26. März 2020 / 12:47 Uhr

Corona-Krise verändert das Leben von Akrobatin Lea Hinz in Las Vegas

Corona-Krise verändert das Leben von Akrobatin Lea Hinz in Las Vegas

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Lea Hinz zieht es immer wieder zu Outdoor-Aktivitäten in den Red Rock-Nationalpark.
Lea Hinz zieht es immer wieder zu Outdoor-Aktivitäten in den Red Rock-Nationalpark. © R
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Lea Hinz tritt seit zwei Jahren in der Show „Absinthe“ in Las Vegas auf. Die ehemalige Sportgymnastin des TSV Obernjesa ist wegen der Corona-Krise derzeit zum Nichtstun verdonnert. Wie sie mit der Situation umgeht und wie sich die quirlige Stadt verändert hat, berichtet die Akrobatin.

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Die Leuchtreklamen der Hotels blinken noch, die Fenster der Hotels bleiben dunkel. Wenn Lea Hinz aus ihrer Penthouse-Wohnung im elften Stock in Downtown Las Vegas auf den „Strip“ blickt, hat sie den Beweis, dass das Coronavirus die Vergnügungshauptstadt der USA lahm gelegt hat.

Die 30-jährige Göttingerin ist seit 2018 (wieder) in Las Vegas. Ihr Vertrag für die Show „Absinthe“ auf dem Gelände des legendären Hotels Ceasars Palace läuft in wenigen Wochen aus. „Es kann sein, dass ich am 14. März schon meine letzte Show hatte – ohne es zu wissen. Hier fing alles ganz langsam an. Ich hatte schon von meinem Vater, der Lungenfacharzt in Göttingen ist, von der Situation gehört und war natürlich skeptisch.“ Die Akrobatin tritt mit einer Solodarbietung an einem Luftring auf, hat sich „auf hohe Höhen und schnelle Drehungen“ spezialisiert. Drei verschiedene Nummern hat gerade in ihrem Repertoire, „Into Trouble“ heißt die letzte, mit der sie aufgetreten ist. „Das hätte zu diesem Zeitpunkt treffender nicht sein können“, sagt sie.

1400 Zuschauer jeden Abend

Schon vor der „Absinthe-Show“ hatten andere Produktionen ihr Programm beendet. „Es gingen im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus“, sagt Lea Hinz, die sich immer wieder gefragt hatte, wie lange ihr Arbeitgeber das Programm noch spielen lassen wolle. „Wenn du bei 1400 Leuten in der Mitte auftrittst und viele dich anhusten, fragst du dich das schon. Erst wurde unsere Schwestershow im Hotel Cosmopolitan geschlossen, dann auch unsere“, berichtet die Artistin von dem einsetzenden Domino-Effekt.

Inzwischen hat der Bundesstaat Nevada den „Lockdown“ beschlossen, seit Freitag, 20. März, ruht das gesellschaftliche Leben. „Und das Leben in der Stadt ist anders geworden. Diese Stadt weiß nichts mit sich anzufangen, wenn es kein Live-Entertainment, Glücksspiel und Alkohol gibt. Ich kann von meiner Wohnung aus das Zelt sehen, in dem ich auftrete. Normalerweise brauche ich nachts nach der Show für die fünf Kilometer bis zu einer Stunde – so voll ist der Strip. Im Moment schaffe ich das in ein paar Minuten“, erzählt Lea Hinz. Die Restaurants sind auch geschlossen, Lieferdienste bringen das Essen nur noch bis vor die Eingangstür der Gebäude nicht mehr bis zur Wohnung.

Von der Sportgymnastik auf die Showbühne in Las Vegas

Feuerwerk der Turnkunst - Hautnah Tournee 2008. Foto: Swen Pförtner Zur Galerie
Feuerwerk der Turnkunst - Hautnah Tournee 2008. Foto: Swen Pförtner ©

Fitnesstraining bei einem Freund

Um fit zu bleiben, hat die Artistin die Chance, bei einem Freund privat zu trainieren. „Ich bin die einzige, die das Fitnessstudio nutzt, nicht mal er geht an die Geräte. Da kann ich dann ein intensives Workout machen“, erzählt die ehemalige Sportgymnastin des TSV Obernjesa, die mit ihrer Ausbildung bei Ilonka Moschkau den Grundstein für ihre berufliche Karriere im Showbusiness gelegt hat. „Ich muss fit bleiben und bereit sein für die nächsten Aufgaben. Ich muss mich bewegen, ich bin Akrobatin.“ Viel Zeit wendet sie im Moment dafür auf, neue Nummern zu erarbeiten. Eigentlich war geplant, im Anschluss an die Zeit in Las Vegas in Chicago aufzutreten. „Mal abwarten, ob die dort überleben, man weiß zurzeit nicht, was kommt.“

Mit dem Absetzen der Show hat Lea Hinz ihren Biorhythmus verändert. „Normalerweise komme ich um 0.30 Uhr von der Bühne, dann geht’s mit Kollegen und Freunden zum Essen und irgendwann kurz vor Sonnenaufgang ins Bett.“ Inzwischen lebt sie „wie normale Leute“, steht früher auf, nutzt den Tag. Auch, um mit ihrer Familie und Freunden regelmäßiger als sonst zu skypen. Es gibt Abende mit „one movie a night“, an denen sie sich mit ihrer Clique alte Filme, Klassiker oder auch Neues zeitgleich anschaut und sich darüber in Chats austauscht. „Das ist schon eine Art Selbst-Isolation hier. Aber ich möchte nicht ein, zwei Monate komplett allein sein.“

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Warten auf ein neues Visum

Um nicht vollkommen zu vereinsamen hat sie sich vier Freunde herausgesucht, mit denen sie sich zu Outdoor-Aktivitäten außerhalb von Las Vegas trifft. „Jeder kommt mit dem eigenen Auto, wir umarmen uns nicht zur Begrüßung und zum Abschied. Aber wir machen etwas zusammen.“ Nach Deutschland zurückzukehren, ist für Lea Hinz gerade keine Option, da sie in den nächsten Tagen die Verlängerung ihres Visums erwartet, um weiter in den USA arbeiten zu können. „Außerdem wäre ein Flughafen gerade der letzt Ort, an dem ich momentan sein will.“

Lea Hinz hofft darauf, dass sie weiterhin ihren Beruf und das Leben, das eine gute Mischung aus Kreativität und Bequemlichkeit sei, so fortführen zu können. „Ich bin ein Mensch, der viel plant. Aber im Moment habe ich keine Kontrolle. Und wenn gar nichts mehr gehen sollte, ist das Medizinstudium in Göttingen immer noch eine Option.“

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