16. März 2022 / 10:15 Uhr

Corona-Langzeitfolgen möglichst gering halten. Schaumburger Spieler berichtet

Corona-Langzeitfolgen möglichst gering halten. Schaumburger Spieler berichtet

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Der Algesdorfer Trainer Timo Nottebrock ist vorsichtig und verlängert die Pause seiner Spieler. © Uwe Kläfker
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Die Corona-Inzidenzen steigen und der Amateursport fährt wieder hoch. Wie gehen die Trainer mit Spielern um, die aus der Quarantäne zurückkommen? Ein Spieler berichtet von den schweren Folgen seiner Erkrankung.

Die Corona-Inzidenzen steigen weiter an, gestern lag der Wert in Schaumburg bei 1790. Andererseits fährt der Amateursport nach langer Pause hoch. Tischtennis, Basketball, Volleyball – überall sind Hobbysportler wieder unterwegs. Aber es ruckelt noch, so sind im Handball wegen Corona fast alle Spiele mit Schaumburger Beteiligung ausgefallen. Auch die Fußballer sind betroffen, in den Teams häufen sich die Fälle, Spiele werden verlegt. Spätestens seit bekannt wurde, dass Alphonso Davies vom Rekordmeister FC Bayern München nach einer Corona-Infektion anschließend wegen einer Herzmuskelentzündung lange Zeit pausieren muss (und dieser Tage wieder mit leichtem Lauftraining begonnen hat), müssten auch bei den Amateuren die Alarmglocken schrillen.

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So reagieren die Trainer

Im Amateursport fehlt die professionelle Betreuung, es kann sich nicht jeder nach einer Erkrankung komplett durchchecken lassen. Viele machen eine Infektion auch durch, ohne überhaupt davon zu wissen, oder fangen einfach zu früh wieder mit dem Sport an. Wir haben uns bei einigen Trainern umgehört, wie sie mit der Situation umgehen, wenn Spieler nach überstandener Infektion wieder im Training auftauchen.

„Ich habe eine Mannschaft, die sehr mündig ist und sich mit dem Thema sehr gut auseinandersetzt. Ich gebe jedem die Zeit, bis er sich wieder so weit fühlt“, sagt Markus Drawert, Trainer des Kreisligisten TuS Lüdersfeld. So habe einer seiner Spieler sich noch schlapp gefühlt und vor dem Einstieg erst einen Arzt konsultiert. „Er hatte trotz eines schwachen Verlaufes die Symptome ‚Ich bin müde, ich bin schlapp‘. Bevor man dann auf den Platz geht, muss man sich die Sicherheit holen und wieder ein gutes Gefühl haben“, sagt Drawert, den es selbst auch erwischt hatte. „Ich lasse mich noch mal durchchecken, wir haben nur den einen Körper.“

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Auch am Landesligisten VfL Bückeburg ist Corona nicht spurlos vorübergegangen. Trainer Torben Brandt ist Physiotherapeut, „ich kenne mich grundsätzlich ein bisschen mit den Parametern aus“. Der VfL-Coach empfehle betroffenen Spielern, „ein Blutbild machen zu lassen“. Es sei aktuell schwer, kurzfristige Termine bei einem Kardiologen zu bekommen. „Ich habe mit mehreren Ärzten gesprochen. Rein sportmedizinisch soll es nicht notwendig sein, noch ein Blutbild machen zu lassen. Nach der Omikron-Welle kann man sich ganz normal wieder belasten und dann seine Parameter wählen, ähnlich wie nach einer Grippe. Langsam steigern, Pulskontrolle und so weiter. Aber die Spieler haben teilweise Angst, eben auch vor einer Herzmuskelentzündung.“

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Marcel Fritsche, Trainer der FSG Pollhagen-Nordsehl/Lauenhagen, war selbst auch schon von Corona betroffen. „Ich vertraue den Spielern, dass sie selbst sagen, wenn es nicht geht, oder merken, wenn es zu viel wird.“ Fritsche setzt auf Eigenverantwortung: „Die Jungs können jederzeit das Gespräch suchen, wenn sie das Gefühl haben sollten, dass etwas nicht stimmt. Aber bisher war alles in Ordnung“, sagt Fritsche.

Beim Bezirksligisten TSV Algesdorf setzt Trainer Timo Nottebrock auch auf die Eigenverantwortung seiner Spieler, hat aber auch eine klare Regel. „Wer sich freigetestet hat, bleibt eine Woche dem Training fern und macht auch sonst keinen Sport. Dann beginnen wir mit leichtem Lauftraining und stimmen das mit dem Spieler ab, inwieweit er die Belastungen gehen kann. „Ich habe derzeit einen Spieler, bei dem es noch nicht geht, wir bauen ihn langsam auf. Ein anderer hatte dagegen schon wieder Kurzeinsätze, war zuvor aber auch zehn Tage raus.“ Nottebrock ist sensibilisiert. „Ich möchte nicht die Verantwortung übernehmen, dass plötzlich ein Spieler auf dem Platz liegt.“ Eine sportmedizinische Untersuchung habe der Coach nicht eingefordert, „die Jungs gehen sehr vernünftig mit dem Thema um – und unsere Vorsichtsmaßnahmen greifen bisher“.

