25. Dezember 2020 / 13:10 Uhr

Erstes Corona-Geisterspiel bis DFB-Debakel in Sevilla: Diese 5 Partien aus 2020 bleiben in Erinnerung 

Erstes Corona-Geisterspiel bis DFB-Debakel in Sevilla: Diese 5 Partien aus 2020 bleiben in Erinnerung 

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der <b>SPORT</b>BUZZER blickt auf die 5 bemerkenswertesten Spiele aus 2020 zurück.
Der SPORTBUZZER blickt auf die 5 bemerkenswertesten Spiele aus 2020 zurück. © Getty Images (Montage)
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Das Fußballjahr 2020 möchten viele Menschen schnell vergessen. Das liegt vor allem am Coronavirus, das nicht nur die Welt lahmlegte, sondern uns auch die zweifelhafte Freude der "Geisterspiele" brachte. Der SPORTBUZZER zeigt fünf Partien, die aus unterschiedlichen Gründen trotzdem noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

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Schalkes letztes Hurra – für über 300 Tage

Bundesliga: FC Schalke 04 – Borussia M’gladbach 2:0, 17. Januar 2020

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Finanzkrise, Verletzungsmisere, der Tönnes-Rücktritt und zwei Trainer-Entlassungen: Der FC Schalke 04 hat kein leichtes Jahr hinter sich – und da sei noch gar keine Rede von der historischen sportlichen Misere. Kaum vorstellbar: Das ganze Jahr 2020 wartete S04 auf seinen zweiten Bundesliga-Sieg! Nicht etwa der Saison, sondern des Kalenderjahres. Das hatte eigentlich verheißungsvoll begonnen: Zum Rückrundenauftakt der Saison 2019/2020 feierte Schalke nach Toren von Suat Serdar (48.) und Michael Gregoritsch (58.) einen klaren Heimsieg gegen Mönchengladbach, stand nach dem 18. Spieltag drei Punkte hinter dem FC Bayern und hatte sogar noch Chancen auf den Titel.

Was damals (Erling Haaland hatte sein BVB-Debüt gefeiert, Reiner Calmund wog noch 69 Kilo mehr und Fans waren in den Stadien noch zugelassen) noch keiner wusste: Es sollte für über 300 Tage der letzte Erfolg der Königsblauen sein, die in den folgenden elf Monaten herzlich wenig zu lachen hatten. 29 Spiele in Folge konnten die Schalker in der Bundesliga nicht mehr gewinnen. Nach einer völlig verkorksten Hinrunde gelobten die Bosse in einer Pressekonferenz Besserung, Trainer David Wagner erhielt das Vertrauen – musste allerdings nach zwei herben Pleiten (0:8 gegen Bayern, 1:3 gegen Bremen) gehen. Unter Nachfolger Manuel Baum wurde es kaum besser, der Ex-Augsburger wurde nach zehn sieglosen Bundesliga-Spielen vor die Tür gesetzt. Seinen einzigen Erfolg als S04-Trainer fuhr er in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Schweinfurt ein. Kurz vor Weihnachten wurde schließlich Huub Stevens als Interimslösung für die letzten beiden Spiele des Jahres präsentiert. Während in der Bundesliga das 29. sieglose Spiel in Serie folgte (ein höchst bitteres 0:1 gegen den Kellerrivalen Bielefeld), gab es immerhin im Pokal einen Erfolg – das 3:1 gegen Regionalligist Ulm war allerdings nicht sonderlich überzeugend. Nun soll der Schweizer Christian Gross S04 retten.

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Haalands Joker-Hattrick zum Debüt

Bundesliga: FC Augsburg – Borussia Dortmund 3:5, 18. Januar 2020


Dass Erling Haaland verdammt gut ist, hatte der junge Norweger schon bei Red Bull Salzburg bewiesen, wo er unter anderem Jürgen Klopp und den FC Liverpool vor große Probleme stellte. Deshalb war die Erwartungshaltung riesig, als Borussia Dortmund seinen Fans am 29. Dezember 2019 ein verspätetes Weihnachtsgeschenk machte und sich für 20 Millionen Euro die Dienste des damals 19 Jahre alten Supertalents sicherte. Sein Debüt für den BVB absolvierte Haaland drei Wochen später – beim Rückrundenauftakt in Augsburg. In der WWK-Arena stand es aus Sicht der Borussia bereits 1:3, als der damalige BVB-Coach Lucien Favre seinen neuen Star ins Spiel brachte. Was folgte, wird in die Geschichte der Bundesliga eingehen: Nur drei Minuten nach seiner Einwechslung schoss der Norweger sein erstes Tor – und legte in den folgenden 20 Minuten noch zwei weitere Tore nach. Aus 1:3 mach 5:3 – das Spiel war gedreht, ein neuer Stern endgültig aufgegangen. Das Understatement des Jahres lieferte Paderborns Uwe Hünemeier, der in den sozialen Medien schrieb: "Dieser Haaland kann was." Für den jungen Norweger war der Hattrick erst der Anfang, in seinem ersten BVB-Jahr schoss er insgesamt 33 Tore in 32 Spielen und wurde am Jahresende als "Golden Boy" ausgezeichnet.

