09. März 2020 / 18:59 Uhr

Coronavirus in Brandenburg: Vereine bangen um Zuschauereinnahmen, weniger Anmeldungen für Läufe

Coronavirus in Brandenburg: Vereine bangen um Zuschauereinnahmen, weniger Anmeldungen für Läufe

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ob die Volleyballspiele des SC Potsdam (o.l.), das Oberhavel-Derby zwischen dem Oranienburger FC und dem TuS Sachsenhausen (o.r.), der Drittelmarathon in Potsdam (u.l.) oder das Brandenburg-Derby in der 3. Handball-Liga zwischen dem VfL Potsdam und dem Oranienburger HC: Ob sie stattfinden werden, entscheidet sich wohl erst kurzfristig.
Ob die Volleyballspiele des SC Potsdam (o.l.), das Oberhavel-Derby zwischen dem Oranienburger FC und dem TuS Sachsenhausen (o.r.), der Drittelmarathon in Potsdam (u.l.) oder das Brandenburg-Derby in der 3. Handball-Liga zwischen dem VfL Potsdam und dem Oranienburger HC: Ob sie stattfinden werden, entscheidet sich wohl erst kurzfristig. © Gerhard Pohl, Christoph Brandhorst, Bernd Gartenschläger, Sylvia Göres
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Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus wirkt sich auch auf die Brandenburger Sportvereine aus. Einige fürchten fehlende Ticketeinnahmen, für den Drittelmarathon gab es seit drei Wochen keine Anmeldung mehr. Trotzdem sollen vorerst die meisten Veranstaltungen stattfinden.

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Beim VfL Potsdam versucht man, das Thema Coronavirus nicht allzu hoch zu hängen. „Das Thema ist aus unserer Sicht zu vage, als dass wir die Empfehlung aussprechen würden, nicht zu einem Heimspiel unserer Adler zu kommen“, teilte der Verein auf SPORTBUZZER-Nachfrage mit. Am Freitagabend (19 Uhr) steigt das nächste Heimspiel des Handball-Drittligisten in der MBS-Arena gegen den SC Magdeburg II. „Ob sich die Leute bei einem VfL-Heimspiel mit Handschlag oder Umarmung begrüßen, bleibt ihnen überlassen. Die Gefahr, sich ein Influenza-Virus einzufangen, scheint zumindest höher zu sein, als an Corona zu erkranken“, heißt es vom VfL. In drei Wochen folgt für die Adler das Derby gegen den Oranienburger HC, regelmäßig kommen bis zu 1500 Zuschauer zum Prestigeduell. Geht es nach der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), müsste die Veranstaltung abgesagt werden oder ohne Zuschauer stattfinden.

Volleyball-Bundesliga setzt Spielbetrieb fort

Die Volleyball-Bundesliga hat trotzdem entschieden, weiterhin alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga auszutragen. Sollten die örtlichen Gesundheitsbehörden Veranstaltungen verbieten oder absagen, sind die Vereine wie der SC Potsdam (Damen) und die Netzhoppers KW-Bestensee (Herren) aus der 1. Bundesliga angehalten, hilfsweise eine Durchführung des Spiels unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder mit reduzierter Zuschauerzahl durchzuführen. Sollten Hallen gesperrt werden, ist die Heimmannschaft aufgefordert, eine Ausweichhalle zu finden. Gegebenenfalls kann das Spiel auch beim Gegner ausgetragen werden, empfiehlt die Volleyball-Bundesliga.

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Beim SC Potsdam, der am Wochenende über 2000 Zuschauer in der ausverkauften MBS-Arena hatte, will man die Entwicklung abwarten. „Wir schauen von Tag zu Tag“, erklärte Sportdirektor Toni Rieger. „Unser nächstes Heimspiel steht erst in knapp zwei Wochen an. Das wäre unser erstes Playoff-Viertelfinalspiel. Natürlich rechnen wir da wieder mit über 1500 Zuschauern. Wenn es von den Behörden eine entsprechende Anweisung geben würde, würden wir die Kapazität auch auf 1000 Zuschauer begrenzen.“

„Anmeldungen aus Coronavirus-Risikoländern würden wir nicht annehmen"

Beim Stadtsportbund in Potsdam, der Ende April wieder den Drittelmarathon ausrichtet, der immer rund 2000 Teilnehmer hat, hat man in den letzten drei Wochen keine Anmeldungen mehr bekommen, wie Geschäftsführerin Anne Pichler sagte. „Anmeldungen aus Coronavirus-Risikoländern würden wir auch nicht annehmen. Stand jetzt gehen wir aber davon aus, dass der Drittelmarathon stattfindet, die Vorbereitungen laufen entsprechend weiter.“ Auch der Berliner Halbmarathon, der mit 34 000 Teilnehmern bereits ausgebucht ist, soll am 5. April – Stand jetzt – stattfinden.

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Knapp 1800 Läufer gingen beim 16. RBB-Drittelmarathon mit Start und Ziel auf der Glienicker Brücke an den Start. Zur Galerie
Knapp 1800 Läufer gingen beim 16. RBB-Drittelmarathon mit Start und Ziel auf der Glienicker Brücke an den Start. ©

Für Fußball-Regionalligist Energie Cottbus wäre ein Spiel ohne Zuschauer eine kleine Katastrophe. „Im Moment ist das ehrlich gesagt unvorstellbar. Zumal wir wirtschaftlich auf die Zuschauereinnahmen unsere Heimspiele angewiesen sind“, sagte Energie-Sprecher Stefan Scharfenberg-Hecht. Ähnlich sieht es beim Ligakonkurrenten SV Babelsberg 03 aus. „Zum einen fehlt dann der sportliche Vorteil eines Heimspiels, zum anderen gäbe es Einnahmeverluste“, sagte Steve Müller, der beim SVB für die Heimspiele verantwortlich ist. Während einige Proficlubs gegen solche Fälle versichert sind, fehlt solch ein Schutz beim Regionalligisten. Bestellte Tickets müssten erstattet werden, „das ist schon eine Zusatzbelastung, die kein Mensch braucht“, sagte Müller. Mit dem Gesundheitsamt, das eine Absage verordnen könnte, stehe der Verein im Kontakt, genau wie Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam. Die Stadt Potsdam will sich erst am Dienstag zu möglichen Veranstaltungsabsagen äußern.

Oberhavel-Derby soll geplant stattfinden

In Oberhavel zieht das Oranienburger Stadtderby in der Fußball-Brandenburgliga zwischen dem TuS Sachsenhausen und dem Oranienburger FC Eintracht regelmäßig über 1000 Zuschauer in seinen Bann. Am 18. April ist der TuS Gastgeber für die nächste Auflage. „Wir haben das Thema auf dem Schirm, warten aber erst einmal ab, wie sich die Lage entwickelt“, meinte Sachsenhausens Sportlicher Leiter Stephan Lange. „Der Verein plant aber erst einmal so, als würde das Spiel ganz normal stattfinden.“ Dass die Corona-Welle früher oder später auch Auswirkungen auf den regionalen Fußball hat, kann sich Lange gut vorstellen: „Dann muss man sehen, ob es Geisterspiele gibt, die Liga pausiert oder wir Spiele verschieben müssen.“

Im Norden Brandenburgs ist das bereits der Fall: Weil in Neustadt (Dosse) zahlreiche Menschen in häuslicher Quarantäne sind, hat das auch Folgen für den Spielbetrieb. Im Fußballkreis Prignitz/Ruppin wurden für das kommende Wochenende bereits zehn Spiele abgesagt.