08. September 2020 / 16:36 Uhr

COVID-19 und der kleine Fußball: 17 coronabedingte Absagen in Hannover

COVID-19 und der kleine Fußball: 17 coronabedingte Absagen in Hannover

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Endlich: Spiele sind, unter strengen Auflagen, wieder vor Zuschauern möglich. Wie hier beim TSV Kolenfeld.
Endlich: Spiele sind, unter strengen Auflagen, wieder vor Zuschauern möglich. Wie hier beim TSV Kolenfeld. © Christian Hanke
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Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Das dürfte das Motto für die nächsten Wochen im kleinen Fußball in und um Hannover sein. Beim Re-Start gab es 17 coronabedingte Absagen von Spielen.

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Henning Wolters hat mit einem Bleistift eine Liste angelegt. Eine Liste, die immer länger geworden ist. Am Ende des 1. Spieltags standen dort die Namen von acht Mannschaften. Bestätigte Corona-Fälle bekamen zusätzlich ein kleines „C“.

Jeder versucht eben auf seine Art, den Überblick zu behalten. Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisspielausschusses zückte den Bleistift.

"Bei uns war es der Regen"

Wer nach dem Re-Start des Amateurfußballs bei einem Blick auf die Ergebnisse die Wörter „abgesetzt“ oder „abgesagt“ liest, wird hellhörig. Angesprochen auf das ausgefallene Heimspiel in der 1. Kreisklasse 3 gegen den TSV Bantorf beruhigt Matthias Mordhorst die Gemüter: „Bei uns war es der Regen“, sagt der Trainer des TuS Ricklingen.

Aus dem gleichen Grund sagte der TSV Kirchrode II die Partie in der 3. Kreisklasse 1 gegen den SSV Kirchhorst ab. Es muss also nicht immer Covid-19 sein.

Ganz anders sieht die Situation bei acht Männer-Mannschaften in der Region Hannover aus. Der BSV Gleidingen, TuS Altwarmbüchen, TSV Kirchdorf II und TSV Barsinghausen II haben mindestens einen bestätigten Corona-Fall in ihren Reihen.

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Weswegen nicht nur ihre Spiele verlegt worden sind, sondern auch die Duelle der Gleidinger Reserve und des ersten Kirchdorfer Teams. In zwei weiteren Fällen gab es Verdachtsfälle.

"Damit hatte ich nicht gerechnet"

„Das ist überraschend viel“, sagt Wolters, „damit hatte ich nicht gerechnet.“ Viele Vereine seien unsicher gewesen, „wir haben gesagt, bevor es brennt, sagen wir die Spiele vorsichtshalber ab“. Es sei zu erwarten gewesen, dass es einzelne Fälle geben würde, sagt sein Chef, Thorsten Schuschel: „Mit denen müssen wir jetzt umgehen, wir haben das genauso wenig Erfahrung wie die Vereine.“

Am Dienstagabend trifft sich der Kreisvorstand im virtuellen Raum, um beispielsweise die Fragen zu klären, wann ein missbräuchliche Spielabsage vorliegt und wie viel Zeit den Mannschaften nach dem Ende der Quarantäne gegeben werden muss.

Bilder vom Oberliga-Auftakt des SV Ramlingen/Ehlershausen beim MTV Gifhorn.

Bilder vom Oberliga-Auftakt des SV Ramlingen/Ehlershausen beim MTV Gifhorn. Zur Galerie
Bilder vom Oberliga-Auftakt des SV Ramlingen/Ehlershausen beim MTV Gifhorn. © Sebastian Preuß

Eine Absage gab es unter anderem in der 1. Kreisklasse 5, wo der SC Völksen nicht beim VfB Wülfel antrat. „Ein SC-Spieler ist an seinem Arbeitsplatz Ausbilder einer der Schüler, die an der BBS Springe getestet wurden, nachdem in der letzten Woche eine Schülerin der 11. Klasse positiv erkrankt gemeldet wurde“, heißt es in einer Vereinsmitteilung.

Test in Isernhagen fällt negativ aus

Entwarnung gab es am Montag beim TSV Isernhagen, dessen Spiel gegen den SV Sorgensen ausgefallen war. „Einer unserer Spieler hatte Kontakt mit einem positiv Getesteten, sein Test ist aber negativ ausgefallen“, sagt Spartenleiter Stefan Wagener.

In der Luft hängt die Barsinghäuser Reserve. „Ein unserer Spieler ist am Samstag positiv getestet worden, muss aber noch mal getestet werden, weil der erste nicht eindeutig gewesen sein soll“, erzählt Trainer Oliver Niemann. Ebenso wie die Kirchdorfer erreichten sie beim Gesundheitsamt der Region Hannover am Wochenende niemanden.

Freiwillig in Quarantäne

„Ein Spieler der zweiten Herren hat am Samstag sein positives Ergebnis bekommen“, erzählt Christof Rosenbaum, Trainer der ersten Kirchdorfer Mannschaft, der mit Reservecoach Tobias Wauker in einer Wohngemeinschaft lebt. Beide TSV-Partien wurden abgesagt, der Trainingsbetrieb liegt auf Eis.

„Wir nutzen ja nicht nur die gleiche Kabine. Die Spieler, die mit ihm zusammengespielt haben, haben sich freiwillig in Quarantäne begeben“, sagt Rosenbaum. Seitdem ist viel getestet worden im Barsinghäuser Ortsteil, weitere positive Fälle gibt es bislang nicht. Hilfe bekamen die Kirchdorfer unter anderem von Daniel Kern, Co-Trainer des BSV Gleidingen, die sechs positive Fälle haben.

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Freitag Mitternacht dürfen die 20 Spieler von Bezirksligist Niedersachsen Döhren die Quarantäne verlassen. Die drei betroffenen Kräfte seien dabei, sich zu erholen, sagt ihr Trainer Michael Wohlatz. Am Sonntag und heute trafen sie sich zum Training im virtuellen Raum, „damit wir uns sehen und wenigsten ein wenig machen können. Das gibt einem ein gutes Gefühl“, sagt Wohlatz.

Vorsorgliche Spielabsagen

Die für Sonntag beim TSV Bemerode geplante Partie ist, verbunden mit einem Heimrechttausch, inzwischen auf den 15. Oktober (19 Uhr) verlegt worden. Vier Tage nach dem Ende der Quarantäne bestreiten die Döhrener daheim gegen die SG Blaues Wunder ihren Saisonauftakt.

Fünf coronabedingte Absagen gab es bei den Frauen, vier bei der Jugend. „Es waren alles vorsorgliche, um die Infektionsketten zu unterbrechen“, sagt Thomas Grünwald, kommissarischer Vorsitzender im Jugendfußball des Kreises.

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Darunter beispielsweise die Partie der JSG Garbsen gegen die JSG Hannover-West V. Ein Garbsener E-Junior hatte sich laut Trainer Dieter Reich in einem Haushalt mit einem positiven Fall aufgehalten.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Das dürfte das Motto für die nächsten Wochen sein.