25. März 2020 / 09:32 Uhr

Coronakrise verstärkt Solidarität in Leipziger Vereinen: „Wir sind eine wahre Familie“

Coronakrise verstärkt Solidarität in Leipziger Vereinen: „Wir sind eine wahre Familie“

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Miguel Angel Lopez-Barcelay (USC) beim Spiel USC Uni Riesen Leipzig vs Niners Chemnitz 2, Baseketball 2. Regionalliga Herren, 02.02.2019
USC-Basketballer Miguel Angel Lopez-Barcelay klatscht mit dem Team ab – auch die Uni-Riesen müssen jetzt zusammenhalten. © Christian Modla
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Bei Leipziger Sportvereinen dominiert in der Corona-Krise die Solidarität. Gerade jetzt sind die Vereine auf die Mitgliedsbeiträge angewiesen, um nicht in die Insolvenz zu geraten.

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Leipzig. Wenn Alexander Schlenzig auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den SC DHfK angesprochen wird, fällt dem Generalsekretär des Leipziger Groß-Vereins sofort eine Geschichte ein. „Erst in dieser Woche ist eine Familie zu mir gekommen, bei denen die beiden Kinder und die Eltern bei uns Mitglieder sind“, fängt Schlenzig an zu erzählen, „die haben zu mir gesagt, dass sie gerade jetzt gerne ihre Beiträge zahlen wollen, um den SC DHfK zu unterstützen. Alle vier, dabei zahlen die Eltern den Höchstsatz von 40 Euro pro Monat!“

Solche Anekdoten hört man allerorten, wenn man bei den Leipziger Sportklubs herumfragt, ob sich schon Mitglieder gemeldet haben, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können oder wollen und sie deswegen bald Probleme bekommen könnten. Natürlich gebe es diese Anfragen auch, erklärt Alexander Schlenzig, aber sie seien eine kleine Minderheit.

L.E. Volleys: Kein Abstieg dank Corona

„Ich glaube nicht, dass irgendein Vereinsmitglied damit an uns herantreten wird“, sagt etwa Uni-Riesen-Coach Jens Dietze. „Wir sind beim USC eine wahre Familie, bei der jetzt ‚Alle für einen‘ noch mehr gilt.“ Der Trainer der Basketballer, deren Saison in der 2. Regionalliga nun vorzeitig beendet ist, sieht seinen Verein finanziell relativ gut aufgestellt und denkt eher an die Konkurrenz etwa im nahen Weißenfels: „Der MBC wird in der Bundesliga wahrscheinlich viel größere Probleme bekommen, wenn länger nicht gespielt werden kann.“

Bei den L.E. Volleys gibt es in dieser Saison wegen Corona ebenfalls keine Partien mehr – die in der Zweitliga-Tabelle aktuell auf einem Abstiegsplatz liegenden Volleyballer dürfen nach dem Abbruch der Spielzeit in der Liga bleiben und profitieren damit sogar indirekt von der Pandemie. „Wir sehen es mit viel Demut, dass wir diese zweite Chance bekommen haben“, sagt L.E.-Übungsleiter Christoph Rascher. „Dennoch liegen vor uns schwere Zeiten.“ Auch Rascher spürt eine große Hilfsbereitschaft und Solidarität in seinem Verein, bisher wollte noch kein Mitglied seine Beiträge nicht mehr zahlen, denn alle wüssten, dass es sich gerade um eine Ausnahmesituation handele.

‼️Breaking News‼️ VBL beschließt für 2. Volleyball-Bundesliga: • kein Meister und • keine Absteiger! Die L.E....

Gepostet von L.E. Volleys e.V. am Mittwoch, 18. März 2020

BSV AOK appelliert an Solidarität seiner Mitglieder

Ähnlich sieht das auch Lutz Lehmann: „In der Not sollte die Gemeinschaft zusammenrücken.“ Der Präsident von Lok Engelsdorf ging mit gutem Beispiel voran und fand mit dem Pächter der Vereinsgaststätte, die ja nun auch erstmal geschlossen bleiben muss, eine Lösung, um finanziell über die nächsten Wochen zu kommen. Von dem Stornieren der Mitgliedsbeiträge rät Lehmann sowieso ab, da die Kosten dafür fast so hoch sind wie die eher geringen Beiträge bei den Engelsdorfern.

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Vergleichbar ist die Situation beim BSV AOK Leipzig. Bei dem Breitensportverein kamen in den vergangenen Tagen einige Anfragen, sodass man sich gleich dazu entschied, ein FAQ zu häufig gestellten Fragen zur Corona-Krise online zu stellen. „Generell möchten wir auch darum bitten, von Beitragsrückbuchungen abzusehen. Hier entstehen i.d.R. Kosten zwischen 4 und 7 Euro, die wir dem entsprechenden Vereinsmitglied auf jeden Fall in Rechnung stellen müssen“, heißt es darin. Stattdessen appelliert auch der BSV AOK an die Solidarität seiner Mitglieder: „Bitte kündigt auch eure Vereinsmitgliedschaft nicht! Sofern ihr nach der Krise wieder wie gewohnt bei uns Sport machen möchtet, sind wir darauf angewiesen, dass ihr euch solidarisch zum BSV AOK Leipzig bekennt und uns mit eurer Mitgliedschaft und eurem Beitrag unterstützt!“