25. März 2020 / 11:16 Uhr

Keine Einnahmen, laufende Kosten: Schleswig-Holsteins Amateurklubs in der Corona-Falle

Keine Einnahmen, laufende Kosten: Schleswig-Holsteins Amateurklubs in der Corona-Falle

Clemens Behr
Wie im ganzen Land werden mindestens bis zum 19. April keine Fußballspiele auf dem Hans-Mohr-Sportplatz von Oberligist Inter Türkspor Kiel stattfinden. Die lange Zwangspause reißt bei vielen Amateurklubs ein Loch in die Kasse.
Wie im ganzen Land werden mindestens bis zum 19. April keine Fußballspiele auf dem Hans-Mohr-Sportplatz von Oberligist Inter Türkspor Kiel stattfinden. Die lange Zwangspause reißt bei vielen Amateurklubs ein Loch in die Kasse. © © 2020 Frank Peter, all rights reserved
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Amateurfußball: Keine Zuschauer, Spielergehälter, Sponsoren auf der Kippe – Corona-Pause sorgt für Finanznöte

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„Von der „schwersten Krise des Fußballs“ war in den vergangenen Tagen zu lesen. Vor einem „Vereins-Friedhof“ wurde in Folge der langen Fußballpause durch das Coronavirus gewarnt. Die Klagen aus dem Profifußball sind naturgemäß am lautesten zu hören. Dabei stürzt die Stilllegung des Spielbetriebs unterklassige Vereine gleichermaßen in die Krise.

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Oberligisten haben an Arbeitsregelungen zu knabbern

„Auch in der Oberliga läuft nichts ohne finanzielle Unterstützung von Sponsoren“, sagt Berkant Özel, Liga-Manager von Oberligist Inter Türkspor Kiel. Doch die Sponsoren – im Amateurfußball meist kleine und mittelständische Unternehmen – sind von der Krise finanziell stark gebeutelt. „Wir müssen damit rechnen, dass sich das am Ende der Kette auch bei uns niederschlägt“, so Özel.

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Mit den Inter-Spielern befand sich Özel noch nicht in direktem Kontakt. Die wurden zunächst nur darüber informiert, dass Gehaltszahlungen weiterlaufen – vorerst. Ein Problem vieler Klubs im gehobenem Amateurfußball – auch bei Inter: Bezahlte Spieler sind in der Regel nicht festangestellt. Özel: „Dafür sind die Gehälter zu gering. Festanstellungen sind in der Oberliga die Ausnahme.“

Deshalb können für ihre Spieler auch kein Kurzarbeitergeld beantragen, bleiben in der Summe also auf hohen finanziellen Verpflichtungen sitzen. Die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder von Inter haben in einer Telefonkonferenz über die aktuelle Lage beraten und stehen im ständigen Austausch. Wie es mit dem Fußball im Land weitergeht, darüber herrscht nicht nur bei dem Klub vom Kieler Ostufer Ungewissheit.


Klickt mal rein!

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Mit der neuen soccerwatch.tv-Kamera gehören Taktikanalysen mit Klemmbrett und Stift für Trainer Giuseppe Porco (rechts) und sein Team der Vergangenheit an. Zur Galerie
Mit der neuen soccerwatch.tv-Kamera gehören Taktikanalysen mit Klemmbrett und Stift für Trainer Giuseppe Porco (rechts) und sein Team der Vergangenheit an. ©

Lange Pause erwartet - Auf Zuschauer angewiesen

Bis dato hat der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) eine Pause bis zum 19. April beschlossen. Gut möglich, dass diese Frist verlängert wird. Solange gibt es keine Zuschauereinnahmen und kein Verkauf an den Imbiss-Buden. Besonders stark trifft das den Heider SV.

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Auch, wenn es sportlich in dieser Saison nicht läuft – die Heider rangieren in der Regionalliga Nord auf dem vorletzten Platz: In der Zuschauertabelle mischt der „kleine HSV“ ganz vorne mit. 1250 Zuschauer kamen im Schnitt zu den zwölf Heimspielen im Stadion an der Meldorfer Straße. „Uns fehlen damit Einnahmen von 15000 bis 20000 Euro pro Spieltag“, sagt Andreas Meyenburg, Geschäftsführer der Heider SV Liga GmbH. Um die Existenz des Heider SV fürchtet Meyenburg deswegen noch nicht.

„In Heide ist noch niemand durch Fußball reich geworden.“ Heißt: In naher Zukunft will der Verein mit den Spielern sprechen. Gehaltsverzichte, wie sie im Profifußball die Runde machen, werden auch in Dithmarschen zum Thema. „Ich denke und hoffe, die Mannschaft wird es verstehen, wenn in dieser Ausnahmesituation mal die Säge klemmt“, so Meyenburg.

Die besten Torjäger in Schleswig-Holstein aus der Saison 2019/2020 (Oberliga, Landesliga und Verbandsliga). Stand: 9. März 2020

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34 Tore ©

„Wir sind jederzeit für die Vereine erreichbar“

Welche Schäden auf den Amateurfußball zukommen, das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand wirklich überblicken, sagt auch SHFV-Geschäftsführer Tim Cassel: „Aktuell geht es für uns darum, festzustellen, wovon wir eigentlich reden. Es ist klar, dass sich diese Situation auf alle auswirkt – auch die Verbände.“ Der SHFV verfällt nicht in Schockstarre. Im Haus des Sports in Kiel ist eine Notbesetzung vor Ort.

Täglich arbeitet der Verband am Krisenmanagement. „Wir sind jederzeit für die Vereine erreichbar“, betont Cassel und appelliert: „Der Amateurfußball begreift sich als Solidargemeinschaft. Das muss er jetzt zeigen.“ Zusammenhalt zwischen Verbänden, Vereinen, Spielern und Sponsoren wird es in den kommenden Wochen und Monaten brauchen – so viel ist völlig klar. Nicht nur in Kiel und Heide, sondern im ganzen Land.