14. Februar 2020 / 18:05 Uhr

Daniel Frahn stellt sich Fans des SV Babelsberg 03: "Wichtiger Schritt in die Normalität"

Daniel Frahn stellt sich Fans des SV Babelsberg 03: "Wichtiger Schritt in die Normalität"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Daniel Frahn (I.) wird von Christoph Menz verfolgt.
Trägt nach fast zehn Jahren Abstinenz wieder das Trikot des Regionalligisten SV Babelsberg 03: Angreifer Daniel Frahn (l.). © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Der 32 Jahre alte Angreifer Daniel Frahn stellte sich am Donnerstagabend Mitgliedern und Fans des SV Babelsberg 03, schilderte in einem Statement seine Sicht der Dinge auf die Geschehnisse der vergangenen Monate und stand anschließend für Fragen zur Verfügung.

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Das Interesse war groß, der VIP-Raum im Karl-Liebknecht-Stadion am Donnerstagabend gut gefüllt. Zu einem internen Dialog mit Fans und Mitgliedern lud Daniel Frahn, der am letzten Tag der Transferperiode am 31. Januar mit vielen Nebengeräuschen zu Fußball-Regionalligist Babelsberg 03 zurückkehrte, ein. 150 bis 200 Menschen sollen es gewesen sein, die der Einladung des 32-Jährigen folgten.

Nachdem Babelsbergs Vereinsvorsitzender Archibald Horlitz und Stadionsprecher Thomas Hinze, der als Moderator der Veranstaltung agierte, die Anwesenden begrüßten, verlas Frahn ein Statement, in dem er seine Sicht der Dinge auf die Geschehnisse der vergangenen Monate schilderte, sich erneut zu den Werten des SVB bekannte und Fehler einräumte. „Er gab Anfangs zu verstehen, dass er aufgeregt sei. Dies hat man während der Fragerunde nicht gemerkt“, gibt der Fanbeirat des SV Babelsberg seine Eindrücke auf SPORTBUZZER-Nachfrage wieder.

„Vielmehr gab er ein souveränes Bild ab und auch auf sich wiederholende Nachfragen reagierte er äußerst gelassen. Er ging schon anfangs sehr in die Offensive mit seinem Statement und auch einem Blick in die Zukunft, wie er sich auch seine notwendige Entwicklung, auch als politische Person in Babelsberg, vorstellt“, erläutert der Fanbeirat, ohne auf Einzelheiten dieser Versprechen an die Fans, von denen nur wenige direkt Fragen an Frahn gestellt hätten, einzugehen. Laut SPORTBUZZER-Informationen soll der gebürtige Potsdamer aber unter anderem in Aussicht gestellt haben, Teile seiner Siegprämie bis Saisonende für von der Fanszene vorgeschlagene Projekte zur Verfügung zu stellen.

Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern.

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Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern ©

Im März 2019 hob Frahn während einer Partie des Chemnitzer FC beim Torjubel ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local hools“ (Unterstütze deine lokalen Hooligans) hoch. Das Shirt sei ihm von Leuten aus der Chemnitzer Fanszene verkauft worden, die aktiv auf ihn zugekommen seien. Mit dem Verkauf des Shirts wurde allerdings der an Krebs erkrankte Neonazi Thomas Haller finanziell unterstützt. Am 3. August folgte der nächste Eklat. Der verletzte Frahn zeigte sich beim Auswärtsspiel in Halle im Fanblock mit regionalen Neonazi-Größen. Chemnitz kündigte zwei Tage später den Vertrag des Kapitäns wegen der „offenkundig zur Schau gestellte Sympathie zu führenden Köpfen der rechts gesinnten Gruppierung ‚Kaotic Chemnitz’ und der aufgelösten Gruppe ‚NS-Boys’“, er habe sich dadurch „massiv vereinsschädigend“ verhalten.

