06. März 2020 / 12:35 Uhr

Coronavirus: Absagen, Geisterspiele und Handshake-Verbot – So geht Fußball-Europa mit der Krise um

Coronavirus: Absagen, Geisterspiele und Handshake-Verbot – So geht Fußball-Europa mit der Krise um

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Coronavirus nimmt zunehmend auch Einfluss auf den Fußball - der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, wie Europas Top-Ligen damit umgehen.
Das Coronavirus nimmt zunehmend auch Einfluss auf den Fußball - der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, wie Europas Top-Ligen damit umgehen. © Getty Images/Montage
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Das Coronavirus nimmt immer mehr Einfluss auf den Fußball: Von Zuschauerausschlüssen in der Serie A in Italien, über Spielabsagen in der Schweiz und Handshake-Verbot in der Premier League – der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, wie Europas Top-Ligen mit der Krise umgehen.

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Der Coronavirus hat Europa fest im Griff - und macht auch vor dem Sport nicht halt. Die Fußball-Spitzenligen aus Deutschland, England, Frankreich sowie den besonders betroffenen Ländern Italien und Spanien haben deshalb für die anstehenden Spieltage Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung der neuartigen COVID-19-Erkrankung einzudämmen. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, wie Fußball-Europa mit den Auswirkungen des Coronavirus umgeht.

Italien

Der Coronavirus hat einen regulären Spielbetrieb in Italien praktisch unmöglich gemacht. Die Serie A schmiss im Angesicht der Krise mit landesweit schon über 3000 Infizierten kurzfristig ihren Spielplan um, damit eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert wird. Sechs in der Vorwoche ausgefallene Partien, darunter das Topspiel zwischen Juventus Turin und Inter Mailand, sollen an diesem Wochenende nachgeholt werden. Wann die weiteren Spieltage ausgetragen werden, ist noch nicht bekannt. Bereits am Mittwoch hatte die italienische Regierung in Rom ein Dekret unterzeichnet, wonach alle Sportveranstaltungen bis Anfang April ohne Publikum stattfinden müssen.

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Die krankheitsbedingte Verzerrung des Spielplans sorgt dafür, dass einige Mannschaften an diesem Wochenende spielfrei haben. Darunter ist Champions-League-Achtelfinalist Atalanta Bergamo. "Das Coronavirus ist ein großes Thema in der Kabine, allerdings weniger aufgrund der Gefahr, sondern weil wir überhaupt nicht wissen, wann es weitergeht", sagte der deutsche Atalanta-Verteidiger Robin Gosens dem SPORTBUZZER. "Wir wohnen schon in dem Brennpunkt um die Lombardei herum, es gibt hier die höchsten Zahlen an Infizierten in ganz Italien. Man kann schon sagen, dass die Lage bedroht und gefährlich ist."

Diskutiert wird außerdem, ob das für den 31. März geplante Länderspiel zwischen Deutschland und Italien in Nürnberg wie geplant über die Bühne gehen kann oder wegen der Epidemie abgesagt werden muss. Wenn die Entscheidung heute zu treffen wäre, würde die Stadtverwaltung wegen der zu erwartenden Anreise Tausender Besucher aus Italien eine Absage empfehlen, erklärte Sozialreferent Peter Pluschke am Donnerstag. Die Situation könne sich aber binnen einer Woche signifikant ändern.

England

Die Spiele in der englischen Premier League finden am kommenden Wochenende wie geplant statt. Eine Nuance hat der Coronavirus allerdings auch bei Spielen im Vereinigten Königreich verändert. Die 20 Teams der englischen Liga verzichten auf den obligatorischen Fair-Play-Handshake. Dies sei auf "medizinischen Rat" geschehen, teilte die Liga am Donnerstag mit und führte weiter aus: "Coronavirus wird über Tröpfchen aus Nase und Mund verbreitet und kann auf die Hände übertragen und per Handschlag weitergegeben werden." In Großbritannien gab es bislang Infektionen im niedrigen dreistelligen Bereich, ein Patient starb.

Frankreich

In Frankreich soll für Ligue 1 und Ligue 2 von Fall zu Fall entschieden werden, ob Spiele abgesagt oder ohne Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Am Freitag wurde so erstmals eine Maßnahme ergriffen: Das Ligue-2-Spiel zwischen Chambly und Le Mans soll ohne Fans stattfinden. Der Ligaverband ergriff zudem Vorsichtsmaßnahmen: Unter anderem soll vor den Spielen genau wie in der Premier League auf das Händeschütteln zwischen den Spielern verzichtet werden.

Frankreich hatte am vergangenen Wochenende alle Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen untersagt. Betroffen waren Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, aber auch einige Sportevents. Ausgenommen sind bisher Veranstaltungen in Stadien. Nach aktuellem Stand soll das Champions-League-Achtelfinale zwischen Paris Saint-Germain und dem BVB am kommenden Mittwoch deshalb stattfinden. Die französische Sportministerin Roxana Maracineanu schloss allerdings nicht aus, dass die Partie ohne Zuschauer stattfinden könnte, sofern sich die gesundheitliche Situation im Großraum Paris verschlechtert.