Ein Derby: Das erste Geisterspiel der Liga-Historie

Bundesliga: Borussia M’gladbach – 1. FC Köln 2:1, 11. März 2020

Die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln versprach Anfang Februar 2020 ein heißer Schlagabtausch im Spätwinter zu werden – so wie es Derbys der beiden traditionsreichen rheinischen Rivalen in der Regel nun einmal sind. Das Coronavirus hatte Europa noch nicht erreicht. Doch der geplante Kick-off fiel ins Wasser – verblasen vom Sturmtief "Sabine", einem Orkan, der ein Fußballspiel im Borussia-Park unmöglich machte. Die Partie wurde auf den 11. März verschoben – ein Datum, das in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs eingehen wird. Denn es war das erste sogenannte Geisterspiel in der Historie der Bundesliga mit noch sehr ungewohnter Kulisse. Weil Covid-19 inzwischen aus China nach Europa "eingewandert" war, wurde der Spielplan von Europas Topligen durcheinandergewirbelt. Gladbach und Köln spielten ihre Partie ohne Zuschauer aus, das Spiel endete 2:1 für die Borussia, für die Breel Embolo (32.) und der Kölner Jorge Meré (70.) per Eigentor trafen. Köln kam durch Mark Uth (81.) lediglich zum Anschluss. Dramatischer als das Ergebnis waren die Folgen: Zwei Tage später verlegte die DFL den anstehenden 26. Spieltag der Liga und setzte die Saison in der Folge komplett aus. Erst im Mai wurde weitergespielt – dann mit weiteren Geisterspielen, die inzwischen fast so etwas wie Normalität geworden sind. Einen großen Anteil daran hat das Hygienekonzept, mit dem die DFL einen geregelten Spielbetrieb ermöglichen konnte.

Münchner Urgewalt schockt Messi und Co.

Champions League, FC Barcelona – FC Bayern 2:8, 14. August 2020

Bayern gegen Barcelona, FCB gegen FCB, Lewandowski gegen Messi – ein Gigantenduell in Europa. Und noch nie so einseitig wie am 14. August. als die "Furia Roja", die rote Furie, im Lissaboner Estadio da Luz regelrecht über die zu bemitleidenden Barça-Stars hinwegfegte. Dabei hatte das Viertelfinale der Champions League vor Geisterkulisse zwar sehr schwungvoll begonnen, allerdings mit Toren auf beiden Seiten: Thomas Müller (4.) schoss die Münchner in Front, nach einem Eigentor von David Alaba (7.) stand es jedoch im Nu wieder Remis. Dann setzten sich die Bayern ab: Ivan Perisic (21.), Serge Gnabry (27.) und nochmal Müller (31.) zogen einer erschreckend hilflosen Barça-Defensive binnen zehn Minuten den Zahn. Die Bayern präsentierten sich extrem abgezockt. Nach der Pause agierten die Deutschen dann eher passiv, Barça bestrafte das mit dem 2:4 durch Luis Suarez (57.). Dann aber griff Bayern wieder durch: Joshua Kimmich (63.) stellte den alten Abstand wieder her, Robert Lewandowski (82.) und die eingewechselte Barça-Leihgabe Philippe Coutinho (85., 89.) machten die Demütigung aus katalanischer Sicht komplett. Am Ende standen nach fast mörderischem Bayern-Pressing 26 Schüsse für die Mannschaft von Hansi Flick zu Buche – und eine glasklare Ansage: Der Titel in der Champions League geht nur über den FCB, der sich am Ende des Blitzturniers tatsächlich den Henkelpott sicherte.

DFB-Offenbarungseid in Sevilla

Nations League, Spanien – Deutschland 6:0, 17. November 2020

Dieses Debakel wird in die Geschichte eingehen als das Spiel, das Joachim Löw fast den Job gekostet hätte. Der Weltmeister-Trainer, der schon vor Anpfiff der Partie unter Druck stand, verfolgte das denkwürdige Fiasko im Olympiastadion von Sevilla fast schon apathisch von der Seitenlinie. Seine Mannschaft, die seit Beginn des Umbruchs infolge der WM 2018 nur selten wirklich überzeugen konnte, hatte im Spiel gegen die Spanier die Chance, ins Finalturnier der Nations League einzuziehen und das coronabedingt verkürzte Länderspiel-Jahr mit einem positiven Erlebnis zu beenden.

Das gelang freilich nur in der ersten Viertelstunde. Was folgte, ist mit Worten nur schwerlich zu beschreiben. Alvaro Morata köpfte nach 17 Minuten infolge eines Standards das 1:0 für die Spanier, weil er von Serge Gnabry am langen Pfosten nicht konsequent gestört wurde. Anschließend öffneten sich bei den Deutschen die Schleusen: Ferran Torres mit einem Dreierpack (33., 55., 71.), Rodrigo Moreno (38.) und Mikel Oyarzabal (89.) schraubten das Ergebnis in schwindelerregende Höhen, während Deutschland ohne einen einzigen Schuss auf das iberische Tor blieb. Im ARD-Interview stammelte der sichtlich verstörte Bundestrainer zwölfmal das Wort "irgendwie" in die Mikrofone, über 10.000 SPORTBUZZER-User stimmten anschließend über Löws Zukunft ab – 93,2 Prozent waren der Meinung, der Trainer sollte nach über 14 Jahren seinen Hut nehmen. Dazu kam es nicht. Löw wird das DFB-Team zur EM im kommenden Sommer führen, gab sich kurz vor dem Jahreswechsel auf einer Pressekonferenz kämpferisch wie selten – und übte wegen vermeintlicher Indiskretionen scharfe Kritik am DFB.