02. Mai 2020 / 12:56 Uhr

Finanzprobleme in der Bundesliga: Bringt die Corona-Krise Schalke 04 zu Fall?

Finanzprobleme in der Bundesliga: Bringt die Corona-Krise Schalke 04 zu Fall?

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Der <b>FC Schalke 04</b> befindet sich aufgrund der Corona-Krise in einer bedrohlichen finanziellen Situation: hohe Einnahmeverluste, dazu Verbindlichkeiten von fast 200 Millionen Euro. Jetzt soll laut Medienberichten eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 40 Millionen Euro den wirtschaftlichen Betrieb bei den Königsblauen aufrechterhalten. Doch die Knappen sind nicht die Einzigen, die in den vergangenen Jahren Geldsorgen plagten. Auch diese zehn Klubs standen kurz vor der Pleite. 
Der FC Schalke 04 befindet sich aufgrund der Corona-Krise in einer bedrohlichen finanziellen Situation: hohe Einnahmeverluste, dazu Verbindlichkeiten von fast 200 Millionen Euro. Jetzt soll laut Medienberichten eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 40 Millionen Euro den wirtschaftlichen Betrieb bei den Königsblauen aufrechterhalten. Doch die "Knappen" sind nicht die Einzigen, die in den vergangenen Jahren Geldsorgen plagten. Auch diese zehn Klubs standen kurz vor der Pleite.  © imago images/Team 2/Eibner/Montage
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Schalke 04 ist in einer bedrohlichen finanziellen Lage und muss auf einen baldigen Neustart der Bundesliga hoffen – sonst könnte die Zahlungsunfähigkeit drohen. Eine Ausgliederung wird erneut diskutiert.

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An diesem Samstag werden die Verantwortlichen von Schalke 04 sicher ganz genau auf das Vereinskonto schauen. Dann soll die letzte Tranche des TV-Geldes fließen, welches die Rechteinhaber an die 36 Bundesligisten auszahlen. Knapp 16 Millionen Euro stehen den Königsblauen zu, auch wenn der Betrag bereits verpfändet sein soll – was die Ausmaße der finanziellen Situation aufzeigt.

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Als die Bosse kürzlich in der Mannschaftskabine auftauchten, um von ihren Fußballspielern einen Gehaltsverzicht von 15 Prozent plus 15 Prozent Stundung zu fordern, soll das Wort „Insolvenz“ mehrfach gefallen sein. Der ruhmreiche S04 steht offenbar vor dem Bankrott. Erst recht, wenn die Saison nicht bald fortgesetzt wird. „Natürlich hängt alles davon ab, wann wir wieder Einnahmen erzielen und Fußball spielen können. Je länger das dauert, desto einschneidendere Maßnahmen müssen ergriffen werden“, sagte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters.

Schalke: "Es geht um die Existenz"

Marketing- und Kommunikationschef Alexander Jobst hatte sich schon zuvor drastisch geäußert: „Es geht um die Existenz des Klubs.“ Und mitten in der Krise sagte auch Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, dass er sich „große Sorgen um Schalke“ mache. Im Zweifelsfall werde der Fleischproduzent, dessen Vermögen bei 1,6 Milliarden Euro liegt, halt wieder seine private Schatulle aufmachen, unkt man. Doch auch Tönnies will die Millionen, die er in seinen Herzensklub pumpt, irgendwann wiederhaben. Ganz so einfach ist es also nicht.

Klubmitarbeiter sind längst in Kurzarbeit, rund 30 Millionen Euro soll der S04 durch den Gehaltsverzicht seiner Profis einsparen. Hinzu kommen etwa 3,5 Millionen Euro durch etwaiges Entgegenkommen der treuen Anhänger. In einer Mail an die Logenbesitzer hatte Jobst kürzlich um wirtschaftliche Unterstützung gebeten. Ticketinhaber für die verbleibenden vier Heimpartien, die als Geisterspiele ausgetragen werden müssten, sollen auf die Rückzahlung ihrer Eintrittskarten verzichten.

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Einst waren sie für den FC Schalke 04 aktiv. Aber was machen Raúl, Christoph Metzelder, Ivan Rakitic und Emile Mpenza heute? Der SPORTBUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. ©

Eine mögliche Insolvenz – oder Zahlungsunfähigkeit – ist durch die Sparmaßnahmen wohl aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Die Finanzlage bleibt bedrohlich. Es grassiert die Angst vor einer bilanziellen Überschuldung. Deshalb soll sich der Klub nach SPORTBUZZER-Informationen schon vor der Corona-Krise um Bürgschaften für einen weiteren Kredit gekümmert haben – darunter auch beim NRW-Wirtschaftsministerium.

„Ob und in welcher Höhe das Land eine Bürgschaft für den FC Schalke 04 übernommen hat, fällt unter das Bürgschaftsgeheimnis“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. „Generell kann das Land für Kredite an gewerbliche Unternehmen Bürgschaften für Vorhaben übernehmen, die betriebswirtschaftlich tragfähig (damit auch kapitaldienstfähig) und volkswirtschaftlich förderungswürdig sind. Das Land ersetzt damit fehlende betriebliche Sicherheiten. Derartige Vorhaben können auch Investitionen in die Infrastruktur professioneller Sportvereine sein.“

Wie der WDR berichtete, soll das Land NRW solche Bürgschaften für den FC Schalke bereits in der Vergangenheit mehrfach übernommen haben. Bei einer Insolvenz der „Knappen“ drohe dem Steuerzahler so ein Schaden von 38,5 Millionen Euro. Der Klub wollte sich zu diesem Thema auf Nachfrage nicht äußern.

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Schalke steckt nicht zum ersten Mal in solch einer prekären Lage: Bereits 2006 retteten Kredite den Verein, 2009 musste die städtische Gesellschaft für Energie und Wirtschaft GEW mit 25,5 Millionen Euro einspringen, damit Schalke überleben kann. Seitdem ist es dem Klub, der anders als die meistens Profivereine die Lizenzspielerabteilung noch nicht ausgegliedert hat, nicht gelungen, sich zu entschulden.

Schalke diskutiert über Ausgliederung der Profiabteilung

Im vergangenen Geschäftsjahr machte Schalke einen Verlust von 26 Millionen Euro – trotz des zweithöchsten Umsatzes der Klubhistorie (275 Mio.). Insgesamt liegen die Verbindlichkeiten bei knapp 200 Millionen Euro. Deshalb wird erneut über eine Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft diskutiert. So könnten externe Geldgeber den Verein retten.