03. Februar 2020 / 13:07 Uhr

Eine Schlammschlacht: Silbersee mal anders beim Crosslauf des LAC Langenhagen 

Eine Schlammschlacht: Silbersee mal anders beim Crosslauf des LAC Langenhagen 

Norbert Fettback
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Blick nur für die Strecke: Diesen Läufern droht die Überrundung.
Blick nur für die Strecke: Diesen Läufern droht die Überrundung. © Norbert Fettback
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Der Crosslauf des LAC Langenhagen war ein Tag für die Harten unter den Läufern. Es war nasskalt und dreckig, also alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. "Puh, das war ganz schön anstrengend", sagte Sven Kiene, der sich im Rennen über 7800 Meter durchsetzte.

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An einem Tag wie diesem denkt man gern daran, wie schön es am Silbersee sein könnte. Wenn die Sonne scheint, das Thermometer an die 30 Grad zeigt und das Wasser lockt. Doch es ist Anfang Februar und nasskalt, der Sommer ist fern, und wer sich an diesem grauen Sonntag auf den Weg zum Strandbad gemacht hat, der weiß, was ihn erwartet. Eine Schlammschlacht statt Badefreuden; die Haut wird nur feucht, weil man ordentlich ins Schwitzen kommt und es dazu noch unentwegt regnet.

Es ist Cross-Zeit in Langenhagen, ein Tag für die Harten unter den Läufern. Jene, die Spaß daran haben, wenn beim Tritt in die Pfützen der Dreck spritzt. Und die sich mental darauf eingestellt haben, dass man im Matsch leicht auf die Nase fallen kann.

Bilder vom Crosslauf des LAC Langenhagen

Das ist Teamwork: Jule Rüter liegt auf der Langstrecke in Führung vor Lena Sommer – beide starten für Hannover 96. Zur Galerie
Das ist Teamwork: Jule Rüter liegt auf der Langstrecke in Führung vor Lena Sommer – beide starten für Hannover 96. ©

Wie Sven Kiene. Der 30-Jährige ist Triathlet und damit jemand, der das Sich-Quälen gewohnt ist. Am Silbersee steht für ihn ein Trainingslauf an – Ende Juni will Kiene, der für Hannover 96 antritt, bei der Europameisterschaft in Frankfurt sein Debüt auf der Langdistanz geben.

Alexander Fürle macht ordentlich Dampf

Auch in Langenhagen hat er sich für die lange Distanz entschieden, auf Badehose und Rennrad allerdings verzichtet. Cross geht nun mal anders als Triathlon. „Puh, das war ganz schön anstrengend“, sagte er, als er die sechs Runden hinter sich gebracht hat. „Der tiefe Sand hat viel Kraft gekostet, und auf den Rasenpassagen bestand höchste Rutschgefahr.“

Sei's drum: Kiene hat seine Cross-Premiere 2020 bestens gemeistert. Über die 7800 Meter startete er eine erfolgreiche Aufholjagd und siegte in 27:38 Minuten. Neun Sekunden nach ihm kam Alexander Fürle (Eintracht Wolfshagen) ins Ziel, der anfangs wie der sichere Sieger ausgesehen hatte und zuvor bereits über die Mittelstrecke (3900 Meter) angetreten war.

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„Gleich nach dem Start hat er ein Höllentempo vorgelegt“, sagte Kiene. „Ich wusste: Da kann ich nicht mithalten.“ Die Strategie, stattdessen das eigene Tempo zu laufen und den Abstand von Runde zu Runde zu verringern, ging auf. Etwa zur Hälfte der Distanz war Kiene dran an Fürle und setzte sich nach dem Überholen entscheidend ab.

Cross ist nicht die Sache des Andreas Solter

Rang drei beim dritten „Laufpass“-Rennen der Saison ging an Tobias Krug (27:58, ebenfalls Hannover 96). Zu den von Kiene Geschlagenen gehörte bei seinem Heimrennen Andreas Solter (Fünfter in 28:29).

Er hatte sich mehr ausgerechnet. „Cross eben“, sagte Solter – was auch so viel heißt, dass er sich auf normaler Laufstrecke besser aufgehoben fühlt. Hinzu kam ein Malheur: Nach drei Runden hatte ein Schnürsenkel seinen Dienst quittiert, das kostete zusätzliche Sekunden. Einen Grund zur Freude gab es dennoch: Mit den Punkten für Rang fünf übernahm Solter die alleinige Führung im SPORTBUZZER-Ranking.

Download 3. Einzelranking Laufpass 2020

Ein ähnliches Bild wie in der Männer-Konkurrenz gab es im Hauptrennen bei den Frauen. Hier lag zunächst Jule Rüter vor Lena Sommer in Führung. Doch dann dominierte Sommer, die sich vor ihrer neuen 96-Vereinskollegin in 31:57 Minuten den Sieg und damit 25 Punkte für das SPORTBUZZER-Ranking holte. Wenigstens am Silbersee lief es für Hannover 96! Rüter (33:08) und Mandy Krause (Rot-Gold Lehrte, 34:06) folgten mit respektablem Abstand.

Und sonst? Auch Fabian Kuklinski trat am Silbersee den Beweis an, ein Harter zu sein. Er startete zweimal – und holte sich zweimal den Sieg. Zunächst gewann der 25-Jährige vom VfL Eintracht Hannover über 2600 Meter in 8:32 Minuten, dann eine gute halbe Stunde später über 3900 Meter in 13:00. Alle Achtung!

Start beim 57. Silberseelauf über 3900 Meter

Das gilt, um ein weiteres Beispiel zu nennen, auch für Fokko Redenius, der mit 71 Jahren noch hehre sportliche Ziele hat: zunächst die Cross-Landesmeisterschaft in Damme am 9. Februar, dann am 7. März die deutsche Cross-Meisterschaft in Sindelfingen. „Ohne das Laufen würde mir was fehlen“, sagte Redenius, der Woche für Woche 60 bis 70 Kilometer in Laufschuhen abspult. Als Bester seiner Altersklasse in 40:46 Minuten zeigte der Mann von Niedersachsen Döhren beim Formtest am Silbersee, dass er noch längst nicht zum alten Eisen zählt.

Nichts von der Zugkraft eingebüßt

Zufrieden war auch Bernd Müller. Der Vereinschef des LAC Langenhagen konnte mit insgesamt 618 Läufern in sechs Wettbewerben den Teilnehmerrekord in Folge vermelden.

Was zugleich heißt: Auch bei der 57. Auflage hat der wohl älteste Cross-Wettbewerb in Deutschland nichts von seiner Zugkraft eingebüßt. Dem konnte auch das miese Wetter nichts anhaben, obwohl dieser und jener Vorangemeldete es vorzog, den Sonntag daheim im Trockenen zu verbringen statt in Langenhagen pitschnass zu werden. „Regen gehört zum Cross doch irgendwie dazu“, sagte Müller. Und da hat er wohl recht.