20. März 2020 / 10:28 Uhr

Coronakrise: Reform von Sachsens Fußball-Landesklasse erneut auf dem Prüfstand

Coronakrise: Reform von Sachsens Fußball-Landesklasse erneut auf dem Prüfstand

Jürgen Schwarz
Dresdner Neueste Nachrichten
FV Dresden 06 Laubegast
Beim FV Dresden 06 Laubegast, dem aktuellen Spitzenreiter der Landesklasse Ost, ruhen in diesen Tagen der Corona-Pandemie der Spiel- und der Trainingsbetrieb. Die Blau-Gelben wollen eigentlich in die Landesliga aufsteigen, die in der nächsten Saison aufgestockt werden müsste, wenn es bei einem Abbruch der diesjährigen Saison keine Absteiger gibt. © STEFFEN MANIG
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Wegen der Corona-Krise überdenkt der Sächsische Fußball-Verband alte Pläne. Die für den 27. und 28. März geplante Vorstandssitzung ist bereits abgesagt worden.

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Dresden. Die Fußball-Saison ist unterbrochen. Ob und wann sie in der Landesliga und in der Landesklasse fortgesetzt oder kurzerhand abgebrochen wird, vermag derzeit niemand zu sagen. Zudem „wackelt“ die für 2021/22 geplante Reform in der Landesklasse. Der Sächsische Fußball-Verband (SFV) hatte für den 27. und 28. März eine Vorstandssitzung anberaumt, in der die Beschlussfassung „Struktur-Reform“ erfolgen sollte. Das Treffen wurde inzwischen vom SFV abgesagt.

Angedacht ist, die Landesklasse von aktuell vier Staffeln auf drei mit je 16 Mannschaft zu reduzieren. Aktuell spielen die Staffeln Ost und Mitte mit 14, West und Nord mit 16 Teams. Die Gesamtzahl würde sich also von 60 Mannschaften auf 48 verringern. Dazu wäre ein Qualifikationsjahr notwendig. Angedacht dafür war die Serie 2020/21.

Ist noch genug Zeit"

„Ich bin für diese überfällige Reform, aber die Qualifikation muss verschoben werden“, sagt Jens Hieckmann, Sportchef des SV Bannewitz und Aufsichtsratsmitglied bei Dynamo Dresden. Bei einem Abbruch der Saison hat Hieckmann einen Vorschlag: „Alle bleiben in der Landesklasse drin, und dazu kommen jeweils zwei Aufsteiger, sofern die Vereine wollen, aus jeder Kreisoberliga. Es müsste also erst einmal aufgestockt werden.“

In der Landesklasse Ost haben sich die Laubegaster den Aufstieg in die Landesliga auf die Fahnen geschrieben. Sollten die Ostdresdner, unter welchen Regularien auch immer, in die 6. Liga aufsteigen, müsste diese ebenfalls auf 18 oder 20 Mannschaften aufgestockt werden – vorausgesetzt, auch in der Sachsenliga gibt es keine Absteiger.

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Die Meinungen zu einer möglichen Auf- und Abstiegsregelung gehen in der Landesliga sehr weit auseinander. „Kamenz dominiert die Liga und man sollte die Lessingstädter, auch bei einem Abbruch, nach oben gehen lassen, wenn sie dann wollen“, sagt Thomas Hentschel. Und der Trainer von Budissa Bautzen ergänzt: „Bei einem vorzeitigen Saisonende würde ich auf Absteiger verzichten.“

Ganz anders sieht das Andreas Vogel, der Präsident des Großenhainer FV: „Ich halte nichts von einer Komplettabsage. Die Entscheidung einer vorzeitigen Beendigung der Wettbewerbe kann in einigen Wochen immer noch getroffen werden, sollte sich die Situation nicht bessern. Jetzt sollte erst einmal abgewartet werden. Selbst wenn zwei, drei Spieltage ausfallen, ist noch genug Zeit diese nachzuholen.“

Absteiger ja oder nein: Meinungen gehen auseinander

Während auch Benno Töppel, Kapitän des Radebeuler BC „dagegen ist, bei einem Abbruch der Saison Mannschaften absteigen zu lassen“, ist Großenhains Vereinschef Vogel anderer Meinung: „Man könnte im Fall der Fälle die Tabelle zur Halbserie zur Wertung heranziehen, da sonst die sportlichen und erarbeiteten Anstrengungen der Vereine nicht gewürdigt werden. Die, die gut gearbeitet haben, werden praktisch bestraft. Daher halte ich von einer Aufstockung der Ligen nichts.“

Uwe Rahle, Übungsleiter beim SV Wesenitztal (7. Liga), kann sich „nur schwer vorstellen, dass die Saison regulär beendet wird. Selbst wenn vielleicht in vier Wochen wieder Fußball gespielt werden könnte, wäre im Amateurfußball der terminliche Notstand wohl zu groß, um alle ausstehenden Spiele bis Mitte Juni zu absolvieren.“ Die Frage zu Auf- und Abstieg beantwortet er so: „Zum Glück muss ich diese Entscheidung nicht treffen, denn es wird auf jeden Fall zu Ungerechtigkeiten in irgendeiner Form führen. Allerdings sollten wir uns alle einig sein, dass es derzeit wichtigere Fragen gibt als Gerechtigkeit, als die, wer aus der Landesklasse oder Landesliga auf- oder absteigt.“