19. Februar 2021 / 19:02 Uhr

Corona-Lockerungen in Sachsen: Guckt der Amateursport in die Röhre?

Corona-Lockerungen in Sachsen: Guckt der Amateursport in die Röhre?

Simon Ecker
Leipziger Volkszeitung
Sportvereine, Kinder und Jugendliche brauchen eine Perspektive.
Sportvereine, Kinder und Jugendliche brauchen eine Perspektive. © Christian Modla
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Die sächsische Regierung arbeitet derzeit an einem Stufenplan zum Ausstieg aus den Corona-Beschränkungen. Details aus einem ersten Entwurf wurden jetzt bekannt. Informationen, wie es mit dem Breitensport weitergeht, sind darin jedoch nicht zu finden.

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Leipzig. Deutschland und Sachsen befinden sich seit knapp vier Monaten im Lockdown. Fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind seitdem auf Null gefahren. Erste Beschränkungen wie die 15-Kilometer-Regel und Ausgangssperre wurden zuletzt zwar aufgehoben, doch die Forderungen nach einer klaren Ausstiegsperspektive aus dem Corona-Lockdown werden immer lauter.

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Kinder und Jugendliche gehen dem Sport verloren

Die sächsische Landesregierung arbeitet momentan an einem entsprechenden Konzept. Details eines ersten Entwurfs sind nun durchgesickert. Und die sorgen im Amateursport für lange Gesichter. Denn während Einzelhandel, Gastronomie sowie Clubs und Diskos unter gewissen Bedingungen (bestimmter Inzidenzwert über einen längeren Zeitraum) wieder öffnen und körpernahe Dienstleistungen erlaubt sein sollen, scheinen Lockerungen für den Amateursport bislang nicht vorgesehen. Zugespitzt formuliert: Ein Bordellbesuch ist möglich, Training auf Sportplätzen und in Sporthallen aber nicht.

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In Sachsens Sportlandschaft sorgt diese Entscheidung, wenig überraschend, für Unmut. „Sollte der sächsische Sport bei der nächsten Öffnungswelle nicht bedacht werden, ist das ein schlechtes Zeichen für unsere Vereinslandschaft“, sagt Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen. „Die Vereine stehen mit dem Rücken zur Wand und erhoffen sich zeitnahe Informationen zu Öffnungsperspektiven.“ Bereits jetzt würden sich zahlreiche Kinder und Jugendliche vom Sport abwenden.

In die gleiche Kerbe schlägt Tasso Hanke, Abteilungsleiter Leichtathletik der SG MoGoNo und Vorsitzender des Leipziger Leichtathletik-Verbandes: „Für uns ist das nicht nachvollziehbar, dass der Breitensport in den Lockerungsplänen überhaupt keine Rolle spielt. Speziell unsere Kinder und Jugendlichen brauchen eine Perspektive. Sie müssen aufgezeigt bekommen, wann es endlich wieder losgehen kann.“ Zum Jahreswechsel hätten sie im Verein 350 Abmeldungen gehabt, vor allem aus dem Nachwuchsbereich, berichtet der 56-Jährige. Üblich seien um die 150 Austritte. Hankes Forderung ist daher eindeutig: „Der Vereinssport muss wieder beginnen!“

Profisport mit Vorreiterrolle für Amateurbereich

Ein Wunsch, den auch die Fußballer beim Leipziger SC hegen. „Klar sehnen sich alle danach, endlich wieder ordentlich gegen den Ball zu treten“, weiß Abteilungsleiter Sigurd Müller. Dass es bald zu stufenweiser Normalität kommen könnte, glaubt man in Schleußig jedoch nicht. „Ich denke, wir kriegen im März noch keine Öffnungen. Ich gehe eher davon aus, dass wegen der Mutationen die Zahlen nicht sinken werden“, überlegt Müller, dessen Abteilung vom Mitgliederschwund weitestgehend verschont geblieben ist.

Nicht ganz so hart getroffen hat es auch Profisportler wie die DHfK-Handballer, die auch im Lockdown ihrem Beruf weiter nachgehen dürfen. Geschäftsführer Karsten Günther, der zugleich Sprecher der Initiative "Teamssport Sachsen" ist, erkennt darin eine mögliche Vorreiterrolle für den Breitensport. „Wir haben im Profibereich die Chance, die Hygienekonzepte für den Amateurbereich zu testen. Gemeinsam mit den anderen Vereinen der Initiative Teamsport Sachsen haben wir Konzepte entwickelt, wie wir durch regelmäßige Schnelltest auch mit dem Nachwuchs wieder trainieren können.“ Dennoch stört den 39-Jährigen, dass die Politik Sportevents als reine Vergnügungsveranstaltungen verkenne und bislang ignoriere, welch wichtige Funktion Sportvereine als soziale Institution in der Gesellschaft haben und wie viele Arbeitsplätze damit verbunden seien. Günther fragt deshalb: „Geht es hier noch um die Menschen oder ist das reine Symbolpolitik?“

Mit Tilman Kortenhaus, Kerstin Förster und Anton Kämpf