auch einige Leute gesehen, die wir keinem Team zuordnen konnten“, berichtete Kromer. Er monierte zudem „Einheimische, denen es leichter fällt, die Maske fallen zu lassen“.


Dass noch ein Risiko besteht, will Kromer nicht wegreden. Auch nicht, dass der nachnominierte Lukas Stutzke vom Bergischen HC noch ein Gefahrenträger ist. Der Hintergrund: Im US-Team wurde ein nachnominierter Spieler als Superspreader ausgemacht. „Eine Garantie können wir da nicht geben, eine mögliche Infizierung auch nicht ausschließen“, erklärte Kromer auf SPORTBUZZER-Nachfrage. Denn anders als der Rest des Teams war der 22-Jährige nicht seit dem 28. Dezember in Isolation und danach in permanenter Testung. Nicht nur im deutschen Team sehnt man die nächsten Tage herbei, „damit sich die Blase schließen kann“ (Kromer). Ab dann soll nur noch über Handball geredet werden.