02. April 2020 / 13:04 Uhr

Corona-Virus: So schlagen sich drei Vereine in der Krise

Corona-Virus: So schlagen sich drei Vereine in der Krise

Merle Schaack
Kieler Nachrichten
 Bernd Purrucker und der TSV Russee profitieren in Zeiten des Corona-Stilltandes vom dörflichen Charakter und langjähriger Bindung vieler Mitglieder.
 Bernd Purrucker und der TSV Russee profitieren in Zeiten des Corona-Stilltandes vom dörflichen Charakter und langjähriger Bindung vieler Mitglieder. © Ulf Dahl
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Vereinswesen: Die Corona-Krise trifft Sportvereine unterschiedlich hart - Banger Blick auf Mitgliederzahlen und ungewisse Zukunft

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Verwaiste Hallen, abgesperrte Sportplätze, Trainer ohne Aufgabe: Die Corona-Krise hat das Treiben in Breitensport-Vereinen jäh zum Erliegen gebracht. Sie alle sind darauf angewiesen, dass ihre Mitglieder ihnen dennoch die Treue halten. Und alle suchen nach Wegen, mit der Krise umzugehen. Drei Beispiele.

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KTB, 1950 Mitglieder:

„Hallo, wer ist schon da?“, fragt Britta Karius in den leeren Raum. Wo sich sonst zu Yoga-Stunden Mitglieder des Kieler Turnerbundes Brunswik (KTB) tummeln, steht nun ein Laptop auf dem Tisch. Per Video-Konferenz streamt sie ihre Stunde live im Internet. Dass die Krise auch eine Chance ist, haben die KTB-Chefinnen Martina Bach und Asdis Ahlf, die den geschäftsführenden Vorstand bilden, schnell erkannt.

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Schon seit zwei Wochen stellt der Verein seinen Mitgliedern Trainingsanleitungen in jeglicher Form zur Verfügung: als Youtube-Video, Tonspur auf CD, PDF, per Livestream, an die Älteren per Post als ausgedruckte Anleitung mit Bildern. „Wir denken, die Mitglieder brauchen ein bekanntes Gesicht, ihren langjährigen Übungsleiter. Das gibt ihnen Halt, das haben wir schon mehrfach gehört“, sagt Bach, die zugibt, sich vorher kaum mit Plattformen wie Youtube beschäftigt zu haben. Inzwischen besuchen teilweise mehr Menschen die kostenlosen Kurse als üblicherweise zu den Stunden kamen.

Die Übungsleiter, die als Honorarkräfte derzeit oft ohne Einkommen dastehen, werden beim KTB weiter bezahlt, wenn sie sich am Online-Programm beteiligen. „Vielleicht kommen wir sogar gestärkt da raus. So ein Verein bindet Familien und ist lange nicht so teuer wie ein Fitness-Studio“, sagt Ahlf. Bislang sei noch keine Kündigungswelle absehbar. „Aber die Unsicherheit, nicht zu wissen, wie es weitergeht, beschäftigt uns schon. Über die Sommerferien mögen wir noch nicht hinausdenken.“

KMTV, 7844 Mitglieder:

Es dauerte nur sechs Minuten, als der Kieler Männerturnverein auf seiner Website bekannt gab, dass er aufgrund der behördlichen Corona-Auflagen vorübergehend schließen muss, da lag bei Christof Rapelius, dem Vorstandsvorsitzenden, die erste Kündigung auf dem Tisch. Beim KMTV, der einer der größten Sportvereine im Land ist, herrscht ohnehin eine stetige Mitglieder-Fluktuation.

„Statistisch bemerken wir durch die Corona-Krise noch keinen Riesenanstieg von Kündigungen. Die üblichen Eintritte fehlen aber. Und in den Kündigungen, die wir bekommen, ist Corona ein Thema“, sagt Rapelius. Besonders eines stimmt ihn nachdenklich: „Wir reden gerade mal von den ersten zwei Wochen, und schon sind alle ganz aufgeregt. Viele denken nur an sich selbst. Dabei geht es doch darum, dass wir zusammenhalten. Dazu gehört es auch, seinen Verein zu unterstützen.“

Fortsetzung oder Abbruch: So ist der Stand in den internationalen Topligen

Das Coronavirus legt den Fußball in Europa lahm - mit Ausnahme der weißrussischen Liga müssen alle Wettbewerbe pausieren. Die Länge der Zwangspause ist dabei unterschiedlich bemessen. Der <b>SPORT</b>BUZZER fasst den Stand zusammen - wie lange pausieren die Ligen in Europa? Zur Galerie
Das Coronavirus legt den Fußball in Europa lahm - mit Ausnahme der weißrussischen Liga müssen alle Wettbewerbe pausieren. Die Länge der Zwangspause ist dabei unterschiedlich bemessen. Der SPORTBUZZER fasst den Stand zusammen - wie lange pausieren die Ligen in Europa? ©

Gemeinsam mit dem Kieler Sportverband initiierte der KMTV ein Schreiben an alle Kieler Vereinsmitglieder, nicht auszutreten. 27 Sportvereine aus der Stadt unterzeichneten.Die Größe des KMTV mit drei Standorten und laufenden Kosten durch gemietete Räumlichkeiten und zehn hauptamtlichen Mitarbeitern machen die Situation für den Verein nicht leichter.

Das Beste draus machen ist aber auch beim KMTV das Motto, der ebenfalls ein Online-Angebot aus dem Boden stampfte und auch schon weiter in die Zukunft blickt. „Wir erleben gerade ja gefühlt die größte Lauf-Bewegung aller Zeiten“, sagt Rapelius. „Vielleicht ist das auch eine Chance für uns, die Menschen in Bewegung mitzunehmen. Wenn wieder mehr erlaubt ist, wollen wir mit dem passenden Angebot da sein.“

TSV Russee, 960 Mitglieder:

Bernd Purrucker bringt es auf den Punkt: „Momentan läuft bei uns gar nichts“, sagt der Vorsitzende des TSV Russee. Heißt aber auch: Große Sorgen wegen eines drohenden Mitgliederschwundes muss er sich nicht machen. „Das verhält sich ruhig, ich bin zuversichtlich, dass wir das alle gemeinsam meistern werden.“

Klickt mal rein!

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

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Der SV Blau-Weiß 50 Baabe gewinnt 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse ©

Als einst in dörflichen Strukturen gewachsener Verein wird beim TSV 90 Prozent der Arbeit von Ehrenamtlern erledigt, das Ehrenamt ruht nun genauso wie der Sport. Einige Fußballtrainer seien dem Vorbild vieler Profis gefolgt und verzichten auf ihre Ehrenamtspauschalen, um den Verein zu entlasten. Und so mischen sich (noch) keine großen finanziellen Sorgen in Purruckers Bedauern über den sportlichen Stillstand.

„So ein Verein lebt ja von sozialen Kontakten und gemeinschaftlichen Aktionen. Dass es die jetzt nicht gibt, ist natürlich schade“, sagt er.