29. Mai 2021 / 21:16 Uhr

Dämpfer vor Final Four: Recken mit Last-Minute-Remis gegen den TVB Stuttgart

Dämpfer vor Final Four: Recken mit Last-Minute-Remis gegen den TVB Stuttgart

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ärgern sich über das Unentschieden: Nejc Cehte und Filip Kuzmanovski.
Ärgern sich über das Unentschieden: Nejc Cehte und Filip Kuzmanovski. © Florian Petrow
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Kurz vor dem Pokal-Final-Four muss die TSV Hannover-Burgdorf einen bitteren Rückschlag hinnehmen. Gegen den TVB Stuttgart haben die Recken nur 23:23-Unentschieden gespielt. Besonders ärgerlich: Der entscheidende Gegentreffer ist erst in der letzten Sekunde und nach einem äußerst umstrittenen Siebenmeter gefallen.

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Die Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf müssen so kurz vor dem Pokal-Final-Four einen bitteren Rückschlag hinnehmen: Am Samstagabend spielte das Team von Trainer Carlos Ortega gegen den TVB Stuttgart nur 23:23, der mögliche Sieg wurde von den überforderten Schiedsrichtern verhindert.

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Siebenmeter sorgt für Aufregung

Erst brachen sie den letzten Recken-Angriff wegen angeblichen passiven Spiels ab, dann gaben sie mit der Schlusssirene einen Witz-Siebenmeter für Stuttgart, so konnten die Schwaben noch den Ausgleich erzielen. Die Recken waren aufgebracht, konnten es nicht fassen. Auch Sportchef Sven-Sören Christophersen redete wild gestikulierend auf die Referees und das Kampfgericht ein. Hannover fühlte sich zurecht betrogen.

Bilder vom Spiel der Handball-Bundesliga zwischen der TSV Hannover-Burgdorf und dem TVB Stuttgart

Ivan Martinovic wird von Stuttgarts Dominik Weiß zu Boden gerissen. Zur Galerie
Ivan Martinovic wird von Stuttgarts Dominik Weiß zu Boden gerissen. ©

"Nach meinem Verständnis ist das außerhalb des deutschen und internationalen Regelwerks", sagte Christophersen. Sein Team hätte vorne nach dem Passivzeichen der Schiedsrichter noch zwei Pässe freigehabt. Und hinten stand Kuzmanovski bei seinem Abwehrflug nicht im Kreis. "Ein glücklicher und mutiger Pfiff, den nicht alle geben", gab Stuttgarts Trainer Jürgen Schweikhardt mit Blick auf den Siebenmeter zu.

Ortega beschwert sich über Fehlentscheidungen

Auch Recken-Trainer Carlos Ortega beschwerte sich über die Fehlentscheidungen, sah wie Christophersen aber auch die Schwachstellen im eigenen Angriff. "Wir spielen sehr schlecht. In den letzten drei, vier Spielen hatten wir viele Problem, besonders im Angriff", so Ortega.

Am Mittwoch hatten die Recken mit dem hart erarbeiteten 22:20-Auswärtssieg gegen die HSG Nordhorn-Lingen vorgelegt. Beim Heimspiel gegen die Schwaben wollten sie nachlegen, taten sich aber erneut über weite Phasen sehr schwer.

Ganz schwacher Start

Der Start war zum Gruseln. Ob es die Auswirkungen der jüngsten Aufregung in der Trainer-Diskussion von Freitag waren oder sich die Recken einfach noch im Tiefschlaf befanden, lässt sich nur erahnen. Tatsache war ein 1:6-Rückstand nach sechs Minuten. Ortega musste sein Team in einer ersten Auszeit wachrütteln.

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Mit Erfolg, wenn es jedoch ein Weilchen brauchte, bis der Rückstand aufgeholt war. In der zwölften Minute verkürzte Ivan Martinovic per Siebenmeter auf 5:7, nachdem die Gäste viermal hintereinander nicht einnetzen konnte. Der schnelle Anschluss zum 6:7 durch Vincent Büchner wurde unterbunden.

Schiedsrichter-Entscheidung sorgt für Ärger

Um den Gegenstoß und Büchners Wurf ins leere Tor zu verhindern, foulte Stuttgarts Jerome Müller den Recken-Linksaußen. Hannover bekam zwar den Siebenmeter. Die klar fällige Zweiminutenstrafe gegen Müller blieb jedoch aus. Zum massiven Ärger der Recken. Ortega meckerte zurecht – und kassierte dafür die gelbe Karte. Eine lächerliche Entscheidung der Schiedsrichter.