Frahn erklärte laut Fanbeirat, dass bei der Chemnitzer Aufstiegsfeier ein ihm nicht bekanntes Mitglied von ,Kaotic Chemnitz’ in die CFC-Kabine kam und dort mit der Mannschaft sprach. Später habe er mit ihm online Fifa auf der Playstation gespielt und das Angebot erhalten, mit ihm zum Auswärtsspiel nach Halle zu fahren. Nach dem Spiel kam es am Zaun des Gästeblocks zu klärenden Gesprächen zwischen Fanszene und Spieler, wo das Foto entstand, das dem damaligen CFC-Kapitän Frahn später zum Verhängnis wurde. Das Chemnitzer Arbeitsgericht erklärte die folgende Kündigung Mitte Dezember für unwirksam, am 29. Januar einigten sich beide Parteien auf eine Vertragsauflösung.

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Zwei Tage später unterschrieb Frahn bis Saisonende am Babelsberger Park und löste damit vor allem im Internet einen großen Aufschrei aus. Viele konnten nicht nachvollziehen, wie der SVB, der sehr offensiv für Anti-Faschismus und Anti-Rassismus eintritt, Frahn mit seiner Vorgeschichte zurückholen konnte. Bei seinem ersten Auftritt im „Karli“ gegen Chemie Leipzig wurde Frahn von den Heimzuschauern hingegen überwiegend positiv begrüßt. Die Fanszene war in zwei Lager gespalten. „Diese Spaltung und die Unruhe, die da war, sehe ich in weiten Teilen eingefangen“, sagte Präsident Horlitz am Freitag.

In die gleiche Kerbe schlägt der Fanbeirat, der den Eindruck hatte, „dass sich die meisten Erklärungen für das Publikum als schlüssig erwiesen.“ Die Ausführungen Frahns wurden seiner Ansicht nach glaubhaft herübergebracht. Die Schritte seiner eigenen Aufarbeitung der Ereignisse würden davon zeugen, dass er sich, wenn auch zu spät, mit seinem Handeln kritisch auseinandergesetzt habe. „Wir fordern einen fairen Umgang mit der Personalie und werden sowohl die weiteren Vorgänge im Verein und natürlich auch Frahn selbst kritisch begleiten“, bilanziert der Fanbeirat nach der Diskussion, bei der die Stimmung „angespannt und sehr interessiert“ gewesen sein soll.

Archibald Horlitz: "Der größte Dampf aus der Sache ist raus"

Als „wichtigen Schritt in die Normalität“ bezeichnet Horlitz den gut zwei Stunden dauernden Austausch zwischen Fans, dem zurückgekehrten Fußballer und ihm. „Die Hauptkritik zielte dabei nicht auf Frahn, sondern auf den Vorstand ab.“ Noch immer können viele Mitglieder und Sympathisanten des Vereins nicht verstehen, dass die Rückkehr Frahns, der bereits von 2007 bis 2010 das Nulldrei-Trikot trug, erst nach der Vertragsunterzeichnung kommuniziert wurde, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt seit drei Wochen mit der Mannschaft um Trainer Predrag Uzelac trainiert hatte.

So hätte sich der Verein, nach der Meinung vieler Fans, weniger mit der Frage einer generellen Verpflichtung des zweit- und drittligaerfahrenen Angreifers beschäftigen sollen, sondern vielmehr damit, wie man diese den Vereinsmitgliedern transparent erläutert. Der Club verweist mit Bezug auf diese Problematik auf das enge Zeitfenster zwischen Vertragsauflösung in Chemnitz und der Schließung des Transferfensters. Insgesamt fiel das Fazit des Treffens am Donnerstag positiv aus. „Der größte Dampf aus der Sache ist raus“, findet Horlitz, während sein Vorstandskollege Thoralf Höntze sagt: „Aus meiner Sicht wurden Standpunkte und Informationen ausgetauscht, die die jeweiligen Sichtweisen ge- und entschärft haben.“