04. Oktober 2020 / 09:00 Uhr

Angeknüpft: SC Potsdam mit perfektem Saisonstart nach 210 Tagen Pause

Angeknüpft: SC Potsdam mit perfektem Saisonstart nach 210 Tagen Pause

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
03.10.2020, Damen-Volleyball, 1.Bundesliga, Punktspiel,SC Potsdam-Dresdener SC, MBS-Arena Potsdam  
im Bild: v.l. SC Potsdam Freude,froehlich,lachend
Hatten gegen den Dresdner SC am Samstagabend allen Grund zum Jubeln: die Bundesliga-Volleyballerinnen des SC Potsdam. © Julius Frick
Anzeige

Die Brandenburger Bundesliga-Volleyballerinnen setzen ihre Top-Leistungen der vergangenen Spielzeit fort. Sie besiegen den Deutschen Pokalsieger Dresdner SC glatt mit 3:0. Eine Kampfansage. 

Anzeige

Die Vorfreude und Neugier waren groß. Daher hielt es die Volleyballerinnen des SC Potsdam auch nicht im Verborgenen der Katakomben, als am Samstagabend zum Bundesliga-Auftakt das neue Intro zur Teamvorstellung Premiere hatte. Die imposante Licht- und Musikshow mit Video auf der Anzeigentafel verfolgten sie gemeinsam unter lautem eigenen Gejohle in der Halle. Gut 90 Minuten später johlten die Potsdamerinnen wieder. Da hatte Laura Emonts gegen den Dresdner SC den dritten Matchball verwandelt und ihn damit perfekt gemacht, den perfekten Saisonstart. Mit 3:0 (25:20, 25:20, 25:23) bezwang der SCP den amtierenden Deutschen Pokalsieger. „Das war super Teamwork“, lobte Annahme/Außen-Spielerin Emonts.

Anzeige

Starke Aufholjagd nach nervösem Beginn

Die Mannschaft von Cheftrainer Guillermo Hernandez knüpfte in der heimischen MBS-Arena also da an, wo sie vor dem coronabedingten Abbruch der Serie 2019/20 aufgehört hatte. Damals gelang ein rauschender 3:2-Erfolg über Rekordmeister Schweriner SC. Insofern habe es sich angefühlt, als wäre es Mitte März, als hätte es den Lockdown und die Pause nie gegeben, meinte Emonts.

SC Potsdam: Kader 2020/21 in der Frauenvolleyball-Bundesliga

Das SCP-Team für die Saison 2020/21. Zur Galerie
Das SCP-Team für die Saison 2020/21. © Kathleen Friedrich/SC Potsdam

Und doch machten sich beim SCP im Duell des Vorjahresdritten gegen den -vierten die mehr als 200 pflichtspielfreien Tage zunächst bemerkbar. „Alle waren sehr aufgeregt und haben gezittert“, berichtete Hernandez. Auch der 43 Jahre alte, so erfahrene Coach sei dieses Mal – für ihn eher untypisch – nervös gewesen, wie er zugab. Vier der sechs Neuzugänge standen in seiner Startformation. Allesamt Bundesliga-Neulinge, was zusätzliche Unsicherheit wegen der noch unbekannten Umgebung bedeutete. Entsprechend fahrig begannen Ana Tiemi Takagui, Symone Speech, Lindsey Ruddins und Kelsey Veltman sowie die arrivierten Kräfte Emonts, Brittany Abercrombie und Aleksandra Jegdic. Die Hernandez-Truppe lag nach schnellem 0:3 dann schon mit sechs Punkten zurück (8:14). Und als beim Stand von 10:14 die Schiedsrichter umstritten auf Punkt für Dresden entschieden, war der Coach von der Vulkaninsel Teneriffa bereits zum ersten Mal in der noch jungen Saison auf 180. Aber den Ärger kanalisierte das Team in Trotz, verbesserte sich in allen Elementen, kippte beim 20:19 die Führung und brachte sie souverän ins Ziel.

Viertes Mal zum Auftakt gegen Dresden

Diesen Schwung nahm der SCP nach dem Seitenwechsel mit. Dresden brauchte derweil ein wenig, um sich von der beeindruckende Potsdamer Auf- und Überholaktion des ersten Durchgangs zu erholen. Nach zwischenzeitlichem 10:5 entwickelte sich ein Hin und Her. Durch zwei Schwächephasen schrumpfte jeweils ein Fünf-Punkte-Vorsprung der Gastgeberinnen nur noch auf einen Zähler, doch zeigten sie stets die passende Reaktion. Vor allem über starke Abwehraktionen am Netz oder im Feld wurden entscheidende Akzente gesetzt. „Wir haben sie in der Defensive gestoppt“, urteilte Hernandez. „Damit haben wir uns das Leben einfach gemacht“, ergänzte Emonts. Wie im zweiten Satz bewies die Brandenburger Mannschaft auch im dritten Durchgang insgesamt mehr Konstanz und den längeren Atem.


#17 Laura Emonts, Annahme/Außen, beim SCP seit 2019 und von 2009 bis 2012, Deutschland, Jahrgang 1991.
#17 Laura Emonts, Annahme/Außen, beim SCP seit 2019 und von 2009 bis 2012, Deutschland, Jahrgang 1991. © Kathleen Friedrich/SC Potsdam

Durchpusten fiel derweil den Zuschauern etwas schwerer. Sie mussten gemäß Hygienekonzept dauermaskiert das Spiel verfolgen. 720 Fans waren gekommen und hatten sich feinsäuberlich im Schachbrettmuster auf den Rängen verteilt. Gut 160 Besucher mehr hätten dabei sein können, doch auch so entstand schon eine beachtliche Atmosphäre. Die als Spielerin des Tages gekürte Emonts (15 Punkte) fand, dass es sich „super angefühlt“ habe, fast schon normal. Auf dem Feld verdeutlichen allerdings Kleinigkeiten, dass andere Zeiten herrschen. Beispielsweise wird auf die externen Wischer verzichtet, stattdessen müssen die Spielerinnen selbst mit Lappen über den Boden kriechen, um Schweißspuren wegzuwischen.

Mehr zum SC Potsdam

Nicht wegzuwischen ist die Erkenntnis, dass Dresden nach dem 0:3 im Supercup gegen Schwerin vor einer Woche nun erneut klar den Kürzeren gezogen hat. Und dass der SC Potsdam wieder viel Potenzial zu haben scheint. „Das war noch nicht unser Level. Wir können es viel besser“, betonte Hernandez. Es wirkte wie eine Kampfansage an die erste Liga, in der der SCP nunmehr das zwölfte Jahr mitspielt. Bereits zum vierten Mal ging es beim Auftakt gegen den Rivalen aus Sachsen. Nach einer 0:3-Niederlage im Jahr 2012 begann die Steigerung über ein 3:2 (2017) und 3:1 (2019) nun hin zum glatten 3:0. Das sorgt für Vorfreude auf den weiteren Saisonverlauf und weckt Neugier, wohin der Weg für die Potsdamerinnen wohl gehen wird.

SC Potsdam: Emonts (15), Abercrombie (11), Ruddins (9), Speech (7), Takagui (4) Veltman (3), Stautz (1), Jegdic, Agbortabi, Wilczek, Flory.