30. Juni 2020 / 02:40 Uhr

Corona und Terminstress: Wolfsburg plant mit größerem Kader

Corona und Terminstress: Wolfsburg plant mit größerem Kader

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Manager Jörg Schmadtke gibt Einblick in die Kader-Überlegungen des VfL
Manager Jörg Schmadtke gibt Einblick in die Kader-Überlegungen des VfL © imago images/Christian Schroedter
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Kaderplanung, Transfers, Nachwuchsarbeit, Weghorst: Manager Jörg Schmadtke hat einen tiefen Einblick in die Überlegungen beim VfL Wolfsburg gewährt. Der Kader soll größer werden - und Linton Maina von Hannover 96 ist ein "interessanter Spieler".

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Der VfL Wolfsburg plant die kommende Saison mit einem größeren Kader. „Normalerweise würde ich sagen, man braucht einen Kader von 22 bis 24 Profis, dazu ein paar Spieler aus dem Nachwuchs. Jetzt muss man vielleicht für die kommende Saison über 28 oder 29 nachdenken“, sagt Jörg Schmadtke, Manager des Fußball-Bundesligisten.

Grund sei der dichtgedrängte Terminkalender vor allem zum Anfang der kommenden Spielzeit. Im September startet nicht nur die Bundesliga-Saison (für den VfL voraussichtlich am Sonntag, 20. September), es stehen auch die ersten von bis zu sechs Spielen in der Europa-League-Qualifikation an. Zuvor müssen die VfL-Nationalspieler noch zu ihren Auswahlmannschaften. Schmadtke: „Die Terminlage im September ist sehr kompakt.“

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Rechnet man die Leih-Rückkehr Yunus Malli und Jeffrey Bruma mit, stehen aktuell 26 Profis im Bundesliga-Kader der kommenden Saison (darunter vier Torhüter). Und ein weiterer Abgang nach Robin Knoche und Ismail Azzaoui deutet sich nicht an. „Es hat noch keiner gesagt, dass er uns verlassen möchte – und wenn einer den Wunsch hätte, wäre er bestimmt schon gekommen“, so Schmadtke.

Maina würde passen

Heißt: Der Liste der Neuzugänge wird trotz der Kader-Vergrößerung übersichtlich sein. Linton Maina von Zweitligist Hannover 96 ist „ein interessanter Spieler, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, bestätigt Schmadtke. Noch will 96 einen zweistelligen Millionenbetrag als Ablöse, der VfL würde deutlich niedriger in eventuelle Gespräche zu diesem Thema einsteigen – wenn überhaupt.

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Passen würde der junge Hannover-Stürmer – denn der VfL sucht torgefährliche Dribbler. Leicht ist die Suche nach Verstärkung auf dieser oder auf anderen Positionen nicht. „Corona macht die persönliche Kontaktaufnahme schwieriger“, so Schmadtke. „Normalerweise setzt man sich ins Auto oder in den Flieger und spricht dann mit einem möglichen Neuzugang. Das geht gerade nicht. Du kannst Videokonferenzen machen oder skypen – aber das ist trotzdem was anderes. Wenn ich bei jemanden in die Wohnung reinkomme, ist das was anderes als ein Bild auf dem Laptop, gerade wenn man jemanden noch nicht so gut kennt.“

Zum Trainingsstart komplett? "Ist sportlich"

Große Sprünge wird es bei Transfers ohnehin nicht geben. Die jüngst von der DFL ausgewiesenen Bilanzzahlen zeigen, dass der VfL immer noch sparen muss – und es bereits tut. In dem DFL-Bericht stehen auch die von Vereinen geleistete Zahlungen an Berater. Schmadtke: „Die haben sich bei uns von 2018 auf 2019 halbiert – da sieht man schon, dass das in eine andere Richtung geht.“

In diesem Sommer gibt es zwei Transferfenster – ein kleines am 1. Juli, um bereits feststehende Wechsel abzuwickeln und eine „richtige“ Transferperiode, die vom 15. Juli bis zum 5. Oktober dauert. Schmadtke hätte den Kader gern bis zum Start des Wolfsburger Mannschaftstrainings am 25./26. Juli komplett. „Das wäre wünschenswert – aber das ist ein sportliches Ziel.“

Zudem will Schmadtke stärker als bisher auf den eigenen Nachwuchs schauen. Mit Omar Marmoush und Luca Horn kamen zwei Eigengewächse in der Geister-Restsaison zu ihren ersten Einsätzen, werden weiter ihre Chance bei den Profis bekommen. Aber zu wenige Spieler schaffen den Sprung aus der Akademie ins Profiteam.

