28. September 2021 / 18:17 Uhr

SPORTBUZZER-Umfrage: Impflücken bei Top-Teams der Region

SPORTBUZZER-Umfrage: Impflücken bei Top-Teams der Region

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Wie hoch ist die Impfbereitschaft im Sport?
Wie hoch ist die Impfbereitschaft im Sport? © imago images/Fotostand
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Unter Brandenburger und Berliner Top-Teams herrscht insgesamt eine hohe Corona-Impfbereitschaft. Doch im Fußball – vor allem in der Regionalliga Nordost – ist die Quote noch ausbaufähig.

Für die Zulassung von Zuschauern bei Sportveranstaltungen wird diskutiert: 2G oder doch 3G, dürfen nur geimpfte und genesene Personen rein oder auch die tagesaktuell auf das Coronavirus getesteten? Aber wie sieht es bei den Hauptprotagonisten auf dem Feld aus? Wie steht es dort um das erste G, den Status der Geimpften?

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Profiteams bei 100 Prozent oder knapp darunter

Eine SPORTBUZZER-Umfrage unter 16 Brandenburger sowie Berliner Top-Teams ergab, dass die Quote der Aktiven, Trainer und Betreuer, die sich ihren schützenden Pieks abgeholt haben, hoch ist – mit Abstrichen. Erkenntnis 1: Im Coaching- und Betreuerstab gibt es nahezu keine Impflücken. Erkenntnis 2: Im Fußball ist der Prozentsatz geringer als beim Volleyball, Handball, Basketball und Eishockey. Erkenntnis 3: Im professionellen Bereich ist die Impfbereitschaft sehr groß, mit absteigender Ligahöhe sinkt sie. „Berufssportler wollen eben ihren Beruf ohne zusätzliches Risiko ausüben – daher ist es gerade bei ihnen eigentlich keine Diskussion, sich vor Corona zu schützen”, sagt Toni Rieger, Sportdirektor des Frauen-Volleyball-Bundesligisten SC Potsdam. Niemanden habe man von der Impfung überzeugen müssen, sagt auch Bob Hanning, Manager des Handball-Erstligisten Füchse Berlin. Die Vereine erkennen die Impfung als bestes Mittel zum Schutz an und empfehlen laut eigenen Aussagen, diese durchführen zu lassen. Doch ein Zwang, eine Pflicht sei rechtlich nicht tragbar.

Diese Brandenburger holten Gold bei Olympia und Paralympics

Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  Zur Galerie
Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  ©

Den geringsten Wert bei der SPORTBUZZER-Umfrage meldete Fußball-Regionalligist FC Energie Cottbus zurück. Gegenwärtig sei etwa nur die Hälfte des Spielerkaders geimpft. Im bisherigen Saisonverlauf war es schon zu mehreren Corona-Infektionen bei den Lausitzern, aber auch anderen Mannschaften gekommen, was den Spielplan durcheinanderbrachte. Viele Vereine hätten deshalb bereits jetzt eine große Anzahl an Nachholspielen vor sich, hieß es vom Cottbuser Ligakontrahenten SV Babelsberg 03. „Wichtigstes Instrument“ für einen sicheren und geordneten Spielbetrieb sei „eine weit verbreitete Impfung der Spieler”. Der SVB habe bei sich frühzeitig ein Impfangebot gemacht und dies mehrfach wiederholt, teilte der Kiezklub mit. Trotzdem liegt die Quote aktuell erst bei 70 Prozent.

Mehraufwand durch Tests der Nicht-Geimpften

Die anderen Nordost-Regionalligisten Optik Rathenow, FSV 63 Luckenwalde und Union Fürstenwalde erklärten, dass bei ihnen nur vereinzelt Spieler nicht geimpft seien. Sollte das so bleiben, gebe es in Rathenow und Fürstenwalde zum Beispiel eine Konsequenz: Die Teilnahme am geplanten Winter-Trainingslager im Ausland wäre nicht möglich. Auch die Luckenwalder wollen zur Rückrundenvorbereitung in die Türkei – möglichst in voller Stärke. „Vielleicht zieht der eine oder andere bei der Impfung noch nach”, hofft Vereinspräsident Dirk Heinze auf Gruppendynamik. „Jeder muss selbst wissen, ob er das Risiko in Kauf nimmt, wenn er sich nicht impfen lässt. Das gilt sowohl für die gesundheitliche Seite als auch für den Ausfall von Prämien, wenn man infolge einer Corona-Erkrankung nicht spielen darf“, erklärte Frank Bellach, Fürstenwaldes Vorstand Sport.

Frauen-Fußball-Bundesligist 1. FFC Turbine Potsdam liegt laut Geschäftsführer Stephan Schmidt im Ligadurchschnitt, was die Impfungen anbelange: 80 bis 85 Prozent. „Wir haben alle über die Konsequenzen aufgeklärt, die natürlich auch einen Mehraufwand bedeuten. Das heißt: Nicht-Geimpfte müssen weiterhin regelmäßig getestet werden“, sagt Schmidt. Diese Testungen seien eine „Kraftanstrengung“, schrieb der SV Babelsberg 03. Männer-Erstligist Hertha BSC verzeichnet für sich eine Impfquote von mehr als 90 Prozent. Stadtrivale 1. FC Union Berlin wollte als einziger Verein keine Zahlen zu dem Thema öffentlich machen.

Erleichterung im Trainings- und Spielbetrieb

Die Eisbären Berlin aus der Deutschen Eishockey-Liga verwiesen auf ihre 99-prozentige Quote, von der sie vor Saisonstart gesprochen hatten. Beim Volleyball sind 100 Prozent erreicht: Sowohl bei den Potsdamer Frauen als auch den Männern der Energiequelle Netzhoppers KW-Bestensee und Berlin Recycling Volleys. Bei den Berlinern schließe dies Genesene ein, die nach ihrer Infektion noch nicht zur Impfung konnten.


In Bildern: Optik Rathenow unterliegt dem FSV Luckenwalde mit 0:1.

Optik Rathenow - FSV Luckenwalde 0:1 (0:0). Tore: 0:1 Leon Hellwig (63.). Zur Galerie
Optik Rathenow - FSV Luckenwalde 0:1 (0:0). Tore: 0:1 Leon Hellwig (63.). © Thomas Lücke

Nach der vorigen Saison, in der die Spieler ihr soziales Leben stark eingeschränkt haben, um den Betrieb nicht zu gefährden, seien Impfungen nun die Chance, neben dem Sport auch wieder „ein gewisses Maß an Normalität“ im Privatleben zu haben, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand. Auch die Abläufe im Spiel- und Trainingsbetrieb werden durch dieses Mittel erleichtert, ergänzt Britta Wersinger. Die Teammanagerin der Netzhoppers betont, dass ihre Mannschaft 2020/21 coronafrei durch die Saison gekommen sei: „Das war für uns ein riesiges Glück.“ Und ein Faktor für den Erfolg. „Ausfälle durch Corona schmeißen eine Mannschaft zurück“, sagt Potsdams Frauen-Sportdirektor Rieger. „Deshalb ist es wichtig und professionell, dieses Risiko möglichst klein zu halten.“

Der von Bob Hanning trainierte Handball-Drittligist 1. VfL Potsdam hat ebenfalls eine 100-prozentige Impfquote. Mitkonkurrent Oranienburger HC liegt bei 90 Prozent. Der VfL aus Potsdam verweist auch auf sein ergänzendes Testkonzept und weiß trotz aller Sicherheitsvorkehrungen zugleich: „In Gänze ausschließen kann eine mögliche Infektion leider niemand.“