24. November 2021 / 18:44 Uhr

Corona-Regeln treffen nicht nur Profi-Klubs hart

Corona-Regeln treffen nicht nur Profi-Klubs hart

Sönke Fröbe, Stefan Ehlers und Sebastian Lindner
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ab sofort gilt auch beim Besuch in Fußballstadien die 2Gplus-Regel. Zuschauer müssen nicht nur geimpft oder genesen sein, sondern einen tagesaktuellen Test vorlegen. 
Ab sofort gilt auch beim Besuch in Fußballstadien die 2Gplus-Regel. Zuschauer müssen nicht nur geimpft oder genesen sein, sondern einen tagesaktuellen Test vorlegen.  © action press
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Ob Profi-Klubs oder Kinder- und Jugendsport – die Verschärfung der Corona-Regeln trifft die Vereine hart. Im Amateurfußball wird der Spielbetrieb bis zum 31. Dezember unterbrochen.

Die verschärften Corona-Regeln treffen auch den Sport in Mecklenburg-Vorpommern ins Mark. Heftige Kritik an den Entscheidungen der Landesregierung übt der Präsident des Landessportbundes (LSB), Andreas Bluhm. Sie seien mit Blick auf den Schul-, Kinder und Jugendsport „zutiefst frustrierend, machen wütend und wiederholen die Fehler der ersten drei Corona-Wellen und treffen wieder die Falschen. Kinder und Jugendliche sollen wieder ausbaden, was Politik, Gesellschaft und die Erwachsenen zur Bekämpfung der Pandemie einfach nicht hinbekommen“, urteilt Bluhm.

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Mittels Verordnung würden gesetzliche Normen aufgehoben, beklagt der gerade im Amt bestätigte Spitzenfunktionär mit Blick auf den Schul- und Jugendsport. „Was heißt eigentlich „zunächst bis zu den Weihnachtsferien“? Und wie soll es jetzt an den drei Sportgymnasien weitergehen?“, fragt der LSB-Präsident: „In der Summe ergeben diese Maßnahmen den Lockdown für den Kinder- und Jugend-Sport in Schule und Verein – ein verheerendes und falsches Signal!“

Amateurfußball

In den Amateurspielklassen (Herren-Oberligen, Frauen-Regionalliga, Junioren-Regionalligen, Futsal-Regionalliga) wird der Spielbetrieb bis zum 31. Dezember unterbrochen. Auf Landesebene wird der Fußball-Spielbetrieb nur auf freiwilliger Basis fortgesetzt, sagt Robert French, der Sprecher des Fußball-Landesverbandes: „Spielausfälle sind somit definitiv nicht mehr auszuschließen.“ Ein Rückzug von Mannschaften sei „zumindest unmittelbar eher nicht zu erwarten, da in Kürze auch die Winterpause bevorsteht“. Die weitere Entwicklung werde dann auch davon abhängen, wie lange die Regelungen in dieser Form aufrechterhalten werden beziehungsweise ab wann sich die Situation wieder entspanne.

Einen Sport-Lockdown hält der LFV nicht für sinnvoll. „Schlussendlich aber müssen die zurückliegenden Versäumnisse der Politik nunmehr erneut von den Menschen vor Ort in den Vereinen geschultert werden – und diese Last erweist sich trotz größtem Engagement für viele als sehr oder gar zu schwer. Dennoch gilt es weiterhin alles daran zu setzen, mit der Einhaltung der Maßnahmen den Sportbetrieb aufrecht zu erhalten“, erklärt French.

Basketball

Mit der neuen Situation müssen sich auch die Rostock Seawolves auseinandersetzen. „Wir sind insofern darauf vorbereitet, als dass wir das Thema Corona im Sommer nicht von uns weggeschoben haben“, sagte André Jürgens, Vorstandsvorsitzender des Vereins. „Allerdings hätten wir zu Saisonbeginn nicht gedacht, dass es uns nochmal so stark trifft. Aber da war vielleicht auch Wunschdenken dabei.“ Der Verein, das machte er klar, habe „volles Verständnis“ für die geltenden Hygienemaßnahmen und sei „bereit, alle Dinge umzusetzen, um eine schnelle Stabilisierung beziehungsweise Verbesserung der Situation herbeizuführen.“

