18. März 2020 / 10:19 Uhr

Coronakrise: Fußball-Drittligisten kämpfen um die Existenz

Coronakrise: Fußball-Drittligisten kämpfen um die Existenz

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 3. Liga Saison 2019 2020 27. Spieltag am 7.3.2020 FC Carl Zeiss Jena vs 1860 München v.li. sichtbar enttäuscht nach der Niederlage Dominic Volkmer Jena, Julian Günther-Schmidt Jena und Raphael Obermair Jena Ernst Abbe Sportfeld *** 3 League Season 2019 2020 27 Matchday on 7 3 2020 FC Carl Zeiss Jena vs 1860 Munich v left visibly disappointed after the defeat Dominic Volkmer Jena , Julian Günther Schmidt Jena and Raphael Obermair Jena Ernst Abbe Sportfeld
Die Jenaer Kicker Dominic Volkmer, Julian Günther-Schmidt und Raphael Obermair (v.l.) sind nach einer Niederlage enttäuscht. Aber nun geht es auch um ihren Job. Es gehe darum, die Insolvenz zu vermeiden, sagt Jenas Geschäftsführer Chris Förster. © imago images/Christoph Worsch
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Kurzarbeit soll Ost-Drittligisten retten. Trainer Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching mahnt an, dass die Gesundheit wichtiger ist, als wirtschaftliche Dinge.

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Leipzig/München. Durch den Stopp der 3. Liga bis Ende April haben die Fußball-Vereine Gewissheit über die Länge der Mindestpause – bei vielen Teams vor allem im Osten geht angesichts der Zwangspause aber nun eine existenzielle Angst um. Ohne die Zuschauereinnahmen drohen den Clubs finanzielle Einbußen in Millionenhöhe. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kündigte bereits Überbrückungshilfen an.

Die Ost-Clubs hatten vor der Entscheidung des DFB am Montagabend, die Saison wegen der Corona-Krise mindestens bis 30. April auszusetzen, eher einen kompletten Abbruch dieses Fußball-Jahres präferiert. Nun werden sie großteils staatliche Hilfen in Anspruch nehmen müssen.

Ohne Kurzarbeitergeld für Zwickau kein wirtschaftliches Überleben möglich

Der FSV Zwickau will für die Profis und Angestellten Kurzarbeitergeld beantragen, ebenso verfahren der Hallesche FC und der FC Carl Zeiss Jena. „Andernfalls ist für den FSV Zwickau kein wirtschaftliches Überleben möglich“, sagte Zwickaus Vorstandssprecher Tobias Leege. In Halle wurden die Anträge bei der Agentur für Arbeit bereits eingereicht. In Jena ist es laut Geschäftsführer Chris Förster essenziell, die Personalkosten – die etwa die Hälfte aller Ausgaben ausmachten – zu senken. Es gehe darum, „die Insolvenz zu vermeiden“. Dienstagabend teilten die Thüringer dann mit, dass mindestens bis zum 30. April die Kurzarbeit eingeführt sei.

Auch beim Chemnitzer FC wird die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen geprüft. Hansa Rostock legte ein Sofortprogramm auf, zu dem auch Kurzarbeit in allen Abteilungen gehöre. „Wie lange der Prozess dauert, ist nicht abzuschätzen. Wir hoffen, dass wir das System so früh wie möglich wieder hochfahren können“, sagte Vorstandschef Robert Marien. Nur der 1. FC Magdeburg hofft, den erwarteten Verlust im siebenstelligen Bereich durch das Eigenkapital von 3,3 Millionen Euro auffangen zu können. Das berichtete die „Volksstimme“.

Mehr zur 3. Liga

Der Zwangsstopp trifft freilich alle Drittligisten, bei den meisten sind die Zuschauereinnahmen entscheidend für den finanziellen Fortbestand. Dennoch mahnte Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching, den Fokus in der Krise nicht zu verlieren. „Ich will über wirtschaftliche Themen gar nicht reden, denn das ist Lamentieren auf höchstem Niveau“, sagte er am Dienstag. „Jetzt müssen wir erst schauen, wie sich das Krankheitsbild entwickelt. Die anderen Dinge wurden in der Vergangenheit immer geregelt und sind auch jetzt zu regeln. Das ist nicht Priorität eins. Es kann nicht immer nur um wirtschaftliche Dinge gehen. Es geht um die Gesundheit der gesamten Gesellschaft.“

Schwabl befürwortet den Stopp der Liga

Der Tabellendritte aus dem Münchner Vorort schickte seine Spieler wie die anderen Vereine mit individuellen Trainingsplänen nach Hause. Weil in Bayern wie in den meisten anderen Gegenden Deutschlands auch das öffentliche Leben zum Erliegen kommen soll und Sportanlagen geschlossen wurden, gibt es keine Alternative. „Man muss sich an die Gegebenheiten anpassen“, meinte Schwabl und appellierte an seine Profis, sich nun eben zuhause fit zu halten. „Das ist deren Beruf“, sagte der Hachinger.

Schwabl befürwortete den Stopp der Liga ebenso wie sein Kollege Daniel Sauer von den Würzburger Kickers. Der Unterfranke nannte die angekündigten finanziellen Überbrückungshilfen des DFB eine „klare Botschaft“ und ergänzte zum Solidaritätsgedanken: „Dieser ist und muss für uns alle Drittligisten unantastbar sein.“ Er erwartet, dass die Liga als „starke Einheit auftritt, kein Verein ausschert“.

Manuel Schwarz und Sebastian Wutzler