11. September 2020 / 19:19 Uhr

Corona statt Olympia: Scoccimarro will endlich wieder auf die Judo-Matte

Corona statt Olympia: Scoccimarro will endlich wieder auf die Judo-Matte

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hat Olympia 2021 im Visier: Giovanna Scoccimarro kann ab Oktober wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen.
Hat Olympia 2021 im Visier: Giovanna Scoccimarro kann ab Oktober wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. © Gabriela Sabau
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Hannovers Judoka-Talent Giovanna Scoccimarro hatte die Olympischen Spiele im vergangenen Sommer schon vor Augen. Doch dann der Schock: Die Spiele von Tokio wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Doch es kam noch schlimmer: Scoccimarro musste vorübergehend in Quarantäne. 

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Es herrschen unwirkliche Zeiten für Hannovers beste Judoka Giovanna Scoccimarro. Zeiten, irgendwo zwischen Sehnsucht nach sportlicher Herausforderung und Befürchtung vor einem komplizierten Corona-Chaos. Beim Judo lässt sich eben kein Abstand gewährleisten.

Eigentlich wollte die 22-Jährige in diesem Sommer ihr erstes olympisches Turnier bestreiten. Dann kam das Corona-Aus: „Im ersten Moment ist schon eine kleine Welt für mich zusammengebrochen. Ich hatte so hart für meine erste Olympiateilnahme gekämpft.“ Immerhin: Mittlerweile hat die Kampfsportlerin die Vollbremsung inklusive Quarantäne gestoppt, noch in diesem Jahr soll es sogar internationale Wettkämpfe geben. Ein mulmiges Gefühl allerdings bleibt dabei.

Judo-Grand-Slam in Düsseldorf: Der Medaillenkampf von Giovanna Scoccimarro. Zur Galerie
Judo-Grand-Slam in Düsseldorf: Der Medaillenkampf von Giovanna Scoccimarro. © Marina Mayorova

Für Scoccimarro gibt es dennoch nur ein Ziel: Olympia 2021. Ihr Traum, ihr Fokus – ihre Motivation, täglich die doppelte Herausforderung mit Job bei Volkswagen und den intensiven Trainingseinheiten im Sportleistungszentrum zu überstehen. Mit den Wettkämpfen in Ungarn (Oktober), Japan (Dezember) und Katar (Januar) bekommt die junge Athletin wieder eine sportliche Perspektive – und damit auch wieder Hoffnung, im nächsten Sommer tatsächlich im Judo-Tempel von Japan nach der Medaille zu greifen.

Wie schnell dieses Ziel aus den Augen verschwinden kann, erlebte Scoccimarro im März. Sie war topfit, brachte ein intensives Trainingslager auf Lanzarote hinter sich – und musste nach der Landung in Hannover sofort in Quarantäne. Zwei Wochen in der überschaubaren Südstadtwohnung im vierten Stock zusammen mit Judopartnerin Pauline Starke. „Vielen Dank an unsere Nachbarin, sie war wirklich sehr tolerant. Aber was sollten wir machen?“, sagt die Junioren-Weltmeisterin von 2017 mit einem Lächeln. Das Training verlagerte das Duo eben in die Corona-WG. Nicht jeder Sturz auf den Wohnzimmerboden verlief lautlos.

Edles Outfit: Hannovers Olympia-Stars Giovanna Scoccimarro und Sabrina Hering-Pradler.  
Edles Outfit: Hannovers Olympia-Stars Giovanna Scoccimarro und Sabrina Hering-Pradler.   © Henning Scheffen

Schnell war klar: Olympia 2020 fällt aus. Also nutzte die 22-Jährige die Zeit für die Arbeit. Die folgenden Wo­chen in Freiheit waren bestimmt von intensiven Kraftblöcken mit Technikschulungen. „Das ist – wenn man so will – das Gute an Corona für uns“, sagt sie. Mehr Muckis für die erhoffte Olympiamedaille.

Auch im Judo geht ohne Corona-Test nichts mehr

Und doch bleiben Zweifel. Ob die baldige Rückkehr auf die Matte zum aktuellen Weltgeschehen passt? Ob die Sicherheitsauflagen überall auch eingehalten werden? Scoccimarro vertraut auf den internationalen Verband, auf die Hygienekonzepte. Sie formuliert aber auch klare Ansprüche. So sagte sie den Vergleichswettkampf Deutschland gegen Österreich ab, Gesundheit gehe vor. Noch einmal Quarantäne – das will die Judoka nicht erleben. Und auch den Plan mit dem Wettkampf in Budapest beäugt sie kritisch. „Ohne Tests geht gar nichts“, sagt sie, und verfällt dann doch in Sehnsüchte. „Man sieht, wie die anderen Wettkämpfe anlaufen. Man wünscht sich das auch, man wünscht sich das wirklich sehr“, sagt sie. Es sei eben komisch, zu Hause zu sein, nicht zu reisen. „Das fühlt sich mittlerweile alles so normal an. Das Kämpfen, sich zu duellieren – dafür leben wir doch als Sportler.“

Der Weg zurück in den neuen Alltag führte Giovanna Scoccimarro nach Köln ins Trainingslager. Maske, Covid-19-Tests, Desinfektionsmittel – die Spielregeln haben die Spitzensportler längst verinnerlicht. „Auf der Matte“, so sagt die Nationalkämpferin, sei es ohnehin perfekt, den Kopf einfach auszustellen. „Ich bin dann im Tunnel. Als Athlet muss man lernen, sich durchzusetzen. Man muss das einfordern, was man braucht.“