17. April 2020 / 13:18 Uhr

Corona hin oder her: 1. FC Lok Leipzig will "unter allen Umständen aufsteigen"

Corona hin oder her: 1. FC Lok Leipzig will "unter allen Umständen aufsteigen"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Dass sich die Tore des Bruno-Plache-Stadions in dieser Saison noch einmal für Fans öffnen, scheint unwahrscheinlich.
Dass sich die Tore des Bruno-Plache-Stadions in dieser Saison noch einmal für Fans öffnen, scheint unwahrscheinlich. © André Kempner
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Die Vereine der Regionalliga Nordost haben sich in einer Videokonferenz mehrheitlich für ein sportliches Ende der Saison ausgesprochen. Zu den Befürwortern gehört auch der 1. FC Lok Leipzig. Die Blau-Gelben wollen ihre Aufstiegschance wahren und würden dafür inzwischen auch Geisterspiele in Kauf nehmen.

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Leipzig. Der 1. FC Lok Leipzig hat sein Ziel fest im Blick. Punktgleich lauern die Probstheidaer auf Platz zwei der Regionalliga Nordost hinter der VSG Altglienicke, nur das Torverhältnis trennt sie von Platz eins, dem Rang, der zur Teilnahme am Relegationsspiel um den Aufstieg berechtigen würde. Er ist das große Ziel von Vereinsführung und Team. Das Ziel, dem alles untergeordnet ist und das durch die Corona-Pandemie in Gefahr gerät. Geschäftsführer Martin Mieth machte am Freitag gegenüber dem MDR noch einmal klar: "Wir wollen unter allen Umständen aufsteigen."

Saisonabbruch birgt Risiken für Lok

Dafür sind die Blau-Gelben inzwischen auch bereit, die eine oder andere Kröte zu schlucken. Zu Beginn der Liga-Zwangspause sagte Präsident Thomas Löwe angesprochen auf Partien vor leeren Rängen noch: „Wir leben davon. Man hat uns jetzt mit dieser Entscheidung bis auf Weiteres die Existenzgrundlage entzogen.“ Das klingt jetzt anders. "Geisterspiele können das allerletzte Mittel sein im Aufstiegskampf", so Mieth, auch wenn für den 1. FC Lok "Fußballfans natürlich ins Stadion gehören". Geblieben ist die Haltung zu einem Saisonabbruch. "Das ist für uns das Undenkbarste."

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Denn: In diesem Fall wäre zu klären, wie Auf- und Abstieg geregelt werden. Und natürlich befürchten die Lok-Verantwortlichen hier, am Ende zweiter Sieger oder besser gesagt erster großer Verlierer zu sein. "Da müssen wir uns nichts vormachen. Da würde sich jeder die Variante aussuchen, wo er am Ende oben steht", ist sich Mieth im Klaren. Zudem sei bis dato nicht geregelt, wer das überhaupt zu entscheiden habe. Die Gremien des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV)? Die an der Liga beteiligten Vereine? Ein Verbandstag? "Dafür gibt es keine Festlegungen."

Training ohne klare Perspektive "nicht zu finanzieren"

Stand Freitag ruht der Spielbetrieb weiterhin. Auf einer Videokonferenz am Donnerstag trafen die NOFV-Mitgliedsvereine keine endgültige Entscheidung. Statt dessen wurde mehrheitlich betont, dass die Saison sportlich beendet werden soll. In der Regionalliga Nordost stehen noch neun Spieltage und elf Nachholpartien aus. "Die nächste Besprechung soll es Anfang Mai geben, nachdem sich die Regierung ein weiteres Mal geäußert hat", so Martin Mieth, der klarstellt. "So lange wir nicht wissen, was die Politik uns für Training und Spiele ermöglicht, können wir gar nicht entscheiden." Je länger die Pause andauer, desto unwahrscheinlicher werde es allerdings, bis zum 30. Juni alles abschließen zu können. Natürlich ließe sich die Saison darüber hinaus verlängern. "Aber da braucht es eine DFB-weite Regelung. Denn es geht ja nicht, dass anderswo schon die nächste Spielzeit angefangen hat und wir noch nicht fertig sind." Der Blick über den Sommer hinaus ist dem Geschäftsführer der Probstheidaer wichtig. "Es gibt auch eine nächste Saison. Wir dürfen nicht zu kurz denken."

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Aktuell ist das Bruno-Plache-Stadion verwaist, ist nur der Platzwart auf dem Rasen. Das bleibt auch erst einmal so. Eine Sondergenehmigung, wie sie etwa RB Leipzig und Dynamo Dresden haben, will man beim 1. FC Lok nicht beantragen. "Das würde nur Sinn machen, wenn klar ist, wie und wann es weitergeht." Aktuell befinden sich die Spieler des Clubs in Kurzarbeit, halten sich auf freiwilliger Basis individuell fit. "Wenn wir mit dem Training beginnen, entfällt die Kurzarbeiterregelung. Das wäre nicht zu finanzieren."

Viele Grüße von Paul Schinke!

"MACHE IM WALD MEINE METER" Falls jemand ihn nicht wiedererkennt: Mittelfeldmotor Paul Schinke Hier gibt's die virtuellen Eintrittskarten: 👉 http://bit.ly/leutemachtdiebudevoll 👈 Aktueller Spendenstand (Stand 05.04. - 14:50 Uhr) : 105.511 #gemeinsamfürlok #rekordjagd #fußballpur #leipzig

Gepostet von 1. FC Lokomotive Leipzig am Donnerstag, 2. April 2020

In diesem Zusammenhang lobte Mieth noch einmal überschwänglich das Engagement der Lok-Fans bei der Soli-Aktion "Leute macht die Bude voll!". Bis Freitagmorgen kamen so rund 130.000 Euro zusammen. "Das ist grandios", so der Geschäftsführer, der sich auch für die in der NOFV-Videokonferenz vorgetragene Idee von Liveübertragungen der ausstehenden Partien per Onlinestream erwärmen kann. Der Verband verhandelt darüber mit dem MDR und dem RBB. Die Vereine hätten so eine zusätzliche Vermarktungsmöglichkeit. "Ich denke, das hat bei uns hohes Potential. Da würden die Fans mitziehen. Vielleicht bekämen wir da sogar mehr Zuschauer zusammen als sonst im Stadion."