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Nachwuchsspieler anders fördern

„Wir werden da ein paar Abläufe verändern, die Spieler eher individuell fördern, die Spieler noch stärker auf dem Platz und außerhalb auf den Beruf Fußballprofi vorbereiten“, so Schmadtke. „Da geht es auch um Alltagstauglichkeit. Wie erledige ich Bankgeschäfte, wie mache ich eine Herdplatte an? Das klingt banal, ist aber bei Jugendlichen oft schwierig, weil sie sehr früh in eine Akademie kommen, wo ihnen alles abgenommen wird. Und was die fußballerische Ausbildung angeht, müssen wir vielleicht noch genauer hingucken: Wer muss eher athletisch zulegen, wer eher in Sachen Technik oder in Sachen Mentalität. Da brauchen wir entsprechende Programme.“

Mit Knoche verlässt ein Spieler den VfL, der diesen Sprung geschafft hatte – und als Fußballer aus der Region auch eine Identifikationsfigur war. Das Thema Identifikation will der Manager aber nicht überbewerten“, so Schmadtke. „Das ist in Wolfsburg vielleicht ein bisschen weniger wichtig als anderswo. Ich habe in Köln relativ viele Kölner verpflichtet, um die Besonderheit dieses rheinischen Raumes zu bedienen. Die Kölner sind sehr verliebt in ihrer Stadt und leben das auch.“ In Wolfsburg sei das „ein bisschen anders, hier leben sehr viele Zugereiste, das ist eine andere Struktur – trotzdem ist es natürlich schön, wenn du Spieler aus den eigenen Reihen in deiner Lizenzmannschaft hast. Das strebt ja jeder Klub an.“

Die Terminballung zu Saisonbeginn ändere derweil nichts am Anspruch an die eigene Leistung. „Zielsetzung sollte schon sein, sich in der Region, in der wir uns jetzt befinden, auch dauerhaft zu bleiben. So viel Selbstvertrauen sollten wir haben.“ Sprich: Wolfsburg will auch 2021 wieder einen der ersten sechs oder sieben Plätze erreichen, wieder in die Europa League. Damit es vielleicht noch weiter nach oben gehen kann „müssen wir noch stärker als bisher eine Mentalität reinbringen, die geprägt ist von Gier nach Erfolg. Das ist etwas, was vielen Verein fehlt – deswegen werden die Bayern auch immer wieder deutscher Meister.“

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Vorbild Weghorst

Auch das spiele bei der Zusammenstellung des Kader eines Rolle – und Vorbilder dafür gibt es auch im aktuellen Team: „Bei uns verkörpert Wout Weghorst das schon ein stückweit.“ Berichte, nach denen der Stürmer auf der Wunschliste englischer Klubs stehen soll, lassen den Manager kalt: „Er fühlt sich wohl bei uns.“

Ganz vorn in Sachen Mentalität liegt auch Maximilian Arnold. Schmadtke: „Er hat sich gegen Bayern noch mal mit Leon Goretzka angelegt, als das Spiel längst entschieden war. Davon brauchen wir noch ein bisschen mehr.“ Für Arnold, dem letzten verbliebenen VfL-Profi aus dem eigenen Nachwuchs gab es zudem noch ein Extra-Lob von Schmadtke: „Als Camacho und Guilavogui verletzt waren, hat er den Kick bekommen – da musste er auf eine Position, bei der ich gespannt war, wie er sie ausfüllt. Und das hat er exzellent gemacht. Seitdem spielt er konstant gut und ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft.“