20. April 2020 / 12:53 Uhr

Coronakrise: Triathlet Klaus Ullmann aus Wermsdorf im Zwiespalt

Coronakrise: Triathlet Klaus Ullmann aus Wermsdorf im Zwiespalt

Christian Kunze
Leipziger Volkszeitung
Der Wermsdorfer Klaus Ullmann beim Training auf seinem Rennrad.
Der Wermsdorfer Klaus Ullmann beim Training auf seinem Rennrad. © Christian Kunze
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Auch Extremsportler Klaus Ullmann hatte einige Absagen von Wettbewerben erhalten. Er trainiert jetzt weniger, da absehbar ist, dass die entsprechenden Wettbewerbe ausfallen. Der Wermsdorfer hat allerdings kein schlechtes Gewissen mehr, hinsichtlich seiner Wettkämpfe zu wenig zu trainieren...

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Wermsdorf. Kein Bereich des Lebens, den der Coronavirus nicht berührt – so auch den Extremsport. Der Wermsdorfer Triathlet Klaus Ullmann (71), seit gut zwei Jahrzehnten in dieser Disziplin am Start, erhielt in den zurückliegenden Tagen Absagen von Wettbewerben in Roth, Zürich und Frankfurt/Main. Der Ironman in Zell am See am 30. August ist zwar noch nicht betroffen, aber auch hier rechnet Ullmann täglich mit der Absage und betrachtet das auch als vernünftig.

Denn bei jedem Triathlon kommen hunderte, bisweilen tausende Teilnehmer und Zuschauer zusammen. Mit den Allgemeinverfügungen und Rechtsverordnungen ist das keinesfalls vereinbar, nicht nur wegen der geforderten Abstandsregelungen. Inwiefern Ausnahmen wie im Bereich anderer Sportarten, etwa dem Fußball, greifen, sei abzuwarten. Finden solche Großveranstaltungen trotzdem statt, sind Konsequenzen für die Ausrichter wahrscheinlich.

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Bei den obligatorischen Laufrunden, die Klaus Ullmann zur Vorbereitung auf die Marathon-Distanzen absolviert, um sich fit zu halten, habe er neben den „üblichen Verdächtigen“, also den bekannten Läufern der Region, auch „neue Fälle“ entdeckt. Dabei handelt es sich seiner Auffassung nach vor allem um Menschen, die bisher anderen Sport getrieben haben, dem sie nun nicht mehr nachgehen können – Fußballer etwa, die ihre Kondition aufrecht erhalten wollen. Ausgedünnt sei dagegen die Zahl derer, die sonst draußen unterwegs sind.

„Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, so wie zu Ostern, treffe ich jetzt nur noch vielleicht fünf oder zehn Menschen auf der gesamten Strecke. Das zeugt davon, dass die Leute wirklich diszipliniert sind und sich an die Regeln halten“, stellt Ullmann beruhigt fest. Auf jeden Fall regelkonform dürfte die Initiative des Anti-Corona-Laufes sein, den jeder Lauffreund allein absolvieren kann (wir berichteten).

Fehlende Motivation zum Training

An die Regeln halten – das heißt im Falle eines aktiven und ambitionierten Triathleten auch, sich gegebenenfalls andere Routen für Laufen und Radfahren zu suchen, was jedoch auch unter den neuen Bedingungen problemlos möglich ist. Schwieriger werde das schon mit dem Schwimmen. Nachdem Ende März die Halle in Riesa geschlossen wurde, die Ullmann regelmäßig nutzte, und die Ausgangsbeschränkungen kamen, blieb nach der Einschränkung des Freistaates auf 15 Kilometer für sportliche Aktivitäten nur noch ein nicht unbedingt geeignetes Gewässer übrig, das bedenkenlos aufgesucht werden könne. Somit ist das Schwimmen vorerst ausgesetzt. Gleiches gilt im übrigen auch für die regionalen Läufe, die zuerst den Virus-Bestimmungen zum Opfer fielen: Leipzig-Marathon, Collm-Lauf, Rio-Lauf und einige andere mehr.

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Einen ordentlichen Dämpfer verpasst Corona Klaus Ullmann allerdings im Alltag abseits der Triathlons: Er trainiert nun weniger, da absehbar ist, dass sämtliche Wettbewerbe, denen er sich stellen wollte, ausfallen. Das ist ein zweischneidiges Schwert, denn zum einen schwindet für den Wermsdorfer die Motivation, auf einen erneuten Erfolg hinzuarbeiten, zum anderen hat er kein schlechtes Gewissen mehr, zu wenig Sport zu machen, um gerüstet für Ironman und Co. zu sein – immerhin gibt es ja keine Herausforderung mehr, der sich der Extremsportler erneut stellen muss.

Sport fällt Virus zum Opfer

Die Möglichkeit, an die eigenen Grenzen zu gehen, die Fitness im Alter aufrecht zu erhalten und vor allem die Aussicht darauf, mit anderen um gute Platzierungen zu ringen, ist ihm durch die Auswirkungen der Pandemiebestimmungen genommen. Da es unter den Athleten auch einige gibt, die absagen mussten, weil sie selbst positiv getestet worden und einige, die vorsorglich ihre Anmeldung zurückzogen, schwindet das Teilnehmerfeld von Tag zu Tag – und damit auch die Konkurrenz und Relevanz der einzelnen Ableger.

Die Absagen der Wettkämpfe in und um Deutschland wirken sich auch auf den König aller Triathlons aus: Der Ironman auf Hawaii, für den man sich auf nationaler Ebene qualifizieren muss, wird wohl mittelfristig ebenfalls gecancelt. Geplant ist er am 10. Oktober. Wie sich die Lage bis dahin gestaltet, ist nicht absehbar wie alle anderen Entwicklungen rund um die Krise auch. Mit Sicherheit wird auch die in den letzten Jahren zunehmende Kommerzialisierung der Wettbewerbe daran nichts ändern. Der Vergleich zum Fußball drängt sich auch hier wieder auf: Sportereignisse sind Großveranstaltungen und werden wohl in diesem Jahr flächendeckend dem Virus zum Opfer fallen.