Schweiz

Die drastischsten Konsequenzen ergriff die Schweiz: Die 20 Klubs der Swiss Football League (erste und zweite Liga) entschieden bereits zu Wochenbeginn, wegen der Coronavirus-Epidemie alle Fußballspiele für den März abzusagen. Die Schweizer Regierung verbot zudem alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern. Nach aktuellem Stand soll der Spielbetrieb am 4. und 5. April wieder aufgenommen werden.

Unklar ist noch, welche Auswirkungen die langfristige Aussetzung des Spielbetriebs in der Liga auf das Europa-League-Achtelfinale des FC Basel hat, der gegen den Bundesliga-Vertreter Eintracht Frankfurt ran muss. "Wir sind wegen dem Coronavirus aktuell auf Sparflamme", sagte der frühere Bundesliga-Trainer Marcel Koller, Chefcoach der Basler, in einer Videobotschaft. "Wir haben in der Kabine auch einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen mit Desinfektionsmitteln und wir waschen noch häufiger als sonst die Hände."

Der Präsident des Schweizer Fußballverbandes SFV, Dominique Blanc, hat angesichts der Lage in seiner Heimat drastische Worte gewählt. "Wir haben eine Situation, die den professionellen Fußball in ihren Grundfesten erschüttern kann", sagte Blanc. "Wenn die Lage noch länger anhält, werden wir es nicht vermeiden können, mit der UEFA über finanzielle Hilfen zu sprechen." Unter anderem mussten der Genfer Autosalon und die Basler Fasnacht abgesagt werden.

Spanien

Obwohl das Virus sich inzwischen auch auf die iberische Halbinsel ausgebreitet hat, mussten der spanische Fußball-Verband und die Liga bisher noch keine Konsequenzen ziehen. Dennoch werden in den kommenden Wochen zwei Spiele hinter verschlossenen Türen stattfinden: Das Champions-League-Duell zwischen dem FC Valencia und Atalanta Bergamo am kommenden Dienstag und das Europa-League-Spiel zwischen dem FC Getafe und Inter Mailand am 19. März. Hintergrund der Maßnahmen ist allerdings die Ausbreitung des Virus in Norditalien, wo die beiden Gästeteams herkommen.

Dänemark

Vier Profis befinden sich in Quarantäne, nachdem publik geworden war, dass der frühere Wolfsburg-Profi Thomas Kahlenberg am Coronavirus erkrankt ist. Der 36-Jährige hatte sich in Amsterdam angesteckt und besuchte im Anschluss das Spiel zwischen Bröndby und Lyngby. Wer ihm währenddessen im Stadion die Hand geschüttelt, ihn umarmt oder länger als 15 Minuten mit ihm zusammengestanden habe, sollten sich telefonisch bei Bröndby melden. Betroffen sind etwa Kahlenbergs früherer Teamkollege Joel Kabongo, Bröndbys Co-Trainer Martin Retov (früher Spieler bei Hansa Rostock) und der frühere Liverpool-Profi Christian Poulsen, den Kahlenberg in den Niederlanden getroffen hatte. Poulsen ist inzwischen Co-Trainer von Ajax Amsterdam.

Der größte Klub des Landes, Rekordmeister FC Kopenhagen, gab am Freitag bekannt, in den kommenden Spielen vor leeren Rängen aufzutreten. Davon betroffen ist auch das Achtelfinale in der Europa League gegen den türkischen Klub Istanbul Basaksehir.

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Deutschland

In Deutschland haben die regionalen Gesundheitsämter das letzte Wort: Sie würden im Einzelfall über Spielabsagen oder Zuschauerausschlüsse entscheiden. Im Zweifel seien Spiele ohne Zuschauer das bevorzugte Mittel, wie DFL-Direktor Ansgar Schwenken gegenüber der Sportschau verriet: "Wir gehen im Moment davon aus, dass wir nach hinten im Spielplan mit DFB-Pokal-Finale, Champions-League-Endspiel und Europameisterschaft keine Luft haben. Das ist unsere Handlungsmaxime", erklärte er. Zahlreiche Vereine wie der FC Bayern, Borussia Dortmund oder auch der Hamburger SV haben vorerst verfügt, dass ihre Spieler keine Hände von Fans mehr schütteln sollen. Auch auf Autogramme und Selfies mit den Anhängern soll zunächst verzichtet werden.

Eine kritische Situation stellt das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr, so könnt ihr es sehen!) dar. Der Borussia-Park, wo das Spiel stattfindet, liegt nur rund zwölf Kilometer von der Gemeinde Heinsberg entfernt, die bisher die meisten Corona-Fälle in Deutschland zu verzeichnen hat. Das Gesundheitsamt Mönchengladbach sah allerdings keinen Grund für eine Absage, sodass die Partie aller Voraussicht nach stattfinden kann.

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