22. Januar 2021 / 18:04 Uhr

Corona-Probleme: Diese drei Hürden muss der Amateurfußball jetzt nehmen

Corona-Probleme: Diese drei Hürden muss der Amateurfußball jetzt nehmen

Nils Weinert und Robin Jantos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Amateurfußball hat einen schwierigen Weg vor sich. Aber keine Hürde ist unüberwindbar.
Der Amateurfußball hat einen schwierigen Weg vor sich. Aber keine Hürde ist unüberwindbar. © imago images / Kosecki (Montage)
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Die zweite große Corona-Unterbrechung binnen weniger Monate stellt die Vereine vor enorme Schwierigkeiten. Dabei gibt es vor allem drei große Herausforderungen zu bewältigen. Wem der Amateurfußball wichtig ist, der packt jetzt mit an.

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(1) Den Laden zusammenhalten

Viele Vereine haben die erste große Hürde, die Unterbrechung im Frühjahr 2020, eindrucksvoll gemeistert. Neue Trainingsmethoden wurden erforscht, Trainingspläne für Zuhause erarbeitet und die Einheiten in den heimischen Garten, auf Balkone oder eben ins Wohnzimmer verlegt.

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Aber nach einem kleinen Bisschen Normalität rund um dem Sommer geht spätestens seit Anfang November schon wieder überhaupt nichts mehr - und niemand kann ausschließen, dass die Zwangspause nicht vielleicht noch bis März oder sogar April dauert. Dabei ist noch die kleinere Frage, wie diese Saison sportlich abgeschlossen werden kann.

Viel drängender: Kommt danach die Lust am Fußball bei Aktiven und Publikum zurück? "Ich hoffe, dass Kinder und Jugendliche sagen, das hat mir richtig gefehlt – es kann aber auch das Gegenteil passieren", sagt der frühere Arsenal-Profi und heutige Amateurtrainer Alberto Méndez. Das fürchten viele: Dass sich der Nachwuchs, aber auch die Erwachsenen an ein Leben ohne Fußball gewöhnt haben. Dann fehlen möglicherweise nicht nur Spieler, sondern auch die für die Vereine lebenswichtigen Helfer und zahlenden Mitglieder.

Trainer*innen und andere Ehrenamtler*innen können nur versuchen, so viel Kontakt wie möglich zu ihren Teams bzw. den Vereinsmitgliedern und Fans zu halten, sich immer wieder Aktionen auszudenken, um den Zusammenhalt zu stärken - damit der Fußball nie ganz weg ist aus dem Leben. Eine enorme Kraftanstrengung, bei der sie jede Hilfe gebrauchen können.


(2) Im Gespräch bleiben

Wenn es dann endlich wieder losgeht, darf natürlich auch die Öffentlichkeitsarbeit nicht zu kurz kommen. Denn: In Vergessenheit zu geraten, wäre für die kleinen Dorf- und Stadtteilklubs fatal. Den Menschen in der Region muss signalisiert werden: „Hey, uns gibt es noch!“ Die Bratwurst und das Bier am Spielfeldrand schmecken noch genauso gut wie vor der Corona-Pandemie – aufgrund des langen Verzichts vielleicht sogar noch besser.

Um die Fans bei Laune zu halten, können Gewinnspiele oder Aktionen Abhilfe schaffen, die die Klubs ins Leben rufen. Sponsoren akquirieren, eigene Fanartikel verlosen oder die Leute einfach vom tristen Corona-Alltag ablenken – der FC Schwarz Weiß Silschede hat es bereits vorgemacht, indem er seinen Followern bei Instagram ein Rätsel stellte. Zu gewinnen gab es einen Gutschein für einen Monat freies Training im Fitnessstudio.

Man muss nur auf sich aufmerksam machen und auch wieder Zuschauer anlocken. In der Bundesliga geht das nur mit attraktivem und hochklassigem Fußball. Die Kreisliga versprüht da schon einen ganz anderen Charme. Man trifft Freunde von früher, es kann endlich wieder über Fußball philosophiert werden und die älteren Besucher, die schon vier Mal die Champions League und eine Weltmeisterschaft gewonnen haben, werden wieder zum 12. Mann.

(3) Nicht durchrosten

Die Infrastruktur ist der wunde Punkt im Amateursport. Tropfende Wasserhähne, kaputte Kabinendächer, Rost und abblätternde Farbe. Weil die Kommunen, denen die meisten Sportanlagen gehören, seit Jahrzehnten sparen, geht es vielerorts längst an die Substanz. Ein Gutes hat die Pandemie immerhin: Durch die lange Spielpause konnten sich die chronisch überlasteten Rasenflächen erholen. Löcher wurden zugeschüttet, der Rasen konnte gut anwachsen: Vielerorts sind die Spielflächen in einem so guten Zustand wie seit Jahren nicht.

Den chronischen Geldmangel können die Vereine dagegen nicht alleine beheben. Aber dass viele Mitglieder aktuell mehr Zeit als üblich haben, das lässt sich nutzen: um zu renovieren, die Kabinen zu streichen, dem Rost zu Leibe zu rücken. Das gemeinsame (wenn auch vielleicht nicht gleichzeitige) Arbeiten stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Verbundenheit mit dem Verein. Und es hilft, dass der Verein auch nach der Pandemie wieder attraktiv – für Spieler*innen und das Publikum.

Das Fazit

Die Herausforderungen sind enorm. Und längst ist nicht klar, dass alle Vereine es schaffen. Aber es ist möglich, wenn viele Menschen mithelfen. Du hast Dich bisher noch nicht im Verein engagiert? Jetzt ist der richtig Zeitpunkt, damit anzufangen!