23. April 2020 / 19:47 Uhr

Pritzwalk-Trainer Markus Hinz: „Und nichts ist mehr, wie es mal war“

Pritzwalk-Trainer Markus Hinz: „Und nichts ist mehr, wie es mal war“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Markus Hinz wird die 1. Fußball-Männermannschaft des Pritzwalker FHV 03 auch künftig trainieren.
Markus Hinz wird die 1. Fußball-Männermannschaft des Pritzwalker FHV 03 auch künftig trainieren. © Stefan Peglow
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Landesklasse West: Trainer Markus Hinz spricht über seine bisherigen und weitere Monate beim Pritzwalker FHV.

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Markus Hinz, Trainer der in der Fußball-Landesklasse West auflaufenden ersten Männermannschaft des Pritzwalker FHV 03, hat für eine weitere Spielzeit unterschrieben. Der SPORTBUZZER sprach mit ihm über seine bisherige Arbeit, die derzeitige Situation und seine Motivation den Vertrag mit dem FHV zu verlängern.

Quizzen gegen die Langeweile: Die Fragen von Bornims Trainer Janko Müller.

Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. Zur Galerie
Trainer Janko Müller von der SG Bornim aus der Landesklasse West testet in der Zwangspause das Fußballwissen von Freunden. © SPORTBUZZER

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie in Zeiten des Coronavirus?

Markus Hinz: Gesundheitlich geht es meiner Familie und mir gut. Persönlich betroffen waren wir noch nicht. Beruflich ist es aber eine sehr harte Zeit, da ich stark von den Einschränkungen betroffen bin.

Das heißt, sie sitzen entweder Zuhause oder haben mehr zu tun als vorher?

Naja, als Betreiber von zwei Tankstellen, die trotz der Einschränkungen geöffnet sein dürfen, habe ich schon gut zu tun. Dadurch, dass aber viele Pendler nicht zur Arbeit fahren, bleiben die nötigen Umsätze aus. Wenn ich nicht auf einer meiner Stationen bin, dann arbeite ich gerade alles ab, was daheim und im Garten liegen geblieben ist. Arbeit habe ich tatsächlich genug.

Markus Hinz: „Meine Hoffnung ist, dass wir Mitte Mai wieder spielen dürfen“

Und Ihre Frau freut sich vermutlich, Sie öfter zu sehen? Zumal Sie jetzt nicht mehr regelmäßig auf dem Fußballplatz stehen?

Das stimmt. Sie nutzt die Zeit jetzt natürlich aus. Es wird aber Zeit, dass Normalität einkehrt, sonst gewöhnt sie sich noch zu sehr daran.

Stichwort Normalität: Wie stehen Sie zur aktuellen Situation mit der Coronakrise im Amateurfußball? Wie sollte es für ihre Mannschaft weitergehen?

Auf Normalität werden wir noch lange warten müssen. So schwer die momentane Situation ist, die getroffenen Maßnahmen waren unvermeidbar und richtig. Wie verantwortungslos es ist, diese Krankheit zu unterschätzen, sieht man an England und den USA. Lockerungen werden bei uns nach und nach beschlossen werden. Ich denke auch, dass das Vereinsleben bald ein Teil davon sein wird. Meine Hoffnung ist, dass wir Mitte Mai wieder spielen dürfen. Leider wurde eine Verlängerung der Saison durch die Vereine mehrheitlich ausgeschlossen. Das schränkt die Optionen für eine Fortführung stark ein. Wir werden uns im Alltag und im Vereinssport langfristig auf besondere Maßnahmen einstellen müssen, um weiter machen zu können. Da sind wir als Trainer gefragt, kreative Konzepte zu entwickeln um Abstandsregeln einzuhalten. Ab Mai sollte sich die Lage soweit entspannt haben, dass wir in kleineren Gruppen Spielformen trainieren können. Ich denke auch, dass man die Saison fortsetzen und dabei auf Zuschauer verzichten kann.

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Sie plädieren also für eine Fortsetzung der Saison, damit sich der FHV sportlich retten kann. Ist das realistisch? Wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft seit Ihrer Ankunft?

Ich halte es für realistisch, leicht wird es aber nicht. Dass die Saison nicht über den 30. Juni hinaus verlängert wird, macht es schwieriger. Eine Verlängerung bis zum 30. Juli wäre günstiger gewesen. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die harte Arbeit meiner Spieler sportlich im Abstiegskampf auszahlt. Stattdessen fangen wir wahrscheinlich bei unter Null an. Ich finde die Entwicklung der Mannschaft seit meiner Ankunft sehr gut. Vor allem in der Einstellung hat sich da viel getan. Das wird am Ende auch entscheidend sein, die Motivation zu finden, sich von mir quälen zu lassen. Das wird von größter Wichtigkeit sein für den Klassenerhalt. Spielerisch sind die meisten gut ausgebildet, meine Aufgabe war und ist es, dieses Potenzial zu erwecken.

Sie sind jetzt knapp sechs Monate im Amt. Wenn sie diese Zeit Revue passieren lassen – gab es Höhepunkte, negative Erfahrungen?

Naja, fünf Monate – Winterpause und Corona taten ihr Übriges. Im Verein fühle ich mich richtig wohl. Als ich die Mannschaft im November übernommen habe, traf ich auf eine stark verunsicherte Truppe mit enormen Potenzial. Bis zur Winterpause arbeitete ich mit der Mannschaft ausschließlich an Mentalität und Physis. Um Punkte ging es mir dabei noch nicht. Außerdem braucht es Zeit, eine Mannschaft kennenzulernen. Umso schöner, dass vier Punkte heraussprangen. Wir haben von Anfang an klar gemacht, wir setzen auf die Rückrunde. Wir konnten uns mit zwei Brasilianern und Paul Telschow enorm verstärken. Wir hatten eine starke Vorbereitung und einen guten Start in die Rückrunde. Gegen Langen gelang uns ein Dreier zum Auftakt. Dann die Klatsche gegen Bornim und die knappe 2:3-Niederlage gegen Spitzenreiter Alt Ruppin. Dann kam Corona und nichts ist mehr, wie es war.

Was erwarten Sie von der neuen Saison?

Ich habe schon mit dem Vorstand über die neue Saison gesprochen und versichert, dass ich, egal wie die Entscheidungen des Verbandes bei einem Abbruch der Saison über Ab- und Aufstieg ausgehen, bleibe. Bedingungen habe ich keine, außer dass ich mich natürlich freuen würde, mit der Mannschaft in der jetzigen Konstellation weiter arbeiten zu können. Das setzt voraus, dass der Vorstand sich auch mit den Spielern einigen kann. Ich werde versuchen meinen Beitrag zu leisten und ab sofort mit den Spielern Gespräche führen.