Betroffener Spieler berichtet

Wie hart es nach einer überstandenen Erkrankung aussehen kann, zeigt die Geschichte eines Schaumburger Spielers, der anonym von seiner Erfahrung berichtet. Bei ihm, einem Fußballer Anfang 20, lief die Corona-Erkrankung ganz gewöhnlich ab. Anfang, Mitte Februar infizierte er sich mit dem Virus und testete sich am 23. Februar frei. „Ich hatte keine Symptome mehr“, berichtet er. Doch direkt am Abend danach habe er ein Stechen in der Brust gespürt und nur schwer atmen können. „Überhaupt etwas zu essen, war anstrengend, weil dabei mein Mund voll war.“

Der Hausarzt stellte fest, dass „eigentlich alles gut“ sei, sich die Lunge nur erholen müsse. Er überwies den Spieler zum Kardiologen, bei dem er kurzfristig einen Termin bekam. Der Herzexperte diagnostizierte, dass „nichts kaputt“ sei. Wichtig: Der Kardiologe schloss eine Herzmuskelentzündung aus, warnte aber vor einem zu frühen Wiedereinstieg. Eine „Art Herzmuskelentzündung“ bei zu frühem Wiedereinstieg könne sich bilden und sei nur schwer zu diagnostizieren.

„Er hat mir gesagt, dass ich wieder anfangen könne, wenn ich keine Probleme habe“, berichtet der Spieler. „Intensiv dürfte es aber nur dann werden, wenn ich wieder komplett fit wäre.“ Seit Anfang dieser Woche hat der junge Fußballer keine Probleme mehr, möchte nun ganz locker wieder anfangen zu laufen und sich langsam steigern. Die vier, fünf Wochen an kompletter Sportpause merkt er jedoch deutlich. Als er Einkäufe in seine Wohnung im dritten Stock brachte, lag sein Puls bei 170.

Weitere Stimmen von Schaumburger Trainern: Dennis Strauß (SV Victoria Sachsenhagen): „Bei uns sind alle sensibilisiert, und wir haben den großen Vorteil, schon viele Spiele gemacht zu haben. Die Jungs handhaben das nach den aktuellen Vorgaben und sind vernünftig. Ihre Rückkehr liegt daher auch in ihrem eigenen Ermessen.“

Thomas Reh (SC Auetal): „Unsere Spieler sind in der Lage, ihre Rückkehr und ihre Gesundheit selbst einzuschätzen.“

Endrik Kording (SG Liekwegen/Sülbeck/Südhorsten): „Wir waren vorsichtig und haben unsere Spieler so lange wie möglich nach der Quarantäne geschont, um nichts zu riskieren. Wir halten uns an die Richtlinien des Gesundheitsamtes. Und wenn die Ärzte sagen, dass man sich besser nach einer Infektion zwei bis drei Wochen schonen sollte, dann machen wir das sicherheitshalber drei Wochen.“

Kardiologe rät: Auf den Körper hören

Martin Halle ist Ärztlicher Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie der TU München und rät auch Hobbysportlern deshalb in diesen Wochen zu Achtsamkeit. „Wenn ich eine leichte Infektion hatte oder nur positiv getestet bin, würde ich sagen, kann man nach zwei Wochen wieder voll Sport machen. Also eine Woche ganz Pause, dann drei, vier Tage locker Sport treiben, ab dem zehnten Tag etwas intensiver. Nach zwei Wochen kann ich wieder alles machen.“ Ging die Erkrankung dagegen mit mehreren Tagen Husten und damit einer Lungenbeteiligung einher, rät Halle zu einer zusätzlichen Woche Pause.


Im Fall einer Herzbeteiligung gelten sogar mindestens drei Monate striktes Sportverbot.
Für den Einstieg selbst sagt Halle, sollte man unbedingt auf das Körpergefühl achten, nach Signalen wie leichtem Schwindelgefühl, Pochen des Herzens oder Druck auf dem Brustkorb spüren. Wenn man beim Laufen etwa denke: „Meine Güte, da war ich vor drei, vier Wochen wesentlich besser dran. Mein Puls schlägt nach oben – oder ich habe sogar mal unregelmäßige Schläge. Das sind alles Hinweise, dass ich zum Arzt gehen sollte.“ Quelle: NDR

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