25. Februar 2020 / 17:58 Uhr

Coronavirus-Epidemie erreicht Europa: UEFA diskutiert Einfluss auf EM 2020 – IOC setzt Frist für Olympia

Coronavirus-Epidemie erreicht Europa: UEFA diskutiert Einfluss auf EM 2020 – IOC setzt Frist für Olympia

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die EM 2020 findet im Sommer in insgesamt zwölf Ländern statt, Olympia wenige Wochen später im japanischen Tokio.
Die EM 2020 findet im Sommer in insgesamt zwölf Ländern statt, Olympia wenige Wochen später im japanischen Tokio. © imago images/Pacific Press Agency/Xinhua
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Die Coronavirus-Epidemie hat Europa erreicht - und versetzt den ganzen Kontinent in Alarmbereitschaft. Die UEFA will mögliche Konsequenzen für die EM 2020 erst diskutieren, falls sich die Lage drastisch verschlechtert. Das IOC setzt für die Olympischen Spiele dagegen eine feste Frist.

Das neuartige Coronavirus hat Europa erreicht: Ein Ausbruch in Italien mit mehr als 200 Infizierten und mehreren Toten hat den ganzen Kontinent in Alarmbereitschaft versetzt. Während Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag warnte, dass sich das Virus auch auf Deutschland ausbreiten könne, wurden in Italien Vorkehrungen getroffen, die auch die Sport-Welt betreffen. Das Europa-League-Spiel von Inter Mailand gegen Ludogorets Rasgrad etwa wird am Donnerstag vor leeren Rängen stattfinden, zuvor hatte es bereits Spielabsagen in der Serie A gegeben.

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Längst werden auch Konsequenzen für die großen Sportveranstaltungen diskutiert, die in diesem Jahr stattfinden sollen - die EM 2020 in insgesamt zwölf Ländern und die Olympischen Spiele in Tokio. In Panik verfallen will die UEFA rund 100 Tage vor dem Start der EM zwar nicht. Allerdings werde man sehr genau beobachten, wie die Epidemie sich in Europa entwickelt. "Wir warten ab", sagte der italienische UEFA-Vize Michele Uva dem TV-Sender Rai. "Wir beobachten (den Virus, d. Red.) Land für Land und der Fußball muss sich an die Verordnungen in den jeweiligen Ländern richten."

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Eine eventuelle Absage der EM wollte Uva nicht kategorisch ausschließen. "Der sportliche Weg wird erst geschlossen sein, wenn die Situation sich verschlimmert." Noch ist das Virus in Europa vor allem auf den Norden Italiens begrenzt, besonders auf die Lombardei und Venetien. Greift es auf andere europäische Gebiete über, dürften die Stimmen lauter werden, die eine Verlegung oder gar eine Absage von wichtigen Sportveranstaltungen diskutieren.


Das Internationale Olympische Komitee ist mit Blick auf Olympia 2020 schon etwas weiter - vor allem wegen der geografischen Nähe von Austragungsort Tokio zum chinesischen Wuhan, wo die Epidemie ihren Ursprung nahm und am Schlimmsten wütet. IOC-Mitglied Richard Pound schätzt, dass es noch ein dreimonatiges Zeitfenster für eine Entscheidung über eine Absage der Olympischen Spiele wegen des Coronavirus gibt. „Es ist eine große, große, große Entscheidung, und man kann sie erst treffen, wenn man verlässliche Fakten hat, auf die man sich stützen kann“, sagte das dienstälteste Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees am Dienstag im Interview der Nachrichtenagentur AP. Die Tokio-Spiele stehen in 150 Tagen an.

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Wer ist bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio im National Stadion mit dabei? Der SPORTBUZZER schätzt unter anderem die Teilnahme-Chancen von Lars Stindl (von links), Thomas Müller und Sandro Wagner ein. ©

Zuvor hatte der Orga-Chef Yoshiro Mori, eine Olympia-Absage noch kategorisch ausgeschlossen. „Da jede Menge unverantwortlicher Gerüchte im Umlauf sind, will ich noch einmal klarstellen, dass wir eine Verschiebung oder Absage nicht in Erwägung ziehen", sagte Mori erst kürzlich. Und auch Shinzo Abe, Premierminister Japans, verlässt sich auf die Veranstalter und die Weltgesundheitsorganisation WHO: „Wir werden eng mit der WHO zusammenarbeiten, um negative Auswirkungen in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und der Paralympics zu vermeiden.“

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Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass der Tischtennis-Weltverband die für Ende März geplante Mannschafts-WM im südkoreanischen Busan um mindestens drei Monate verschieben wird. In Italien wird aus Sorge vor der Lungenkrankheit Mailands Europa-League-Spiel gegen Rasgrad vor leeren Rängen stattfinden. Am vergangenen Wochenende waren vier Serie-A-Partien abgesagt worden.

In Deutschland hält Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer solche Absagen zurzeit nicht für notwendig. „Niemand kann seriös prognostizieren, wie die Lage in einer oder zwei Wochen sein wird“, sagte er in einem auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes veröffentlichten Interview. „Aktuell wäre dieses Mittel bei uns wohl übertrieben, da die Fälle in Deutschland bekannt und „unter Kontrolle“ sind.“ Auch die Deutsche Fußball Liga beobachtet die Lage. Nach dpa-Informationen stehen derzeit aber keine Spielabsagen zur Debatte.