20. März 2020 / 15:34 Uhr

"Für...keine Ahnung was?!": Corona wirft auch Kanuten zurück

"Für...keine Ahnung was?!": Corona wirft auch Kanuten zurück

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sabrina Hering-Pradler vom HKC steckt in der Olympia-Vorbereitung
Sabrina Hering-Pradler vom HKC steckt in der Olympia-Vorbereitung © Imago
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Ob Olympia im Sommer stattfinden wird, weiß niemand. Doch die Sportler sollen erstmal weiter auf das Turnier hin trainieren. Die Regelungen durch Corona erschweren auch das Training der Kanuten. Die Trainingslager und entscheidene Wettkämpfe wurden gestrichen.

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Es sind ziemlich turbulente Wochen, die Sabrina Hering-Pradler hinter sich hat. Hannovers Kanu-Star vom HKC steckt mitten in der Olympia-Vorbereitung – doch die wird durch die Coronapandemie gerade kräftig durcheinander gewirbelt. Das Wichtigste: „Mir geht es gut. Ich bin fit“, sagt die 28-Jährige, die am Dienstagabend ihr Quartier von Hannover nach Berlin verlegt hat. In Hannover hätte sie weiter alleine trainieren müssen, weil derzeit nur Kaderathleten aufs Wasser und üben dürfen.

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Kanutin des HKC Hannover holt Silber in Rio

Die Teams auf dem Siegertreppchen: Gold für Ungarn (m.), Silber für Deutschland (l.) und Bronze für Weißrussland. Zur Galerie
Die Teams auf dem Siegertreppchen: Gold für Ungarn (m.), Silber für Deutschland (l.) und Bronze für Weißrussland. © Hannoversche Allgemeine Zeitung

Das für Anfang März geplante Trainingslager in Italien – gestrichen. In der Not bezogen die Kanutinnen ein Trainingslager im noch halbwegs verschonten Portugal. Doch vergangenen Freitag kam die Ansage, sofort nach Hause zu fliegen. Sonst hätte eine zweiwöchige Quarantäne in Deutschland gedroht, die die Sportler in ihrer Vorbereitung komplett zurückgeworfen hätte.

Zurück nach Deutschland

Noch in der Nacht ging es zum Flughafen, über Porto und Lissabon nach Berlin. „Dort habe ich dann an meinem Auto einen Maderschaden festgestellt, ich bin gerade noch rechtzeitig in eine Werkstatt gekommen und konnte dann nach Hause nach Hannover fahren“, erzählt Hering-Pradler.

Erste Olympia-Qualifikation gestrichen

Drei Tage trainierte sie jetzt alleine auf dem Kanal. Mittwoch Morgen hagelte es dann Absagen für die anstehenden und für Olympia eminent wichtigen Wettbewerbe. Die erste Olympia-Qualifikation in Duisburg (3. bis 5. April) ist gestrichen, wahrscheinlich auch bald die zweite (17. bis 19. April). Auch die Weltcups vom 7. bis 10. Mai in Racice und vom 21. bis 24. Mai in Duisburg hat der Internationale Kanu-Verband ICF abgesagt. „Niemand weiß jetzt, wo und wann man sich noch für Olympia qualifizieren kann“, sagt Hering-Pradler.

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Den Kanuten bleibt nichts anderes, als abzuwarten. „Wir trainieren jetzt erstmal weiter“, sagt Hering-Pradler und zögert: „Für … keine Ahnung was!?“ Denn Olympia in Tokio ist alles andere als sicher. „Ich hoffe, dass die Sommerspiele überhaupt stattfinden“, sagt die Silbermedaillengewinnerin von Rio. Ihre Chancen stünden nicht schlecht. Vier Quotenplätze hat das deutsche Team schon, Hering-Pradler gilt als eine der sichersten Kandidaten des DKV, wenngleich sie keinen Freifahrtschein hat.

"Wir sind ja keine Maschinen"

Wenn Olympia verschoben werden sollte, hofft sie auf einen Termin im Herbst, nicht erst in 2021. Dann müsste die ganze harte Vorbereitung von neuem beginnen, „wir sind ja keine Maschinen“, gibt Hering zu bedenken. Mit nervigen Virusseuchen kennt sie sich aus. Vor Olympia 2016 in Rio mussten die Athleten gegen den Zikavirus geimpft werden.

Hannovers zweite Olympia-Hoffnung Jakob Thordsen hat dagegen gerade andere Probleme. Er ist krankgeschrieben – aber nicht wegen Corona. Der 21-Jährige hatte schon im Trainingslager im Februar in Florida Erkältungsprobleme, die sich danach noch verschärften. Ins Trainingslager nach Sevilla Anfang März fuhr er weiter angeschlagen. Am zweiten Tag wurde er richtig krank und musste vorzeitig die Segel streichen. „Ich habe wohl zu früh wieder angefangen“, sagt Thordsen. Erst Nasennebenhöhlen-Entzündung, dann auch noch Kieferhöhlen-Entzündung. Thordsen war völlig außer Gefecht.

"Vorher fange ich nicht mit dem Training an."

Jetzt kuriert er sich in seiner Wohnung in Hannover aus, ist noch für zwei weitere Wochen krankgeschrieben. „Ich verlasse die Wohnung nur für nötige Einkäufe“, erzählt der Weltmeister. Olympia „habe ich zwar noch im Hinterkopf, wichtig ist aber jetzt, dass ich vollkommen gesund werde. Vorher fange ich nicht mit dem Training an.“ Seine Chancen auf die Sommerspiele sind ohnehin geringer als bei Hering-Pradler, weil die Konkurrenz größer ist.

Hering-Pradler appelliert unterdessen, an sich und alle anderen, zu versuchen, „so weit wie möglich zu Hause zu bleiben und die sozialen Kontakte zurückzuschrauben“, um das Virus besser zu bekämpfen.