25. Februar 2021 / 16:43 Uhr

"Irreparable Schäden" drohen: Sprecher der Sportverbände fordert Perspektive für Vereine

"Irreparable Schäden" drohen: Sprecher der Sportverbände fordert Perspektive für Vereine

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
 Dem Amateursport fehlt eine Öffnungsperspektive, wie Verbändesprecher Michael S. Langer (eingeklinkt) anprangert.
Dem Amateursport fehlt eine Öffnungsperspektive, wie Verbändesprecher Michael S. Langer (eingeklinkt) anprangert. © imago images/Noah Wedel / privat
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Der Amateursport bleibt verboten, eine Lockerung ist nicht in Sicht. Michael S. Langer, Sprecher der Sportverbände in Niedersachsen, warnt vor verheerenden Konsequenzen für die Sportlandschaft und wünscht sich mehr Beachtung für die positiven Aspekte des Sports.

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Michael S. Langer ist Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Landesfachverbände, also Sprecher aller Sportverbände Niedersachsens. Ein Interview.

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Herr Langer, die Großvereine Niedersachsens schlagen Alarm. Sie fordern: Sport ist nicht das Pro­blem, Sport muss Teil der Lösung sein. Wieso aber bleibt der Sport im Verein weiter verboten?

Es ist an uns – der gesamten Sportorganisation –, die für uns zur Verbesserung der gesamten Situation notwendige Aufmerksamkeit und Akzeptanz herzustellen. Das ist uns bislang scheinbar und leider nicht gelungen.

Ausnahme bleibt der Profisport mit der Argumentation der Berufsausübung. Verständlich. Gesunderhaltung, Verhinderung der Vereinsamung und Vergreisung – wieso werden diese Argumente im politischen Diskurs nicht bei der Bewertung des Vereinssports berücksichtigt?

Ich halte es hier wie jeder Lobbyist: Aus meiner Sicht werden all die positiven Aspekte, die den Sport in seiner Vielfalt auszeichnen, wirklich zu wenig wahrgenommen und berücksichtigt. Ich verstehe nur sehr bedingt, dass es uns nicht gelingt, hiermit und auch mit der Schilderung der realen Gefahren, die durch das Aussetzen des Sports entstanden sind und weiter entstehen, bei den Entscheidungsträgern anzudocken.

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Was machen die Friseure besser als die Vereinssportler?

Es ist ihnen gelungen, ihre Not plakativ und bildhaft in der Öffentlichkeit zu platzieren.

Geht es nach dem LSB, verzeichnen die Vereine in Niedersachsen keinen dramatischen Mitgliederschwund. Teilen Sie diese Meinung?

Die Beantwortung dieser Frage muss man zweiteilen. In einer Momentaufnahme sind vor allem die finanziellen Aspekte der Krise nur bedingt und in einzelnen Fällen, besonders auf Vereinsebene, durchgeschlagen. Der Rückgang der Mitgliederzahlen blieb im Rahmen des angenommenen Szenarios. Aber! Die Krise ist im vollen Gange. Wir können keine Angebote unterbreiten, die Menschen sind vielfach frustriert, das ehrenamtliche Engagement bröckelt, die Entwöhnung vom Sport hat nicht nur begonnen. Ich könnte jetzt ellenlang sorgenvoll unsere Probleme schildern, beschränke mich stattdessen auf eine Kernforderung: Wir brauchen eine Perspektive!

"Unsere Formulierung war eben ein Szenario mit Perspektive"

Der LSB ist es auch, der bei entsprechender Inzidenzentwicklung Sport ohne Einschränkungen frühestens mit Beginn der Sommerferien empfiehlt. Diese beginnen im Juli…

Das ist aus dem Kontext gerissen. Wir sind einer der ersten, vielleicht sogar der erste Dachverband, der überhaupt einen Termin für die Rückkehr in eine neue Normalität formuliert hat. Dabei haben wir Bezug auf den zu diesem Zeitpunkt schon in der Öffentlichkeit kursierenden Stufenplan der Landesregierung genommen. Und wenn man diesen real als Maßstab anlegt, war unsere ausdrücklich formulierte Forderung eben ein Szenario mit Perspektive.

Fürchten Sie eine Insolvenzwelle der Vereine?

Die Vereine haben es unterschiedlich schwer. Gerade die größeren Vereine mit ihren vielfältigen Angeboten leiden schon jetzt massiv. Wir brauchen ein Gegensteuern und, noch mal klar und nachdrücklich formuliert, eine Perspektive!

"Wir haben nicht mehr viel Zeit"

Kein Sport für Kinder, kein Sport für Ältere, Ehrenamtler und Übungsleiter suchen sich andere Aufgaben – wie wird der Corona-Lockdown die Sportwelt in Niedersachsen verändern?

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Wenn wir jetzt nicht zeitnah, natürlich verantwortungsbewusst und unter Anwendung von strengen und anwendbaren Hygienekonzepten, den Amateur- und Breitensport wieder aufnehmen, werden wir irreparable Schäden in der Sportlandschaft erleben. Schon jetzt ist der Weg zurück extrem beschwerlich. Wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir brauchen eine Rückkehr und diese muss dann, jetzt wird es ein bisschen pathetisch, von allen Ebenen des Sports gemeinsam und von gegenseitiger Wertschätzung und Akzeptanz getragen, gemeistert werden.