06. Juli 2020 / 18:46 Uhr

Bessermacher, Hecking-Schützling, Motivator: Das ist der neue HSV-Trainer Daniel Thioune

Bessermacher, Hecking-Schützling, Motivator: Das ist der neue HSV-Trainer Daniel Thioune

Robin Schwitzer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hamburgs neuer Cheftrainer Daniel Thioune will den HSV wieder heller strahlen lassen.
Hamburgs neuer Cheftrainer Daniel Thioune will den HSV "wieder heller strahlen lassen". © imago/Revierfoto
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Mit Daniel Thioune setzt der Hamburger SV auf einen selbstbewussten Trainer, der bei den Hanseaten offenbar perfekt ins Profil passt. Nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga steht der HSV vor einem Umbruch - der Klub will zukünftig auf junge Spieler setzen. Rahmenbedingungen, die Thioune schon aus Osnabrück kennt.

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Der Nächste, bitte! Der Hamburger SV setzt nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga auf Daniel Thioune. Der 45-Jährige kommt vom VfL Osnabrück und folgt auf Dieter Hecking. Beide Trainer kennen sich gut. Unter Hecking war Thioune von 2002 bis 2004 Spieler beim VfB Lübeck. Unlängst lobte Hecking seinen früheren Schützling: "Er macht einen sehr, sehr guten Job in Osnabrück. Er ist ein Trainer, der auf sich aufmerksam macht.“ Hecking sollte Recht behalten, nun ist Thioune sein Nachfolger.

Der Coach, der unter anderem mit Top-Trainer Julian Nagelsmann von RB Leipzig den Lehrgang zum Fußballlehrer im März 2016 erfolgreich abschloss, schaffte in der abgelaufenen Saison mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten den Klassenerhalt mit dem VfL - das Saisonziel war dabei nie wirklich in Gefahr. Er gilt als innovativer Coach, der vor allem junge Spieler besser machen kann. Das zeigte auch seine Arbeit in Osnabrück.

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HSV im Umbruch - Thioune passt zur neuen Ausrichtung

Thioune passt ins neue HSV-Profil. Die Hamburger, die vor einem großen Umbruch stehen, werden in der kommenden Spielzeit wohl vornehmlich auf junges Personal setzen. Die wirtschaftliche Situation beim ehemaligen Bundesliga-Dino ist nicht einfach. "Es gibt kein Geld für viele neue Spieler, Leistungsträger sind weg, einige andere müssen womöglich verkauft werden", sagte Ex-Trainer Hecking der Hamburger Morgenpost. Umstände, die Thioune aus Osnabrück kennt. Die Dienste des neuen Coaches lässt sich der Klub nach Informationen der Bild 300.000 Euro Ablöse kosten - Thioune hattte noch einen Vertrag bis 2021 bei den Niedersachsen. "Er passt zu unserer etwas veränderten Ausrichtung“, sagte auch Sportvorstand Jonas Boldt.

Mit Thioune kommt nicht nur ein junger, sondern auch hungriger und selbstbewusster Trainer zum HSV. "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, als Trainer nach dem Maximum zu streben. Auch wenn ich mich in Osnabrück und beim VfL sehr wohl gefühlt und mir die Entscheidung, den Verein zu verlassen, nicht leicht gemacht habe, möchte ich nun die Herausforderung beim Hamburger SV annehmen und freue mich darauf", wird der Trainer in einer Pressemitteilung des VfL zitiert.

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Den Traum von der Bundesliga konnte sich Thioune (noch) nicht erfüllen

In Osnabrück galt Thioune als starker Motivator, nach Rückschlagen kam sein Team immer wieder zurück. Kurz gesagt: Unter ihm ist der Funken auf die Mannschaft übergesprungen. In Osnabrück entwickelte Thioune im Team einen Glauben an die eigenen Fähigkeiten - und teilweise auch darüber hinaus. Etwas, das dem HSV in der vergangenen Saison abhanden gekommen war. Gleich fünfmal verspielten die Hamburger in der Nachspielzeit im Saisonendspurt wichtige Zähler für den Aufstieg.

Der ehemalige Stürmer, der für Osnabrück, Lübeck und Ahlen auf Torejagd ging, kennt die 2. Liga auch als Spieler. Für die Osnabrücker machte er 126 Zweitligaspiele. Seinen Traum von der Bundesliga konnte sich der Deutsch-Senegalese als aktiver Profi nicht erfüllen."Als Spieler wollte ich in die Bundesliga, habe es aber nicht geschafft. Als Trainer habe ich dieses Fernziel auch", sagt der ehrgeizige Thioune, der stets klar in seinen Entscheidungen wirkt.

"Ich will nachher lieber den Kopf für etwas hinhalten, das ich wirklich getan habe, als für etwas, das ich nicht getan habe", sagt Thioune 2019 der Deutschen Welle. Den Kopf hinhalten mussten im Haifischbecken Hamburger SV schon unzählige seiner Vorgänger. Der 45-Jährige ist immerhin bereits der 26. Trainer seit der Jahrtausendwende. Um die aktuell brisante Lage seines neuen Arbeitgebers ist er sich bewusst: "Ich will dabei helfen, dass der HSV wieder heller strahlt", erklärte Thioune auf seiner Einstands-Pressekonferenz.

Die HSV-Trainer seit 1997:

Frank Pagelsdorf: 1. Juli 1997 bis 17. September 2001 - 62 Siege, 53 Unentschieden, 57 Niederlagen. Zur Galerie
Frank Pagelsdorf: 1. Juli 1997 bis 17. September 2001 - 62 Siege, 53 Unentschieden, 57 Niederlagen. ©

Seine erste Station als Übungsleiter hatte Thioune bei Rot Weiss Ahlen - dort wurde er 2010 Co-Trainer. Es folgte der Wechsel in die Nachwuchsabteilung des VfL Osnabrück. Über die U17 und U19 arbeitete er sich 2017 zur ersten Mannschaft hoch. In seiner ersten Spielzeit rettete er den Klub vor dem Abstieg in die Regionalliga - nur ein Jahr später führte er die Niedersachsen als Meister erstmals seit 2011 wieder zurück in die 2. Liga.

An den HSV hat Thioune gute Erinnerungen - zumindest als Trainer von Osnabrück. In der vergangenen Spielzeit holte er mit dem VfL vier von sechs Punkten gegen den vermeintlichen Favoriten und hatte damit Anteil am verpassten Aufstieg seines neuen Arbeitgebers. Nun hat Thioune selbst die Möglichkeit, den Klub zurück in die Bundesliga zu führen.