11. Mai 2021 / 16:13 Uhr

Corona-Verordnung: Großer Mehraufwand für Fußballtrainer und Klubs

Corona-Verordnung: Großer Mehraufwand für Fußballtrainer und Klubs

Kathrin Lienig und Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
Trainer müssen sich seit Montag vor dem Training einen Selbsttest von einer fachlich qualifizierten Person bestätigen lassen.
Trainer müssen sich seit Montag vor dem Training einen Selbsttest von einer fachlich qualifizierten Person bestätigen lassen. © Zacharie Scheurer / dpa
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Fußball-Nachwuchstrainer müssen seit Montag geimpft oder genesen sein – oder sich vor jedem Training testen lassen. Auch die Klubs in der Region Göttingen stöhnen über einen großen Kosten- und Mehraufwand für Übungsleiter und Vereine.

Mit Inkrafttreten der aktuellen niedersächsischen Corona-Verordnung am Montag ist Fußballtraining bis 18 Jahre wieder erlaubt – allerdings müssen sich die Übungsleiter testen lassen, genesen oder geimpft sein. Auf die Klubs kommt nun ein ziemlicher Kosten- und Mehraufwand zu. Wir haben uns bei den Vereinen umgehört.

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Daniel Vollbrecht, Fußball-Abteilungsleiter des Bovender SV: „Es ist schon eine schwierige Situation, weil die Trainer von der Arbeit zum Training kommen und in der Regel keine Zeit haben, am Testzentrum vorbeizufahren. Wir haben es für uns jetzt kurzfristig so gelöst, dass sich die Trainer entweder bei der Arbeit testen lassen oder bei uns unter Aufsicht einer Ärztin, die jeden Tag vorbeikommt, einen Selbsttest machen. Dafür haben wir erst mal 100 Tests gekauft. Grundsätzlich ist es unglaublich, was von den Ehrenamtlichen erwartet wird, wir haben uns das natürlich anders gewünscht. Aktuell müssen wir den 2002er-Jahrgang vom Training ausschließen, der 2003er-Jahrgang muss getestet werden und der 2004er-Jahrgang darf ohne Test trainieren.“

Carsten Kamrad, sportlicher Leiter des JFV Rhume-Oder: „Diese Schnelltestpflicht für unsere Übungsleiter steht in keinem Verhältnis. Bei uns in der Samtgemeinde Hattorf gibt es nicht einmal ein Testzentrum. Unsere FSJler können es zeitlich noch einrichten, sich regelmäßig testen zu lassen. Von unseren Trainern, die berufstätig sind, können wir nicht verlangen, dass sie aus eigenem Antrieb das alles zusätzlich noch organisieren. Ich kann diese Vorgaben nicht nachvollziehen, mit Lockerungen hat das nichts zu tun. Das ist eine Entscheidung gegen das Ehrenamt und gegen die Vereine, die zur Beschaffung der Tests finanziell noch mehr belastet werden. Außerdem muss man einem 18-jährigen A-Jugendlichen mal plausibel machen, warum morgens in der Schule ein Selbsttest ausreicht und er nachmittags zum Training einen Test aus einem Testzentrum mitbringen muss. Bei uns fallen in dieser Woche einige Trainingseinheiten aus. Wir hoffen, dass wir das bis zur kommenden Woche geregelt haben werden.“

Arnold Gremmes, Vorsitzender des JFV Rosdorf: „Es ist ein bisschen mehr Aufwand, aber wir kriegen das geregelt. Der eine oder andere wird zwar auf der Arbeit getestet, aber wir mussten den einen oder anderen Test kaufen. Als Corona-Beauftragter des Vereins bin ich berechtigt, die Selbsttests zu überwachen und zu bestätigen. So eine Verordnung muss man sich zwei- bis dreimal durchlesen, aber wir sind erst mal froh, dass es weitergeht. Am Donnerstag vor Pfingsten wollen wir mit den A-Junioren loslegen, auch um erst mal zu wissen, wer überhaupt weiterspielt. Grundsätzlich sind uns unsere Spieler treu: Wenn wir zwei bis drei Abmeldungen hatten, ist das viel.“

Florian Gerlach, Jugendkoordinator JFV Eichsfeld: „Wir wollen den Trainingsbetrieb unbedingt aufnehmen, aber die Umsetzung der neuen Verordnung gestaltet sich schwierig. Ich finde die Regelung schon merkwürdig. Bis zum 9. Mai durften wir mit den jüngeren Kindern ohne große Auflagen trainieren, jetzt kommen ein paar ältere Jahrgänge dazu – und es wird kompliziert. Die Theorie untergräbt die Praxis. Ich weiß nicht, wie wir mit dieser Testpflicht umgehen sollen, ob wir gelistete Tests für unsere Trainer anschaffen. Wir haben 20 Mannschaften, das sind 20 Trainer. Vielleicht sind einige von ihnen geimpft oder genesen, aber der Großteil müsste getestet werden. Wenn ich das hochrechne, wird deutlich, dass das über einen längeren Zeitraum finanziell gar nicht zu stemmen ist. Ich denke, dass von den Vereinen da noch viel Gegenwind kommen wird.“

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Ralf Tarant, Jugendkoordinator des RSV Göttingen 05: „Am Montag haben wir es gut hingekriegt. Aber es ist für die Trainer ein Zeitproblem, weil sie in der Regel von der Arbeit direkt zum Platz kommen. Es muss sich einspielen, nächste Woche wissen wir mehr.“