Martinovic erzielte dann per Strafwurf den verzögerten Anschluss zum 6:7. Die Recken, mittlerweile mit Domenico Ebner im Tor für den glücklosen Urban Lesjak, kombinierten gut vorne.

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Hanne mit starkem Durchsetzungsvermögen

Vor allem Martin Hanne setzte sich in dieser Phase immer wieder stark durch oder gab traumhafte Pässe. So wie beim Ausgleich zum 10:10 durch Evgeni Pevnov. Jannes Krone erzielte mit 11:10 endlich die erste Führung der TSV (24.). Bei den schwachen Gästen lief jetzt immer weniger zusammen, Hannover setzte sich bis zur Pause auf 14:11 ab. 

Und das auch erneut ohne den verletzten Alfred Jönsson (Bänderriss im Knöchel) und ohne Fabian Böhm auf der Platte. Der Kapitän durfte zwar rechtzeitig zum Spiel seine K1-Quarantäne beenden. Weil er aber zwei Wochen keinen Ball in der Hand hatte, kam ein Einsatz nicht infrage. Als moralische Unterstützung feuerte er aber sein Team von der Bank an.

Stuttgart startet besser in Halbzeit zwei

Nach dem Wechsel erwischten die Schwaben jedoch erneut den besseren Start und stellten schnell mit dem 15:16 den Anschluss her. Die TSV ließ sich von Stuttgarts Mini-Lauf zunächst nicht beeindrucken und setzte sich wieder auf 19:15 ab.

Jetzt musste Schweikhardt sein Team zur Auszeit zusammenholen (41.). Erneut gelang der Anschluss (18:19). Die Recken verloren zunehmend den Faden. Die Leichtigkeit aus der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs war längst verschwunden.

Spielplan der TSV Hannover-Burgdorf in der Bundesliga-Saison 2020/21

<b>37. Spieltag:</b> HBW Balingen-Weilstetten (A), Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr Zur Galerie
37. Spieltag: HBW Balingen-Weilstetten (A), Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr ©

Ausgleich in der 54. Minute

In der 54. Minute gelang den Gästen der Ausgleich. Wieder waren die Recken Protagonisten eines Handball-Krimis. Und dann mischten sich wieder die Schiedsrichter ein, in dem sie Stuttgart einen umstrittenen Siebenmeter zugestanden. Viggo Kristjansson warf jedoch zum Glück der Recken eine Etage zu hoch.

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Ein Doppelpack von Ilija Brozovic zum 23:21 verschaffte Hannover wieder etwas Luft für die letzten 100 Sekunden. Eine Vorentscheidung war es nicht, weil Stuttgart schnell wieder verkürzte. Auch die nächste Entscheidung der Unparteiischen war falsch. Für ein rüdes Foul an Nejc Cehte sah Max Häfner nur zwei Minuten. So vergingen wenigstens wertvolle Sekunden auf der Uhr.

Turbulente Schlussphase

Dennoch: Hannover kam nicht mehr zum Wurf und die Möglichkeit zum 24:22. Der Angriff wurde abgepfiffen. Im Gegenstoß folgte ein langer Pass der Stuttgarter auf Tim Wieling. Ebner rannte aus seinem Tor, wollte den Pass abfangen, verfehlte aber den Ball. Zu Wieling gab es aber keinen entscheidenden Kontakt und somit auch keine foulwürdige Aktion.

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Fassungslosigkeit bei den Recken

Auch der involvierte Filip Kuzmanovski verhielt sich korrekt. Wielings Wurf landete neben dem Tor. Die Recken jubelten für den Bruchteil einer Sekunde - bis sie entsetzt den Fehl-Pfiff der Schiedsrichter registrierten. Kristjansson verwandelte den gegebenen Strafwurf.

Der Rest war purer Jubel der Stuttgarter und Fassungslosigkeit bei den Recken. Am Ende ist es eine Tatsachenentscheidung, mit der die Recken leben müssen. Natürlich hätten sie den nahen Sieg viel früher eintüten müssen. Das kann man ihnen vorwerfen.

Ganz schnell abhaken

Diesen bitteren Abend und den emotionalen Tiefschlag muss die TSV nun ganz schnell abhaken, um sich dann gezielt auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten: die nachzuholende Pokalendrunde von 2020. Am Donnerstag treffen Hannover in Hamburg im zweiten Halbfinale auf die MT Melsungen. Bis dahin benötigen die Recken definitiv noch eine Steigerung – vor allem im Spielerischen.