22. April 2021 / 18:51 Uhr

Endlich wieder kicken! So erleben Kinder und Jugendliche aus Hannover das erste Training

Endlich wieder kicken! So erleben Kinder und Jugendliche aus Hannover das erste Training

Ole Rottmann und Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kinder dürfen wieder Fußball spielen - zumindest individuell.
Kinder dürfen wieder Fußball spielen - zumindest individuell. © imago images/MITO
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Es darf wieder Fußball gespielt werden! Kinder und Jugendliche aus der Region Hannover dürfen unter strengen Corona-Auflagen auf den Platz zurückkehren. Die Freude ist trotzdem groß. Wir haben uns beim TuS Altwarmbüchen, dem TSV Havelse und dem JFV Calenberger Land umgehört und umgesehen.

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„Endlich mal wieder auf Rasen“, sagt Jonas Fiedler, als er nach 60 Minuten Stationentraining vom Platz des TuS Altwarmbüchen trottet. Mattis Möller trägt in sicherem Abstand bunte Plastikreifen, die während der Einheit als personalisierte Ablageflächen für Klamotten und Trinkflaschen dienen, und nickt voller Zustimmung. Beide strahlen. Abgekämpft, aber glücklich.

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Die Torwarthandschuhe kann Schlussmann Jonas aktuell daheim lassen, auch seine Kleidung sieht weniger verdreckt aus als nach einer „normalen“ Einheit. Aber immerhin trainieren sie wieder. Individuell wohlgemerkt – mit maximal zwei Spielern pro eigens markiertem Platzviertel, ohne Zweikämpfe oder Berührungen. Trainer Nils Kühnen steht nicht wie sonst mittendrin, sondern abseits seiner Jungs. Korrekturen? Einzelgespräche? Nur brüllend aus der Distanz möglich. Egal – wichtig ist es, endlich mal wieder den Ball am Fuß zu haben. „Ihr seid echt wie ein altes Ehepaar“, hatte Kühnen lachend gerufen, als die beiden 13-Jährigen nach Slalom durch einen Stangenwald versuchten, ein kleines leeres Tor zu treffen – und sich nach Fehlversuchen gegenseitig aufzogen.

Simon Teipen von der C-Jugend des TuS Altwarmbüchen bewältigt den Slalom-Parcours.
Simon Teipen von der C-Jugend des TuS Altwarmbüchen bewältigt den Slalom-Parcours. © Ole Rottmann

"Manche Schüsse treffe ich gerade nicht"

Ein wenig Übung nach so langer Ballabstinenz kann gewiss nicht schaden. „Manche Schüsse, die ich eigentlich treffe, treffe ich gerade nicht“, gibt Stürmer Junis Schmull zu. Erst mal wieder reinkommen und Gefühl kriegen, darum geht es zunächst. Doch das vermiest keinem die Laune. Auch Junis wirkt zufrieden, als er den Platz auf der vorgegebenen Bahn verlässt.

So langsam kehrt also das Leben an die Seestraße zurück. Wenn auch gesittet und sortiert. Bis das Gewusel, das üblicherweise hier herrscht, wieder da ist, wird es sicher noch eine Weile dauern. Vorerst gibt noch das Hygienekonzept den Takt vor.

Struckmeier hebt sozialen Aspekt hervor

Für die A-Junioren des JFV Calenberger Land geht es am Dienstag wieder los. Dreimal zwei Spieler plus zwei Übungsleiter werden sich dann auf dem Platz einfinden. Trainer Timo Struckmeier hebt neben dem Sportlichen auch den sozialen Aspekt hervor. „Zusammen lachen und Sprüche machen, das ist ein hoffentlich erster Schritt zurück in Richtung Normalität“, sagt er. Denn langweilig geworden ist seinen Regionalligakickern auch zuletzt nicht. Schließlich hat Athletikcoach Henning von der Goltz das Team mit ausgefeilten Laufplänen und virtuellen Trainings gut beschäftigt.

Havelser U12 trainiert individuell

Beim TSV Havelse müssen sich die ganz jungen Kicker weiter gedulden, ansonsten ist der Nachwuchs zumindest in Zweiergruppen wieder auf dem Platz – an ein normales Fußballtraining ist allerdings nicht zu denken. „In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt haben wir ein ausgefeiltes Hygienekonzept erarbeitet. Ganz wichtig dabei ist, wir dürfen kein Fußballtraining anbieten, nur ein sogenanntes Individualtraining mit Ball“, sagt Jens Kamm, kommissarischer Spartenleiter Fußball und Trainer der U12 beim TSV.

An der Koordinationsleiter: Jonas Fiedler von der C-Jugend des TuS Altwarmbüchen.
An der Koordinationsleiter: Jonas Fiedler von der C-Jugend des TuS Altwarmbüchen. © Ole Rottmann

Damit das nicht so arg sperrig klingt, sprechen die Havelser von Athletik- und Fitnesstraining. In der Umsetzung sieht das so aus, dass eine Platzhälfte in vier Bereiche unterteilt wird, auf denen jeweils zwei Aktive mit Abstand mit und ohne Ball üben, sprich: acht Spieler teilen sich den halben Fußballplatz. „Die Tennisleute dürfen seit Monaten in der Halle ihren Sport ausüben. Jedes Tennisfeld ist definitiv kleiner als unsere Teilfelder“, sagt Kamm. Der Trainer ist Teil einer Zweiergruppe, darf also den abgetrennten Bereich auch nicht verlassen, um Anweisungen zu geben oder Übungen zu korrigieren.

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Die Jüngsten müssen weiter warten

„Für die Jüngsten wäre das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln vermutlich schwierig, deshalb bieten wir das Training erst ab dem älteren F-Juniorenjahrgang an“, so Kamm. „Alles andere als ein Trainingskonzept in dieser Form wäre aktuell nicht mit der Corona-Verordnung vereinbar.“

Aber trotz aller Auflagen seien die Spieler heilfroh, überhaupt wieder etwas machen zu dürfen. Und das eint die Havelser, Altwarmbüchener und Calenberger – und den Rest der Fußballregion Hannover.