13. November 2020 / 10:08 Uhr

Corona-Regeln hinterlassen bei Eilenburger Leichtathleten Verunsicherung und Unverständnis

Corona-Regeln hinterlassen bei Eilenburger Leichtathleten Verunsicherung und Unverständnis

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Die Sportler des LC Eilenburger Land gehen in Sachen Abstand bei der Trainingsrückkehr am Dienstag auf Nummer sicher.
Die Sportler des LC Eilenburger Land gehen in Sachen Abstand bei der Trainingsrückkehr am Dienstag auf Nummer sicher. © Privat
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„Schulsport ja, Amateursport nein, Profisport ja. Wieso, weshalb, warum, das versteht doch sowieso kein Mensch", sagt Gerald Voß, Präsident des LC Eilenburger Land. Gemeint sind natürlich die Regelungen in Sachsens Corona-Schutzverordnung. Die sorgen aufgrund unklarer und weicher Formulierungen bei den Leichtathleten für Verunsicherung. 

Nordsachsen. „Die Verunsicherung innerhalb der Vereine ist groß”, sagt Sven Kaminski. Das gilt offenbar auch für den Geschäftsführer des hiesigen Kreissportbundes (KSB) selbst. „Es gibt noch Klärungsbedarf, weil man manches unterschiedlich auslegen kann.” Diese Sätze des KSB-Chefs sind inzwischen mehr als eine Woche alt. Und weiterhin bereitet die gar nicht mehr so neue (sächsische) Corona-Verordnung mit ihrem Verbot von Amateursport bis auf einige Ausnahmen Vereinen wie Sportlern Kopfzerbrechen.

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Zu schwammig ist die Formulierung des entscheidenden Passus‘, der da lautet: Vom Verbot „ausgenommen wurde Individualsport, der allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand oder als Schulsport betrieben wird“.

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Aber wie genau soll das aussehen? Schließlich trainieren auch Individualsportler in ihren Vereinen nicht allein. „Es ist sehr, sehr schwer das richtig zu lesen. Es gibt so viele Auslegungsvarianten“, meint Gerald Voß, Präsident des LC Eilenburger Land und Vizepräsident des Sächsischen Leichtathletik-Verbandes und ergänzt: „Schulsport ja, Amateursport nein, Profisport ja. Wieso, weshalb, warum, das versteht doch sowieso kein Mensch.“

Trainer sind nur zur Aufsicht da

Das allgemeine Unverständnis wird durch die Tatsache befeuert, dass Kontaktsportarten wie Judo oder Ringen erlaubt sind, solange sich nur zwei Menschen auf der Matte befinden. „Auf den Mindestabstand ist, wo immer möglich, zu achten,“ heißt es dazu in den Empfehlungen vom Landessportbund. Das klingt eher nach einem schlechten Scherz.

Nichtsdestotrotz startete der LCE am Dienstag wieder mit dem Training, nachdem der Vorstand sich mit dem Gesundheitsamt des Landkreises abgesprochen hatte. Die Eilenburger gehen sogar unter freiem Himmel auf Nummer sicher. Zwei Sportler dürfen mit einem Mindestabstand von 1,50 m trainieren, die Trainer „stehen sehr viel weiter weg“, sagt Voß. „Das bedeutet, dass die Sportler sehr viel individuell machen müssen, wir praktisch nur zur Aufsicht da sind.“ Ein kleines Schlupfloch gibt es aber doch: Weil die Regelungen Training „mit dem eigenen Hausstand“ zulassen. „Wir haben Glück, dass wir ein paar Geschwister dabei haben“, sagt Voß. Vorteil für Großfamilien.

Die Leichtathleten verteilten sich in allen Winkeln des Ilburg-Stadions und darüber hinaus und hielten sich strikt an die Vorgaben. „Wenn die Hygienekonzepte gut sind, kann man sehr viel erreichen. Das haben die vergangenen Monaten gezeigt“, so Voß. Tatsächlich denkt der Sächsische Leichtathletik-Verband über Hallenwettkämpfe im Dezember und Januar nach. Entsprechende Konzepte liegen noch aus dem Frühjahr in der Schublade und könnten nun zur Anwendung kommen.


Voß: „Sozialen Aspekte sind sehr wichtig“

An einem grundlegenden Problem ändert das freilich nichts. „Anfang des Jahres war die Corona-Pause ein absehbarer Zeitraum. Jetzt haben wir den Winter vor uns. Ich glaube nicht, dass jemand ernsthaft glaubt, dass wir Ende November einfach weitermachen.“ Schon gar nicht unterm Dach. Die Eilenburger Turnhallen sind derzeit samt und sonders für den Vereinssport gesperrt.

„Irgendwann wird uns das Wetter einen Riegel vorschieben. Und egal, was wir draußen machen, es ersetzt kein Krafttraining im Kraftraum.“ Immerhin boten die Eilenburger im Frühling vergleichsweise zeitig wieder Wettkämpfe an. Dafür gab es für viele Altersklassen weder Mehrkampf- noch Fähigkeitstests. Sämtliche Trainingslager brachen weg. „Das sind wichtige Bestandteile für uns. Einerseits können wir dort konzentriert mit den Kadersportlern trainieren, andererseits sind auch die sozialen Aspekte der gemeinsamen Zeit sehr wichtig.“

„Wir sichern die Zukunft des deutschen Sports“

Einen dieser Aspekte hebt Voß hervor: „Es geht vor allem auch um die soziale Funktion des Sports. Was wir tun, ist unermesslich für die Kindererziehung, für Freundschaft oder für die Aggressionsprophylaxe. Und das ist nun mit einem mal wieder – puff – weg. Wichtig ist es, die Sportler zu halten. Wenn wir nichts mehr machen dürfen, wäre das schlimm.“

Zum Schluss hält Gerald Voß noch einen flammenden Appell für den LCE und so viele andere Vereine, die zu den sächsischen Leuchttürmen in der Nachwuchsarbeit gehören. „Wir sichern die Zukunft des deutschen Sports, wenn wir das nicht mehr machen dürfen, sehe ich schwarz.“ Dann wäre die derzeitige Verunsicherung der Vereine noch ein vergleichsweise kleines Problem.