Was jedoch nicht bedeutet, dass der Verein darunter nicht leidet. „Am meisten trifft uns die Kapazitätsminimierung“, so Jürgens. Maximal 1250 Zuschauer dürfen nun noch die Heimspiele der Seawolves in der Rostocker Stadthalle besuchen. „Wir sind mit einer anderen Ticketing-Planung ins Jahr gegangen.“ Noch größer wird das Problem, weil die Corona-Hilfen des Bundes – die den Wölfen 90 Prozent der entgangenen Ticketeinnahmen im Vergleich vom Durchschnitt der letzten Saison vor Corona, 2019/20, zum jeweils aktuellen Heimspiel sicherten – Stand jetzt zum Jahresende auslaufen. „Niemand weiß, ob die Hilfen aufgrund der verschärften Lage weitergeführt werden. Falls nicht, und wir dann immer noch begrenzte Zuschauerzahlen haben, wird es hart.“ Alleine im Januar sind die Rostocker Basketballer viermal in eigener Halle am Start.


Eishockey

Auch den Eishockey-Oberligisten Rostock Piranhas trifft die Verschärfung der Corona-Regeln wenige Tage vor dem nächsten Heimspiel gegen die Hannover Scorpions am Freitagabend hart. Vizepräsident Christian Trems befürchtet, dass angesichts der 2G-Plus-Regel viele Fans zu Hause bleiben könnten. „Wie viele bereit sein werden, sich für ein Eishockeyspiel testen zu lassen, da müssen wir uns überraschen lassen“, sagt Trems mit Blick auf die kostenpflichtigen Corona-Tests. Er sei „sehr pessimistisch: Ich befürchte, dass deutlich wenige Zuschauer kommen werden“.

Für die Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaft, stellten die neuen Regeln kein gravierendes Problem dar. „Bei uns sind alles Spieler geimpft, und das Testprozedere kennen wir ja noch bestens aus der letzten Saison“, erklärt Trems. Ganz ehrlich, da bin ich sehr pessimistisch. 15 Euro Ticket. Ich befürchte dass deutlich weniger Zuschauer kommen.

Die neue Regelung empfindet der REC-Vize als „blankes Chaos“, weil dem Verein damit jegliche Planungssicherheit fehle. „Da hätten sie lieber zumachen und sagen sollen: Wir machen wieder Geisterspiele! Das wäre für uns vom Handling her einfacher gewesen.“

Handball

Ähnlich sieht es im Handball aus. Die Entscheidungen der Landesregierung „treffen uns sehr hart“, sagt Olaf Meyer, Klubchef des Rostocker HC. „Das bedeutet ja, dass wir vor jedem Training alle – auch die Kinder ab sieben Jahre – testen müssten. Der damit verbundene finanzielle Aufwand ist für uns kaum finanziell zu stemmen“, fügte er hinzu. Der Vorstand werde am Donnerstag beraten „und nach Lösungen suchen“, kündigte Meyer an.

Der Bezirkshandballverband Nord hat am Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Spielbetrieb bis zum 7. Januar 2022 unterbrochen. "Uns war klar, dass sich die Pandemielage wieder zuspitzt und sogar noch weiter Fahrt aufnimmt. Obwohl eine Durchführbarkeit noch gegeben ist, erachten wir das Gesundheitsrisiko der Beteiligten als auch den Aufwand neben dem eigentlichen Spiel als zu groß und treten auf die Bremse", heißt es in einer Mitteilung von Spielwart Tobias Klugmann.

Volleyball

Marko Liebold, der Sportkoordinator des Volleyballverbandes von MV, würde sich mehr Unterstützung wünschen: „Die Vereine sind in dieser Sache zu sehr auf sich allein gestellt.“ Die Umsetzung der Regeln bedeute „oft einen nicht unerheblichen Aufwand an Manpower“. Bisher sei es nicht gelungen, eine flächendeckende Akzeptanz für Impfungen und Testungen zu erzeugen. Vereine als Spiegelbild der Gesellschaft tragen diesen Disput zwangsläufig in sich“. Viele Mannschaften hätten mehrere Spieler, die von ihrem Recht Gebrauch machen, beides abzulehnen. So könne es „durchaus zu Rückzügen von einzelnen nicht mehr spielfähigen Teams“ kommen. Bisher halte sich dies aber noch in Grenzen, erklärt Liebold, der einen generellen Sport-Lockdown ablehnt: „Sicherheitsmaßnahmen wie tagesaktuelle Tests hingegen sind absolut sinnvoll und helfen dabei, den Vereinssport am Leben zu halten.“