15. März 2020 / 20:29 Uhr

Coronavirus stoppt den Amateurfußball: Das sagen Hannovers Landesligisten zur Spielpause 

Coronavirus stoppt den Amateurfußball: Das sagen Hannovers Landesligisten zur Spielpause 

Dirk Herrmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ramlingens Manager Kurt Becker rechnet damit, dass frühestens Ende April wieder gespielt werden kann.
Ramlingens Manager Kurt Becker rechnet damit, dass frühestens Ende April wieder gespielt werden kann. © Debbie Jayne Kinsey
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Wann kann in Hannovers Amateurfußball wieder gespielt werden? Diese Frage stellen sich aktuell alle. Die jüngsten Entwicklungen rund um das Coronavirus lassen das Sportliche in den Hintergrund rücken. Wir haben uns mit mehreren Verantwortlichen der Landesliga über die aktuelle Situation unterhalten. 

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Die Witterungsbedingungen am vergangenen Wochenende wären gar nicht so übel gewesen, um nach einigen Absagen zuvor nun den Punktspielbetrieb wieder aufnehmen zu können. Jetzt aber stoppt das Coronavirus die Fußballer, auch in den Amateurklassen. Vorerst bis zum 23. März hat der Niedersächsische Fußballverband alle Partien von der Oberliga bis in die untersten Kreisklassen abgesagt, und es fällt schwer, sich vorzustellen, dass nach dieser kurzen Unterbrechung alles wieder gut sein wird und schon wieder gespielt werden soll.

107 Begegnungen stehen in der Landesliga noch aus

Vielmehr muss man sich wohl überlegen, wie zum Beispiel in der Landesliga die dort noch ausstehenden 107 Begegnungen bis Saisonschluss (momentan 29. Mai) über die Bühne gebracht werden können.

Beim SV Ramlingen/Ehlershausen, der sich als Tabellenführer vor der Winterpause ein Zwölf-Punkte-Polster zugelegt hat, geht Kurt Becker davon aus, dass die fußballlose Zeit noch einige Wochen dauern wird. „Normal läuft es so: Die Bundesliga fängt irgendwann wieder an, und der Rest zieht anschließend mit“, sagt der Sportliche Leiter.

Das sind die Bilder der Saison 2019/20 in Hannovers Amateurfußball

Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. Zur Galerie
Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. ©

"Die Saison lässt sich bis Mitte Juni verlängern, natürlich auch mit englischen Wochen."

„Was oben entschieden wird, danach richtet sich dann der Amateurbereich.“ Becker rechnet bereits damit, dass die Auszeit für Ramlingens Kicker, die ihren 1921 gegründeten Klub zum 100-jährigen Bestehen gern zurück in die Oberliga schießen wollen, und die anderen Amateurvereine frühestens Ende April endet. Dann gebe es indes durchaus Möglichkeiten, die bis dahin „ausgefallenen Spieltage dranzuhängen“, meint Becker. „Die Saison lässt sich bis Mitte Juni verlängern, natürlich auch mit englischen Wochen.“

Krause glaubt, dass die Saison annuliert werden könnte

Wolfgang Krause, Spartenleiter beim abstiegsbedrohten TSV Godshorn, hält die Absetzung der nächsten Spiele erst einmal für absolut richtig. „Die Entwicklung war nicht aufzuhalten. Die Einschläge kamen ja immer näher“, sagt er und vermutet, dass die im Fußball getroffenen Maßnahmen in den nächsten Tagen noch angepasst werden müssen. Wie mit der aktuellen Saison insgesamt umzugehen sei, könne er zwar zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen. „Sie wird sich aber wahrscheinlich extrem verlängern“, vermutet Krause. „Es hat ja noch nicht einmal jeder Verein alle Spiele der Hinrunde absolviert.“ Mit dem 1. FC Wunstorf, der SpVgg. Bad Pyrmont und dem Heeßeler SV gibt es drei Landesligisten, die momentan jeweils noch 16 Partien vor der Brust haben.

Es sei zu befürchten, dass die Saison eventuell sogar annulliert werde, glaubt Krause. Den augenblicklichen Tabellenstand heranzuziehen, um einen Meister auszurufen oder sich auf die Absteiger festzulegen, wäre nach Ansicht des Godshorner Spartenleiters zumindest zweifelhaft. In Ramlingen sieht man das ein wenig anders.

„Wird die Saison abgesagt, weil es um die Gesundheit geht, dann ist das Gesetz und lässt keine andere Meinung zu“, betont Becker. Er würde es allerdings nicht verstehen können, wenn sämtliche bisher erzielten Ergebnisse nicht mehr gewertet werden sollten. „Bei einigen Vereinen würde man in diesem Fall 60 Prozent der Spiele oder mehr einfach streichen“, sagt Ramlingens Sportlicher Leiter. Das aber hielte er für bedenklich. „Wenn im Skispringen der 2. Durchgang wegen Turbulenzen abgesagt wird, dann zählt immer noch der 1. Durchgang“, sagt Becker.

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12 Tore ©

"Ich selbst wüsste zurzeit keine Lösung und will auch nicht in der Haut derer stecken, die sie finden müssen. Jetzt heißt es erst einmal: Geduld und Spucke – und gesund bleiben."

Für den TSV Pattensen, der wie seine Kontrahenten aus Ramlingen und Godshorn auch den kompletten Trainingsbetrieb eingestellt hat, bliebe ein totaler Saisonabbruch sportlich folgenlos. „Ein Abbruch wäre zwar nicht befriedigend, aber wir stehen ja über dem Strich“, sagt TSV-Abteilungsleiter Dirk Buschold mit einem Augenzwinkern angesichts eines Abstands von drei Punkten zur Abstiegszone. Auch Buschold kann sich nicht vorstellen, dass in einer Woche schon wieder gekickt wird. „Nie und nimmer“, sagt er. „Und was heute beschlossen wird, könnte morgen schon nicht mehr funktionieren.“

Die Pause werde bestimmt noch bis nach Ostern dauern; vor Wiederaufnahme der Pflichtspiele sollte es zumindest noch die Möglichkeit zum Trainieren geben. „Ich selbst wüsste zurzeit keine Lösung und will auch nicht in der Haut derer stecken, die sie finden müssen“, sagt Buschold. „Jetzt heißt es erst einmal: Geduld und Spucke – und gesund bleiben.“

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Eilveses Spieler sollen sich fit halten

Einer Entscheidung, ab wann der Ball wieder rollen soll, sieht Thassilo Jürgens einigermaßen gelassen entgegen. „Uns kann es im Grunde genommen relativ egal sein“, sagt der Trainer des STK Eilvese, „wir sind Tabellenvierter und müssen nun eben abwarten, wie sich das alles hinziehen wird.“ Weil der Trainingsbetrieb in Eilvese vollständig eingestellt wurde, hat Jürgens seinem Personal mit auf den Weg gegeben, sich vorerst eigenständig sportlich zu betätigen.

Sollte sich die Saisonunterbrechung indes ausweiten, „müssen wir gucken, ob sich die ausfallenden Spiele anschließend noch im Mittwoch-Sonntag-Rhythmus wieder aufholen lassen“, sagt er. Für Vereine, die mit finanziellem Aufwand höhere Ziele verfolgen würden oder solche, die sich noch retten könnten, sei die Lage auch angesichts der Gefahr eines vorzeitigen Saisonendes jedoch komplizierter. „Wenn man ihnen zum Schluss sagen müsste: Tut uns leid, aber anders ging es nicht – das wäre kribbelig“, sagt Jürgens.