19. März 2020 / 16:19 Uhr

SV Babelsberg 03 befürchtet Schaden im sechsstelligen Bereich

SV Babelsberg 03 befürchtet Schaden im sechsstelligen Bereich

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
SVB-Keeper Dominik Picak.
Dominik Picak wird im Mai Vater und steht täglich im Austausch mit seiner schwangeren Frau in Kroatien. © Benjamin Feller
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Regionalliga Nordost: Wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus ruht der Spielbetrieb auch beim SV Babelsberg 03, dem wie vielen anderen Vereinen und Unternehmen große wirtschaftliche Einschnitte drohen.

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Ungewissheit herrscht mit Blick auf die sich täglich ändernden Entwicklungen der Coronavirus-Krise derzeit bei Fußball-Regionalligist Babelsberg 03. „Wir befinden uns in einer unübersichtlichen Gefechtslage. Mehr als eine Zwischenbilanz kann im Moment nicht gezogen werden“, sagt SVB-Vorsitzender Archibald Horlitz. Seit einer Woche ruht bei den Kiezkickern der Trainings- und Spielbetrieb. „Unsere Spieler haben individuelle Trainingspläne bekommen, mit dem Ziel, ihre Fitness den Umständen entsprechend zu bewahren. Ansonsten müssen wir alle abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, sagt Horlitz.

Sportlich ging es bei den abstiegsbedrohten Kiezkickern mit vier Punkten aus den vergangenen beiden Punktspielen in die richtige Richtung. Wie lange der 4:1-Erfolg im Karl-Liebknecht-Stadion gegen Lichtenberg 47 vom 7. März der letzte Pflichtspielauftritt gewesen ist, kann aktuell niemand einschätzen. Am Mittwoch vermeldete der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV), dass der Ball – wie der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen in Potsdam – vorerst bis zum 19. April ruht.

In Bildern: So geht der SV Babelsberg 03 mit der Corona-Zwangspause um.

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So geht der SV Babelsberg 03 mit der Corona-Zwangspause um. ©

In diesen Zeitraum fallen unter anderem das für den 28. März geplante Landespokal-Halbfinale des SVB bei Brandenburgligist Grün-Weiß Lübben sowie die Heimspiele gegen Hertha BSC II und den 1. FC Lok Leipzig. Ausbleibende Einnahmen im Ticketverkauf und Catering werden den finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Kiezverein wie viele andere Unternehmen und Clubs vor große Herausforderungen stellen. Der Verein verliert mit dem Aussetzen des Spielbetriebs auf unbestimmte Zeit einen entscheidenden Teil seiner Geschäfts- und Existenzgrundlage.

„Wir rechnen mit einem Schaden im sechsstelligen Bereich“, schätzt Horlitz und ergänzt: „Das ist eine ganz vorsichtige Prognose.“ Mehr als ein „Zwischenfazit sei aktuell nicht möglich. Mit dem Prüfen möglicher Unterstützung des Staates – wie zum Beispiel Kurzarbeit – werde sich der Verein beschäftigen müssen. „Da werden wir alle Register ziehen – es bleibt uns gar nichts anderes übrig“, erklärt Horlitz, der seit 2013 erster Vorsitzender des Vereins ist und in diesem Zeitraum zahlreiche schwierige Situationen zu bewältigen hatte.

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Die aktuelle Lage stellt aber auch den 61-Jährigen vor eine komplett neue Herausforderung, deren Ausgang nicht vorhersehbar ist. „Es kommt letztlich drauf an, wie lange diese sportliche Ruhephase anhält. Einen, zwei, drei oder vier Monate – das kann aktuell niemand sagen. Andere Sportarten haben ihren Saisonbetrieb bereits eingestellt. Ich fürchte, so bitter es ist, dass das dem Fußball ebenfalls droht. Aktuell haben wir im Regionalliga-Kader keinen positiv getesteten Akteur. Rechnen muss man aber mit allem.“

Hier abstimmen: Wie soll es mit der Fußballsaison weitergehen?

Trainer Predrag Uzelac befindet sich seit vergangenem Freitag in seiner Heimat in Cloppenburg und kann ebenfalls nur die Entwicklungen der kommenden Tage abwarten. „Natürlich ist das für uns unbefriedigend“, berichtet der 54 Jahre alte Kroate. „Aber die Gesundheit geht vor. Ich bleibe optimistisch und hoffe, dass wir in dieser Saison noch spielen können. Ich nutze die freie Zeit, um kommende Gegner und unser eigenes Spiel auf Videos zu analysieren.“

Sein Landsmann Dominik Picak ist in Gedanken aktuell vor allem bei seiner schwangeren Frau in Kroatien. Der im Winter verpflichtete Schlussmann, der in einer WG mit Petar Lela wohnt, sagt: „In einer solchen Situation war ich noch nie. Natürlich ist das alles komisch und ungewöhnlich. Mit meiner Frau rede ich jeden Tag, sie ist gesund und passt auf das Baby auf. Ich hoffe, dass ich zumindest bei ihr sein kann, wenn das Kind zur Welt kommt.“ Geburtstermin ist der 20. Mai – vier Tage nach dem regulären Ende der Punktspielsaison. Wie Lela, der Ende Mai in Kroatien heiraten will, merkt Picak am eigenen Leib, dass es deutlich wichtigere Sachen als Fußball gibt. „Wir sollten uns jetzt viel mehr um die Gesundheit der Menschen sorgen und viel weniger über Fußball nachdenken.“

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