12. Mai 2020 / 18:29 Uhr

Corona-Krise: Hauptsponsor hält zu den Rostock Seawolves

Corona-Krise: Hauptsponsor hält zu den Rostock Seawolves

Christian Lüsch und René Warning
Ostsee-Zeitung
Klubchef André Jürgens (l.) und Sportchef Jens Hakanowitz (r.) - hier mit Trainer Dirk Bauermann - wollen negative Folgen der Corona-Krise von den Rostock Seawolves fernhalten.
Klubchef André Jürgens (l.) und Sportchef Jens Hakanowitz (r.) - hier mit Trainer Dirk Bauermann - wollen negative Folgen der Corona-Krise von den Rostock Seawolves fernhalten. © René Warning
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Die Corona-Krise hat auch die Zweitliga-Basketballer der Rostock Seawolves getroffen. Trotz massiver Kostensenkung und kreativer Ideen wird der Klub Verlust machen. Da kommt die Vertragsverlängerung von Hauptsponsor Ospa gerade zur rechten Zeit.

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Die Corona-Krise hat bei den Rostock Seawolves nicht nur die letzten Hoffnungen auf die Play-offs zerschlagen, sondern auch in Existenznot gebracht. Im Interview sprechen EBC-Chef André Jürgens und Seawolves-Teammanager Jens Hakanowitz über die finanziellen Folgen, die Kaderplanung und die Zukunft ihrer Basketball-Teams.

Saisonabbruch, Trainings- und Kontaktverbot – und jede Menge Unklarheiten. Wie geht es den Basketballern des EBC Rostock und den Seawolves?

André Jürgens: Wir hoffen, dass wir mit unseren Mitgliedern bald wieder in die Sporthallen zurückkehren können. Aber wir haben für die Maßnahmen im Kampf gegen Corona großes Verständnis und erfahren aus unserem Umfeld viel Solidarität. Das hilft uns ganz gut durch diese schwierige Phase. Gerade zu Beginn der Krise waren Existenzängste da, weil wir nicht wussten, wie es weitergeht. Mittlerweile ist Sport im Freien wieder zugelassen. Wir warten nun auf ein Zeichen, wann es für uns wieder richtig losgehen kann.

Jens Hakanowitz: Wir haben nach dem Saisonabbruch in der 2. Bundesliga so schnell es ging alles runtergefahren, um Kosten zu senken. Alle Spieler-Verträge endeten spätestens am 30. April. Das kam uns in der Situation entgegen.

Wie ist die Situation der Trainer und Geschäftsstellen-Mitarbeiter?

Jürgens: Wir haben alle Trainer, Betreuer und die Geschäftsstellen-Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Betroffen sind insgesamt 14 Frauen und Männer.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Saison-Abbruch?

Jürgens: Sie sind enorm, weil die Saison nicht beendet werden konnte. Unser Verlust für diese Saison wird sich zwischen 120 000 und 150 000 Euro bewegen. Uns fehlen die Einnahmen aus zwei Heimspielen der Hauptrunde und aus den Play-offs. Für die beiden abschließenden Vorrunden-Spiele hatten wir bereits 4000 Tickets verkauft und mit insgesamt 7000 Zuschauern gerechnet.

Hakanowitz: Wir sind glücklich darüber, dass sich die Ostseesparkasse trotz der Corona-Krise entschlossen hat, für weitere zwei Jahre unser Hauptsponsor zu bleiben. Das ist ein tolles Zeichen, das uns Mut macht. Wir hoffen, dass unsere Partner sich diesem Engagement anschließen.

Um welche Summe geht es?

Hakanowitz: Über die genaue Höhe haben wir Stillschweigen vereinbart. Ich kann aber sagen, dass sich das Engagement der Ospa auf dem gleichen Niveau wie in den Vorjahren bewegt. Das ist nicht selbstverständlich.

Wie sieht es mit den anderen Sponsoren aus?

Jürgens: Wir mussten im Zuge der Pandemie nur zwei Sponsorenverträge rückabwickeln. Das ist schade, aber wir sind sehr froh und dankbar, dass es Einzelfälle geblieben sind und das Volumen nicht so groß war. Die Frage ist, was in Zukunft passieren wird. Wir sprechen unsere Sponsoren jetzt an, um über die kommende Saison zu sprechen. Ich rechne damit, dass wir mit 20 bis 30 Prozent weniger Einnahmen aus Sponsoring und Ticketing auskommen müssen.

