05. Juli 2020 / 17:20 Uhr

48 Seiten Hygienekonzept: TuS Wettbergen fängt die Corona-Folgen geschickt ab

48 Seiten Hygienekonzept: TuS Wettbergen fängt die Corona-Folgen geschickt ab

Maximilian Bosse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Uwe Liepelt, stellvertretender Vorsitzender der TuS Wettbergen, hat an dem Hygienekonzept mitgewirkt
Blickt zuversichtlich in die Zukunft: Uwe Liepelt, stellvertretender Vorsitzender der TuS Wettbergen, hat an dem Hygienekonzept mitgewirkt © Debbie Jayne Kinsey
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Als das Sportgeschehen wegen Corona gestoppt wurde, machte sich die TuS Wettbergen schon Gedanken über den Neustart. Ein Plan, der schnell das Leben auf die große Anlage mit ihren Beach-, Fußball- und Tennisplätzen zurückgebracht hat. Spur­los ist die Krise aber auch an diesem Verein nicht vorbeigegangen. 

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Die Bilder gleichen sich mit denen anderer Sportvereinen. Beim Gang durch das große Eingangstor geht es nur im Einbahnstraßenmodus. Ab­stand halten, Hände desinfizieren, in Listen eintragen. Die Hygienevorschriften sind Gesetz – und alle halten sich selbstverständlich daran. Be­trieb herrscht nach wochenlangem Shutdown längst wieder, und es wird mit jeder weiteren Lockerung mehr. Ein munteres Durcheinander von kleinen und großen Athleten be­herrscht das Bild, wenn die schweren Eisentore am Eingang überwunden sind.

90 neue Mitglieder

Viele Trainingsgruppen unterschiedlichster Sportarten verteilen sich. Die Kinder der Fußball-Torwartschule Peter Rasch fliegen hin und her zwischen den Pfosten. Die acht Tennisplätze am Waldrand sind allesamt belegt. Und auch die Handballerinnen der D-Jugend finden großen Gefallen an der Einheit auf dem Beachsoccerfeld. Die Pandemie ist steter Begleiter, allerdings spielt sie aktuell nur eine Nebenrolle in den Köpfen der Sportler. Covid-19 gehört zum gelebten Alltag.

Das Konzept kommt an – auch bei den neuen Mitgliedern. Mehr als 90 neue Athleten ha­ben sich dem TuS in diesem Jahr schon angeschlossen. Eine beachtliche Zahl mit Blick auf die Entwicklung vieler anderer Vereine in Hannover. Allerdings gleicht sie nicht die Zahl der Austritte aus, die am Ende des Jahres auf Re­kord­hö­he liegen könnte, vermutet der Vorstand.

Bilder vom Sport bei der TuS Wettbergen in der Corona-Pandemie

Alina ist im Sand aktiv. Zur Galerie
Alina ist im Sand aktiv. ©

Die TuS traf es in den vergangenen Monaten knüppeldick. Mehr als 150 Austritte hatte der Verein bis dato schon zu verbuchen. „Normalerweise rechnen wir in einem Jahr mit rund 300 Kündigungen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Uwe Liepelt. „Wir haben jetzt schon knapp über die Hälfte davon erreicht, und eine große Welle kommt noch auf uns zu.“ Das verursacht bei allen Erfolgen dann doch ein mulmiges Gefühl im Bauch. 

Zumal die Sporthalle den Vorstand vor eine große Herausforderung stellt. Die hohen Mietzahlungen an die Stadt Hannover hinterlassen ein großes Loch im Haushaltsplan. Auch muss die Sportstätte dringend saniert werden. „Fehlende Kommunikation mit der Stadt“ war laut Liepelt der Grund dafür, dass es erst am 18. Juni wieder in die Halle ging. Der Regelbetrieb ist noch entfernt. „Wir werden langsam mit dem Reha-Sport und Badminton anfangen“, sagt er. Nach und nach sollen die übrigen Sparten nachrücken.

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Am einfachsten überstanden die Tennisspieler den Corona-Stopp. Gleich nach dem behördlich erlaubten Re-Start flogen die Filzbälle übers Netz. Die Zwangspause nutzte jeder auf seine Weise. „Von dem einen auf den anderen Tag fiel plötzlich alles weg. Die meisten haben es dann so geregelt, dass man zum Beispiel den Ball gegen eine Mauer gespielt hat oder joggen gegangen ist“, sagt die 15-jährige Lotte Steinbach aus dem B-Juniorinnenteam. Das war Mitte März.

"Wir waren gefühlt nie raus"

Die Zeit zu überbücken half Trainer Björn Weltz: „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe mit knapp 300 Leuten. Dafür wurden Videos gedreht und Fitnesspläne geschrieben“, sagt der 36-Jährige. Seine gesamte Trainerkreativität musste auch Peter Rasch aufbieten. Mit seiner Fußballschule ist der Übungsleiter Untermieter in Wettbergen. Und darum sagt Rasch auch: „Wir waren gefühlt nie raus.“ Kognitives Arbeiten statt Grätschen, Spingseile statt Pfostenlauf. Den Kontakt zu den Sportlern verlor er nie.

Die alles beherrschende Frage, die Verein wie Trainer umtrieb: Wie kann ein Re-Start funktionieren? Der TuS-Vorstand wollte das Tempo selbst in der Hand behalten. 48 Seiten dick ist das für alle geltende Hygienekonzept, das kurz nach dem Shutdown schon ausgearbeitet und immer wieder erweitert wurde. „Das hat uns dann, auf gut Deutsch gesagt, den Hintern gerettet“, sagt der Vizevorsitzende Uwe Liepelt. „Denn nur so konnten wir direkt wieder loslegen.“