26. August 2019 / 11:15 Uhr

Nach Entlassung beim Chemnitzer FC: Daniel Frahn distanziert sich von Rechts

Nach Entlassung beim Chemnitzer FC: Daniel Frahn distanziert sich von Rechts

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Daniel Frahn wendet sich an die Öffentlichkeit.
Daniel Frahn wendet sich an die Öffentlichkeit. © Getty Images
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Der ehemalige Kapitän des Chemnitzer FC, der gerichtlich gegen seinen bisherigen Arbeitgeber vorgeht, hat sein wochenlanges Schweigen gebrochen. Dem SPORTBUZZER liegt Daniel Frahns Erklärung vorab exklusiv vor.

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Leipzig. Daniel Frahn ist derzeit beschäftigungslos. Fußball-Drittligist Chemnitzer FC hatte seinen Kapitän am 5. August wegen vermeintlicher Nähe zu rechtsradikalen Fan-Kreisen fristlos entlassen - ein Fall fürs Chemnitzer Arbeitsgericht. Dort klagt der Kicker gegen seinen bisherigen Arbeitgeber. Stein des Anstoßes war das Gastspiel des CFC beim Halleschen FC Anfang August. Der verletzte Frahn hatte die Partie im Fanblock verfolgt, inmitten führender Köpfe der rechts gesinnten Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ und der aufgelösten Gruppe „NS-Boys“. Nach Medienberichten soll er mit diesen Personen auch die Fahrt nach Halle angetreten haben. Die Himmelblauen regierten prompt, warfen dem Stürmer "massiv vereinsschädigendes Verhalten" vor und trennten sich sofort.

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Bereits am 9. März war der 32-Jährige in einen Eklat mit ähnlichem Hintergrund verwickelt. Im Spiel gegen die VSG Altglienicke präsentierte Frahn nach seinem Treffer ein Shirt mit der Aufschrift "Support Your Local Hools". Außerdem hatte der Verein eine Schweigeminute für einen stadtbekannten Neonazi abgehalten, der kurz zuvor verstorben war. Der Angreifer wurde daraufhin vom NOFV gesperrt, hatte sich aber für das Verhalten entschuldigt.

Der Anlass für die Entlassung: Daniel Frahn sitzt beim CFC-Gastspiel in Halle inmitten von Fans.
Der Anlass für die Entlassung: Daniel Frahn sitzt beim CFC-Gastspiel in Halle inmitten von mutmaßlich rechtsextremen Fans. © Picture Point

Zu den Vorgängen rund um das Spiel beim HFC und seine Entlassung hatte Frahn bis dato geschwiegen. Nach den verbalen Fan-Entgleisungen beim Chemnitzer 2:2 in München hat der Ex-Kapitän jetzt eine Erklärung veröffentlicht, die dem SPORTBUZZER vorab exklusiv vorliegt.

Daniel Frahns Erklärung im Wortlaut:

Aufgrund rechtlicher Schritte habe ich bislang keine Stellungnahme abgegeben, nun ist aber ein Punkt erreicht, an dem weiteres Schweigen ein fatales und vor allem falsches Signal wäre.

Ich wehre mich erneut dagegen als Sympathisant von rechtsradikalen Gruppierungen dargestellt oder mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden.

Einen großen Schreck und Enttäuschung habe ich nach Berichten von Mitspielern bezüglich der Äußerungen aus dem Chemnitzer Fanblock empfunden. Diese unzumutbaren Äußerungen von Teilen des Fan-Anhangs, bei denen Spieler und Verantwortliche beleidigt, rassistisch oder antisemitisch verunglimpft werden, sind vollkommen inakzeptabel - diese Personen gehören aus dem Verein ausgeschlossen.

In gleicher Weise distanziere ich mich und kritisiere ich Inhalt sowie Art und Weise, in welcher ich zuletzt diffamiert, beleidigt und sonst unzutreffend dargestellt wurde.

In meiner Zeit in Chemnitz, Leipzig, Babelsberg war ich immer sehr nah an den Fans - dort hab ich viele engagierte, weltoffene Menschen, Mitspieler und Freunde kennen lernen dürfen, dies darf nicht von einzelnen Gruppierungen kaputt gemacht werden.

Ein absoluter Tiefschlag, den ich mit großer Bestürzung wahrgenommen habe, war der Ausspruch meines Namens im Zusammenhang mit einer rassistischen Beleidigung, die ich hier nicht wiederholen möchte. An dieser Stelle distanziere ich mich ganz klar von solchen Äußerungen und werde mir strafrechtliche Schritte vorbehalten, sollte weiterhin mein Name in Zusammenhang mit rechtsradikalen Beleidigungen verwendet werden.

Ich habe in meiner Laufbahn mit vielen Menschen zusammengearbeitet, dabei hat die Kultur oder Herkunft nie eine Rolle gespielt, sondern stets der Charakter.

Ich bitte alle Fans vom Chemnitzer FC in dieser schweren Zeit besonnen zu agieren und vor allem auf jede Diskriminierung und Beleidigung zu verzichten. Bitte bedenkt, dass hinter jedem Spieler und Mitarbeiter des Chemnitzer FC, in erster Linie ein Mensch sowie dessen Familie und Angehörige stehen!

Keiner der Spieler des CFC trägt Schuld an der jetzigen Situation des Vereins, alle reißen sich den Arsch für sportlichen Erfolg auf, sie sollten nicht zur Zielscheibe werden.

Politische Diskriminierungen schaden sowohl massiv dem Verein als auch dem Ansehen der Stadt Chemnitz, unterlasst diesen Schwachsinn. Rassismus, Antisemitismus und jede andere Form von Ausgrenzung verurteile ich auf's Äußerste!

Daniel Frahn