Was tun Sie, um die Verluste einzudämmen?

Jürgens: Bei der Aktion ,Spende Dein Ticket‘ haben ganz viele Fans Solidarität gezeigt und auf die Rückerstattung des Geldes verzichtet. 15 000 Euro wurden dadurch nicht zurückgefordert. Das Management der Stadthalle war sehr kulant und hat auf die Hallenmiete für die beiden Heimspiele verzichtet. Neben der Ticket-Spenden-Aktion haben wir unseren Fanshop für den Online-Vertrieb aufgerüstet und Trikots versteigert. Aus anderen Spieler-Trikots wurden Mundschutze genäht – wir haben mehr als 1000 verkauft. Aktuell läuft eine Crowdfunding-Aktion, mit der wir für den Nachwuchs-Bereich des Klubs 100 000 Euro sammeln wollen.

Was genau soll mit dem Geld passieren?

Jürgens: Wir wollen unsere Strukturen im Nachwuchs sichern. Wir tragen Verantwortung für mehr als 1500 Basketballer. Es geht darum, alle Leistungsteams zu erhalten. Lediglich der Aufstieg der zweiten Herrenmannschaft in die 1. Regionalliga ist noch nicht final beschlossen. Es ist möglich, dass dieser Aufstieg aufgrund der Pandemie nicht vollzogen wird.

Gibt es Ideen, die Seawolves vom EBC Rostock auszugliedern, so dass finanzielle Einbußen nicht zulasten des Stammvereins gehen?

Jürgens: Nein, das steht nicht zur Diskussion. Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb der Seawolves und der ideelle Bereich ergänzen sich in dieser schwierigen Phase sehr gut.

Der 62-Jährige Dirk Bauermann bleibt auch in der Spielzeit 2020/21 Trainer der Rostock Seawolves. Bei seinen bisherigen Stationen feierte er viele Erfolge im In- und Ausland, sowohl bei Vereins- als auch Nationalmannschaften. Nun soll er den Standort an der Ostseeküste weiter nach vorne bringen.

Der neue Trainer der Rostock Seawolves ist ein Basketball-Experte mit großen Emotionen. In der Bundesliga-Saison 2017/18, aus der dieses Foto stammt, war er Coach der Würzburger Mannschaft.  Zur Galerie
Der neue Trainer der Rostock Seawolves ist ein Basketball-Experte mit großen Emotionen. In der Bundesliga-Saison 2017/18, aus der dieses Foto stammt, war er Coach der Würzburger Mannschaft.  ©

Wie sehen die Planungen beim Zweitliga-Team aus?

Hakanowitz: Es sind noch keine neuen Spielerverträge unterzeichnet worden. Das ist in der aktuellen Situation auch sehr problematisch, weil die neue Saison noch nicht terminiert ist. Im Gespräch ist ein regulärer Saisonstart am 20. September. Möglicherweise kann aber erst im November oder im Januar gespielt werden. Es gibt viele Eventualitäten – beispielsweise die Frage, ob und wann wieder Zuschauer zugelassen sind – auf die wir uns einstellen müssen.

Wie agieren Sie angesichts großer Ungewissheit?

Hakanowitz: Wir versuchen beispielsweise, künftige Spielerverträge flexibel zu gestalten. Sollte es Geisterspiele geben, wird das Gehalt niedriger sein müssen, als wenn mit Zuschauern gespielt werden kann. Wir versuchen, das Risiko zu minimieren.

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Wie läuft die Kaderplanung und welche Rolle spielt Trainer Dirk Bauermann dabei?

Hakanowitz: Die Planung ist nicht einfach, da es für die neue Saison noch keine Termine gibt. Grundsätzlich geht von Dirk Bauermann die Initiative für die Kaderzusammenstellung aus. Wir treffen uns regelmäßig, um das abzustimmen. Wir hoffen, dass auch in der Krise sein starkes Netzwerk hilfreich ist. Von den Spielern, die vergangene Saison für uns aktiv waren, möchten wir drei oder vier behalten. Entschieden ist aber noch nichts.

Der Vertrag von Ex-Trainer Milan Skobalj, der im Januar freigestellt wurde, läuft noch bis 2021 – ist eine Lösung in Sicht?

Hakanowitz: Milan möchte natürlich auch wieder an die Arbeit und schaut sich derzeit unterschiedliche Angebote an. Ich denke, dass wir bald eine Entscheidung verkünden können.