17. November 2020 / 16:01 Uhr

Babelsberg 03 und der neidische Blick Richtung Westen

Babelsberg 03 und der neidische Blick Richtung Westen

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
22.08.2020, Fußball,Landespokal, Pokalspiel, Finale,FSV Union Fuerstenwalde-SV Babelsberg 03, Werner-Seelenbinder-Stadion
im Bild: v.l. Daniel Frahn (SV Babelsberg 03),Trainer Predrag Uzelac (SV Babelsberg 03)
SVB-Stürmer Daniel Frahn (l.) und Trainer Predrag Uzelac bestritten ihr letztes Punktspiel am 1. November in Halberstadt. © Julius Frick
Anzeige

Während die Regionalliga-Fußballer in Nordrhein-Westfalen um Punkte kämpfen, darf der SV Babelsberg 03 nur trainieren – und ist teilweise wieder in Kurzarbeit.

Anzeige

Zunächst einmal sind sie beim Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 froh. Froh darüber, dass sie anders als bei der ersten coronabedingten Unterbrechung des Spielbetriebs im März aktuell – zumindest in reduziertem Umfang – zusammen als Mannschaft trainieren dürfen. „Das ist ein Entgegenkommen der Politik, das wir absolut zu schätzen wissen“, sagt Archibald Horlitz. Der 62-Jährige ist seit 2013 Vorsitzender des SVB und gibt sich mit Blick auf die mögliche Fortsetzung des Spielbetriebs noch in diesem Jahr keinen allzu großen Illusionen hin.

Anzeige

„Mit Blick auf die Infektionszahlen muss man befürchten, dass in diesem Jahr nicht mehr viel passieren wird.“ Der Verein nehme derzeit wieder „anteilig Kurzarbeitergeld in Anspruch“, weil das aus wirtschaftlicher Sicht unerlässlich sei. „Ohne ginge es gar nicht“, betont Horlitz, obwohl sich der Verein weiter der breiten Unterstützung seiner Sponsoren sicher sein könne. „Da haben wir extremes Glück und sind sehr dankbar.“

In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. März 2020

<b>Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13.</b> Zur Galerie
Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

Jetzt müsse man abwarten, wie sich die Lage in den kommenden Tagen und Wochen entwickelt. Für den Fall, dass der Spielbetrieb erneut für längere Zeit auf Eis liegt, überlege der Verein im Hintergrund bereits, wie man die ausbleibenden Einnahmen im Ticketverkauf und Catering kompensieren könnte. Im Frühjahr konnten sich Sympathisanten zur Unterstützung des Vereins zum Beispiel Tickets für ein virtuelles Heimspiel sichern oder auf der Vereinshomepage gegen Bezahlung Retro-Matches ansehen. Rund 80 000 Euro kamen zusammen. Zu einer möglichen Durchführung zu Geisterspielen sagt Horlitz: „Das würden alle Vereine natürlich nur äußerst ungern durchziehen. Aber wenn – ich sage mal zwei oder drei – Spiele vor leeren Rängen dabei helfen würden, die Saison vernünftig zu Ende spielen zu können, wäre das sicherlich ein Weg, den man gehen kann.“

Anders als in der Nordost-Staffel der vierten Liga, in der die Babelsberger mit 17 Punkten aus 13 Spielen aktuell den zehnten Platz belegen, rollt in de Regionalliga West weiter der Ball. „Auf der einen Seite ist das ungerecht“, sagt Nulldrei-Coach Predrag Uzelac. „Auf der anderen Seite zeigt das, dass diese Liga in Sachen Professionalität schon einen Schritt weiter ist.“ So sei es da zum Beispiel üblich, dass Mannschaften – ähnlich wie in der 3. Liga – komplett auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus getestet werden. Das sei aus wirtschaftlichen Gründen in der Regionalliga Nordost nicht denkbar. Dort werde man eher im Verdachtsfall aktiv oder isoliere die Spieler frühzeitig.


Daniel Frahn: "Trotz aller Umstände sehr, sehr motiviert"

Die Vereine aus der Weststaffel haben dabei das Glück, dass das Land Nordrhein-Westfalen zur Unterstützung der Clubs mit einem 15 Millionen-Euro-Notprogramm eingesprungen ist. „Natürlich würde man sich wünschen, dass es so etwas in der Art bei uns auch gibt. Da schaut man schon neidisch rüber“, gibt der 54 Jahre alte SVB-Trainer zu, der den Westen Fußballdeutschlands allein deshalb besonders im Blick hat, weil sein Sohn Franko 2019 nach einer Saison am Babelsberger Park zu Fortuna Köln wechselte und die Domstädter als Kapitän aufs Feld führt.

Bestens informiert über den aktuellen Stand in der einzigen Regionalligastaffel, in der aktuell gespielt wird, ist auch der Babelsberger Angreifer Daniel Frahn. „Ich habe erst vor drei Tagen mit Dennis Grote gesprochen“, berichtet der 33-Jährige vom Telefonat mit seinem „sehr guten Freund“ und ehemaligen Mitspieler des Chemnitzer FC, der das Trikot von Rot-Weiß Essen trägt.

Dennis Grote (r.), mit dem Daniel Frahn in Chemnitz zusammenspielte, ist jetzt in Essen aktiv.
Dennis Grote (r.), mit dem Daniel Frahn in Chemnitz zusammenspielte, ist jetzt in Essen aktiv. © Privat

„Es ist doch klar, dass jeder Fußballer – egal, in welcher Liga er aktiv ist – so schnell wie möglich wieder spielen will. Vor allem die Ungewissheit – ob und, wenn ja, wann es weitergeht – ist schon nervig“, gibt Frahn zu, der die zusätzliche Freizeit zumindest gut nutzen konnte. Mit seiner Frau und seinem Sohn hat er in den vergangenen Tagen eine neue Wohnung bezogen und sagt mit einem Lachen: „Das war, glaube ich, das erste Mal in meinem Leben, dass ich bei einem Umzug richtig geholfen habe und nicht durch den Fußball gebunden war.“

Trotz des ungewissen Zeitpunkts der Saisonfortführung freuen er und seine Teamkollegen sich auf die gemeinsamen Einheiten auf dem Trainingsplatz am Karl-Liebknecht-Stadion. „Da spielt neben der sportlichen ja auch die soziale Komponente eine Rolle. Wir sind auf jeden Fall trotz aller Umstände sehr, sehr motiviert und wollen top vorbereitet sein, wenn es denn wieder los geht.“