07. Mai 2021 / 12:35 Uhr

Cryosauna, Magnetfeldtherapie, Akupunktur: So arbeitet RB Leipzig mit verletzten Profis

Cryosauna, Magnetfeldtherapie, Akupunktur: So arbeitet RB Leipzig mit verletzten Profis

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Mannschaftsarzt Dr. Robert Percy Marshall erklärt, wie die Roten Bullen verletzte Spieler behandeln. 
RB Leipzigs Mannschaftsarzt Dr. Robert Percy Marshall erklärt, wie die Roten Bullen verletzte Spieler behandeln.  © Motivio / RB Leipzig
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Was passiert bei RB Leipzig, wenn sich ein Spieler verletzt? Im SportsTech Podcast mit Fee Beyer hat der Mannschaftsarzt des Bundesligisten, Dr. Robert Percy Marshall, über die Vorgehensweise gesprochen und erklärt, was der Club anders macht als die Konkurrenten.

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Leipzig. Am Cottaweg ist in der aktuellen Saison gesundheitstechnisch nur wenig Schlimmes passiert. Außer den Langzeitverletzten Konrad Laimer und Lukas Klostermann, die inzwischen wieder genesen sind, und Dominik Szoboszlai, gab es grundsätzlich nur kleinere Verletzungen. Selten fiel ein Spieler besonders lange ausfallen. Zuletzt traf es Angelino, der nach knapp sechs Wochen wieder spielen konnte.

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Ressourcen der Profis optimal ausnutzen

Einen der Gründe für diese positive Entwicklung sieht Dr. Percy Marshall, Mannschaftsarzt der Roten Bullen, in der Herangehensweise des Club, aber auch einem veränderten Verständnis für Sportmedizin überhaupt. „Hauptaugenmerk der Sportmedizin war es lange, jemanden, der sich verletzt hat, möglichst schnell wieder auf den Platz zu bringen. Prävention spielte dabei eine untergeordnete Rolle“, erklärte er im SportsTech Podcast. Das sei inzwischen anders. „In der Sportmedizin ist mittlerweile die Idee der Salutogenese viel entscheidender. Dabei geht es darum, die Ressourcen des Athleten optimal ausnutzen, damit es zu keiner Verletzung kommt.“ Mit anderen Worten: „Früher war jemand gesund, der vorher krank war. Heute ist jemand in unserem Verständnis gesund, der sich gar nicht erst verletzt."

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Die Akademie verfügt über mehrere Rasen und Kuntsrasenplätze. Zur Galerie
Die Akademie verfügt über mehrere Rasen und Kuntsrasenplätze. ©

Aber was tun, wenn das nun doch passiert? „Wenn sich ein Spieler verletzt, beginnen wir mit der reinen Schulmedizin“, schildert der Mannschaftsarzt den Prozess. „Es geht darum, zu klären, um was für eine Verletzung es sich handelt. Dazu gehören die klinische Untersuchung und anschließend bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder MRT-Untersuchungen." Danach stelle man eine Diagnose und könne eine erste, vorsichtige Prognose herausgeben, so Percy Marshall. Bei diversen Verletzungen greife er für eine zeitliche Abschätzung auf Datenbanken zurück. „Beispielsweise kann man bei einer Sprunggelenksverletzung Daten heranziehen, wie lange normalerweise jemand mit einer solchen Verletzung ausfällt. Das ist zwar nur sehr grob, aber man kann dann die Zeit besser planen.



Dabei habe eine Verletzung grundsätzlich eine Wundheilungsphase. „Wenn eine Struktur wirklich zugrunde gegangen ist, also wenn es irgendwo mal geblutet hat, dauert es normalerweise zehn bis 14 Tage, bis sie sich soweit umgebaut hat, dass sie belastungsfähig ist“, so der Mannschaftsarzt. In diesen Tagen wird ein Spieler viel mit physiotherapeutischen und physikalischen Therapien arbeiten. „Immer wenn es sich um diese Frühphase handelt, in der man noch nicht auf dem Platz und fußballspezifisch arbeiten kann, eignet es sich beispielsweise, auf kooperierende Reha-Einrichtungen zurückzugreifen.“ Eine solche ist beispielsweise das Athlete Performance Center in Thalgau, in dem auch Konrad Laimer nach seiner Arthroskopie am Comeback arbeitete.

Rückkehr ins Team kann Wochen dauern

Sollte während der Reha alles glatt laufen, ist es nach etwa zwei Wochen Zeit, zum Verein zurückzukehren. Die Rückkehr unterteilt Marshall dabei in drei Phasen: „Return to activity“, „Return to sports“ und „Return to competition“. Unter Aktivität verstehe man dabei Laufen, Springen, Joggen. Wenn die Heilung so weit vorangeschritten ist, dass es bereits für den Sport reicht, könne der Kicker mit fußballspezifischen Übungen weitermachen. Die letzte Phase ist die Rückkehr zum Wettkampf. „Bei einer Kreuzbandverletzung kann ein Spieler beispielsweise auch über fünf Wochen in die Mannschaft zurückgebracht werden, bevor er das erste Mal im Kader steht und von uns für den Wettkampf freigegeben wird. Wenn er also bei der Mannschaft ist, heißt es noch lange nicht, dass er die nötige Härte für den Wettkampf hat.“

Was RB Leipzig besonders mache, so Marshall, sei das Niveau der Ausstattung: „Wir haben viele Möglichkeiten, ob das nun die Cryosauna, Magnetfeldtherapie, CO-2-Kältetherapie oder spezifische Elektrotherapien sind oder Sachen wie Akupunktur oder Stammzelltherapie. Aber es ist nicht so, dass wir grundsätzlich andere Optionen haben, als andere Vereine in der Bundesliga. Ich glaube, dass bei uns manchmal die Zusammenführung einzelner Therapien den Unterschied ausmacht. Wir passen auch die Ernährung an, um die Verletzungsmuster und den Heilungsprozess zu unterstützen.“ Wenn sich ein Spieler verletze, springe bei RB ein Heilungs- und Unterstützungsprogramm an. „Alles konzentriert sich komplett darauf, dass diese Person wieder komplett zurück in einen funktionierenden Status gebracht wird."