16. November 2020 / 14:35 Uhr

Verwirrspiel um Corona-Quarantäne: So kann Erling Haaland doch für den BVB auflaufen

Verwirrspiel um Corona-Quarantäne: So kann Erling Haaland doch für den BVB auflaufen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Muss er in Quarantäne - oder muss er nicht? Ob Erling Haaland am Wochenende für den BVB spielen kann, ist noch offen.
Muss er in Quarantäne - oder muss er nicht? Ob Erling Haaland am Wochenende für den BVB spielen kann, ist noch offen. © imago images/Bildbyran
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Kann Erling Haaland am Wochenende wieder für Borussia Dortmund spielen? Darüber haben der norwegische Fußballverband und der BVB unterschiedliche Auffassungen. Im europäischen Durcheinander drohen ungeahnte Probleme.

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Borussia Dortmund zittert vor dem Bundesliga-Spiel am kommenden Samstag bei Hertha BSC weiter um den Einsatz von Stürmerstar Erling Haaland. Der Youngster war nach einem positiven Corona-Test seines norwegischen Nationalmannschaftskollegen Omar Elabdellaoui zwar am Sonntag nach Deutschland zurückgekehrt, muss sich laut norwegischem Verband aber zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben. Tut er das nicht, droht offenbar mindestens eine Geldstrafe. Der BVB hat genau wie RB Leipzig und Hertha, wo mit Alexander Sörloth und Rune Jarstein zwei weitere betroffene Norweger unter Vertrag stehen, allerdings eine andere Auffassung der Lage.

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Die Spieler der norwegischen Nationalmannschaft dürfen die Selbstisolation laut Verband zwar an ihrem Hauptwohnsitz durchführen, also dort, wo sie auch unter Vertrag stehen. Im Fall von Erling Haaland ist das Dortmund. Allerdings werde man mit seinen Fußball-Stars "nicht weniger streng" umgehen als bei anderen Bürgern, versicherte die konservative norwegische Regierungschefin Erna Solberg. "Es ist unsere ganz grundsätzliche Strategie, Menschen in Quarantäne zu schicken, wenn sie in der Nähe eines Infizierten waren. Viele andere Länder um uns herum tun dies nicht, und das ist einer der Gründe dafür, dass die Zahl der Fälle bei uns kleiner ist." Nach Auffassung der norwegischen Behörden hatte die gesamte Mannschaft Kontakt zum infizierten Elabdellaoui und muss sich deshalb bis zum 22. November isolieren. Auch in Deutschland. Die Botschaft: Für den Fußball dürfe es keine Ausnahme geben.

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Dennoch setzt der BVB darauf, dass Haaland vorzeitig aus der Quarantäne und damit am Samstag spielen darf. Laut Kicker geht der Klub davon aus, dass Haaland in Dortmund nicht norwegischem, sondern deutschem Recht unterliegt. Deshalb gelten für den 20-Jährigen weiterhin die Regeln des Dortmunder Gesundheitsamtes. Und diese besagen, dass er nach drei negativen Corona-Tests wieder ins Training einsteigen könnte. Zweimal soll der Stürmer schon getestet worden sein, jeweils negativ.

Dortmund wolle demnach schnellstmöglich in Erfahrung bringen, ob Haaland trotz der strikten Corona-Auflagen in seiner Heimat und der klaren Ansage des Verbandes gegen die Berliner spielen kann. Man arbeite mit allen Beteiligten an einer Klärung. "Wir werden weiterhin null Risiko eingehen", sagte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl den Ruhr Nachrichten. Bei allem Ärger verkniff er sich Schuldzuweisungen: "Wir haben uns die Hygienekonzepte aller Verbände vorab zum BVB schicken lassen und angesehen. Die Vorkehrungen sind überall sehr hoch, niemand agiert fahrlässig."

Hertha-Mediendirektor: Jarstein-Comeback im Laufe der Woche

Ähnlich sieht es bei der Hertha aus. In Berlin, wo es vor dem Verlassen der Quarantäne zwei negative Tests braucht, gehe man "davon aus, dass hier das für uns zuständige Gesundheitsamt federführend ist und Rune nach zwei negativen Testergebnissen gegen Ende der Woche ins Training einsteigen kann", wie Mediendirektor Max Jung dem SID sagte. Auch bei RB Leipzig rechnet man mit einem Einsatz von Sörloth am Wochenende gegen Eintracht Frankfurt.

Der zuständige norwegische Amtsarzt Tore W. Steen hatte indes dem Dagbladet erklärt, dass man ein Zuwiderhandeln gegen die Selbstisolation "als Bruch der Quarantäne und Verstoß gegen die Voraussetzungen zur Ausreise" werten würde. Die Reise zurück zu ihren Klubs sei den Spielern nur unter der Auflage gestattet worden, dass sie die Quarantäne strikt einhalten würden.

Die Verbandsdirektorin Lisa Klaveness hatte im Rundfunksender NRK bekräftigt, dass die Spieler versprochen hatten, "dass sie sich an die Regeln halten - und wir haben die Wichtigkeit, dass sie dies tun, noch einmal unterstrichen". Dass dieser Appell nicht bindend ist, gestand Klaveness allerdings schon am Montag ein: "Die Zuständigkeiten der norwegischen Behörden und der Geltungsbereich des norwegischen Regelwerks hören auf, wenn die Spieler das Land verlassen."

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Norwegens Gesundheitsminister: Gute Gründe für Quarantäne

Dafür spricht ebenfalls die Aussage des norwegischen Gesundheitsministers. Es gebe zwar "gute Gründe dafür, dass diese Spieler in Quarantäne sind", sagte Bent Höie, schränkte allerdings ein: "Es liegt nicht in meiner Macht, Personen, die im Ausland leben, eine Quarantäne aufzuerlegen." Er bekräftigte, dass in der schwierigen Lage nun jeder Verantwortung übernehmen müsse, "um dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet." Die Entscheidung über eine Spielerlaubnis für Haaland, Sörloth und Jarstein liegt nun jedoch bei den Gesundheitsämtern in Deutschland.