04. Mai 2020 / 22:05 Uhr

Daniel Fraufarth und Marcel Weckwerth sagen auf Wiedersehen zum MSV Neuruppin

Daniel Fraufarth und Marcel Weckwerth sagen auf Wiedersehen zum MSV Neuruppin

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Am Ende hat aber Neuruppin-Schlussmann Daniel Fraufarth den Ball sicher.
Kickt seit seinem achten Lebensjahr beim MSV Neuruppin: Torhüter Daniel Fraufarth. © Marius Böttcher
Anzeige

Brandenburgliga: Viel Lob von Trainer Henry Bloch für Daniel Fraufarth und Marcel Weckwerth zum Abschied vom Märkischen Sportverein.

Anzeige

„Mit Marcel ,Butcher’ Weckwerth und Daniel ,Fraufi’ Fraufarth haben zwei absolute Identifikationsfiguren im Verein und echte Aushängeschilder unserer ersten Männermannschaft das Ende ihrer aktiven Fußballer-Laufbahn verkündet. Sie hängen nach Ablauf der aktuell unterbrochenen Brandenburgliga-Spielzeit ihre Fußballschuhe bzw. -handschuhe an den berühmten Nagel“, schreibt der MSVNeuruppin auf seiner Facebook-Seite.

Anzeige

„Das ist ihre eigene Entscheidung“, sagt Henry Bloch, Trainer der Brandenburgliga-Mannschaft, in der beide erfolgreich Fußball gespielt haben. Der eine, Marcel Weckwerth, in der Offensive, der andere, Daniel Fraufarth, hütete das Tor. „Marcel hatte nach dem Tod seines Vaters den Kopf nicht mehr frei und dann bedingt das eine das andere.“ Dass Marcel Weckwerth zur Selbsterkenntnis gekommen sei, dass er sein Engagement für den Fußball erst einmal beendet, „zeigt was von Größe“, so Henry Bloch.

In Bildern: Der MSV Neuruppin fügt dem Ludwigsfelder FC die erste Saisonpleite in der Brandenburgliga zu.

Der MSV Neuruppin fügt dem Ludwigsfelder FC die erste Saisonpleite in der Brandenburgliga zu. Zur Galerie
Der MSV Neuruppin fügt dem Ludwigsfelder FC die erste Saisonpleite in der Brandenburgliga zu. © Marius Böttcher

Henry Bloch lobt Fraufarth und Weckwerth

„Es ist schwer, als aktiver Spieler diesen Schritt zu tun, das habe ich ja schon selbst erlebt und weiß wie es in einem Spieler dann aussieht“, so Bloch. Man wisse dann nicht, wie die Reise weitergeht. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn gern im Verein weiter sehen würde, in welcher Position auch immer. Ich hoffe, dass er uns bleibt.“ Weckwerth habe immer für gute Stimmung gesorgt und gleichzeitig Leistung gebracht. „Sowas in der Form gibt es nicht so oft.“

Auch Daniel Fraufarth sei so ein „Gute-Laune-Bär“, der auch im Training immer Stimmung gemacht hat und andere motiviert. „Er hat jahrelang Brandenburgliga gespielt und viel Erfahrung“, sagt Henry Bloch. „Deshalb würde ich ihn gern zum Torwarttrainer entwickeln.“ Was Bloch seiner ehemaligen Nummer eins hoch anrechnet ist, dass Fraufarth, nachdem Keeper Sabri Vaizov unter Vertrag genommen wurde, sich nicht als Neider gezeigt habe. „Es gibt solche Menschen, klar, aber Daniel ist nicht so einer, das wäre auch töricht.“

Mehr zur Brandenburgliga

Spieler, die wie Marcel Weckwerth und Daniel Fraufarth solche menschlichen Potenziale aufweisen, seien unbedingt wichtig für ein Mannschaftsgefüge, das sich drei- bis viermal pro Woche sieht. „Wenn dann alle missmutig daherkommen“, so Bloch, „wäre das blöd.“ Wieso geht Daniel Fraufarth denn nach eigenen Angaben und verlässt den Verein? Warum will der Torwart, der seit seinem 8. Lebensjahr beim MSV Neuruppin zwischen den Pfosten steht, nun die Handschuhe ausziehen? „Von Wollen kann keine Rede sein“, sagt der 33-Jährige, „das hat sich so ergeben.“

Dass der Trainer nicht mehr mit ihm für die nächste Saison plant, sei ein Grund. „Wahrscheinlich kann ich mir irgendwann vorstellen, eine Funktion beim MSV zu übernehmen, vielleicht sogar als Torwarttrainer, aber zur Zeit noch nicht. Ich bin mehr so der Kumpeltyp und zur Zeit noch viel zu nah dran an der Mannschaft.“ Um als Trainer zu arbeiten, sollte man eine gewisse Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Das könnte er, so Daniel Fraufarth, jetzt noch nicht.

Abschiedsspiel im Volksparkstadion ist geplant

Geplant ist für beide scheidenden Spieler zumindest ein Abschiedsspiel. „Das wäre schön, wenn sich Spieler aus alten Zeiten noch einmal treffen“, so Fraufarth. Dass er oder die Mannschaft in der wegen der Coronakrise unterbrochenen Saison noch einmal in der Brandenburgliga spielen, glaubt der Keeper nicht. Auch Henry Bloch rechnet nicht damit, „obwohl es zu schön wäre. Ich akzeptiere natürlich jede Entscheidung, und mir wäre es auch lieber, wenn ich die Jungs noch einmal spielen sehe. Und Marcel und Daniel aus einem Pflichtspiel heraus zu verabschieden, wäre auch besser.“ Aber selbst wenn entschieden würde, dass die Saison zu Ende gebracht wird, „mal ehrlich, wenn das jetzt gesagt wird, wie sollen wir innerhalb von 14 Tagen wieder so hoch fahren. Das funktioniert nicht, schon weil alle mental bereits abgeschaltet haben.“

So wird jetzt im Hause MSV Neuruppin bereits für die kommende Saison geplant. „Wir sind natürlich bemüht, dass wir die junge Mannschaft behalten und die Ausfälle möglichst gering halten. Mit zwölf Mann gehe ich nicht in die Saison“, so Henry Bloch. Für den scheidenden Torwart Fraufarth wird wohl A-Junior Hannes Pöhl die Nummer zwei hinter Vaizov werden. „Spieler aus der eigenen Jugend zu entwickeln, das zeichnet den MSV aus“, so Bloch, der selbst auch die D-Junioren des Vereins in der Landesliga betreut.

„In diesem Jahr haben wir noch nicht so viele Talente zur Verfügung, aber der Jahrgang 2003 wird einige hervorbringen“, prophezeit Bloch. „Wir werden vielleicht erstmalig fünf bis sechs Spieler von den A-Junioren in der Saison 2021/22 in die erste Mannschaft integrieren können.“ Mit dieser Prognose geht auch Stefan Prüfer mit, Abteilungsleiter Fußball beim MSV Neuruppin. „Wir haben ja jetzt schon eine junge Mannschaft“, so Prüfer. 16 von 22 Spielern bleiben der Mannschaft erhalten. „Es wird Änderungen geben, aber es ist noch nichts definitiv. Wir wollen im Mai alles in Sack und Tüten haben.“