27. März 2020 / 07:53 Uhr

Dank Ausnahmegenehmigung: Leipzigs Olympiakader dürfen wieder loslegen

Dank Ausnahmegenehmigung: Leipzigs Olympiakader dürfen wieder loslegen

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Gehört zu den Glücklichen, die nun auch im Wasser wieder ran dürfen: Para-Triathlet Martin Schulz.
Gehört zu den Glücklichen, die nun auch im Wasser wieder ran dürfen: Para-Triathlet Martin Schulz. © Christian Modla
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Die Zwangspause ist, zumindest bezogen auf das Training, vorbei. 27 Athleten des Olympiastützpunktes Leipzig sowie einige Einzelsportler des SC DHfK dürfen ihre "Arbeit" wieder aufnehmen. Der Freistaat Sachsen erteilte entsprechende Ausnahmegenehmigungen für eine kleine Anzahl ausgewählter Sportstätten.

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Leipzig. Seit einer Woche stand fest, dass der Freistaat Sachsen seinen Olympiakadern sowie ausgewählten Bundesligisten trotz der offiziellen Schließung aller Sportstätten eine Sondergenehmigung für die Fortsetzung des Trainingsbetriebes erteilen würde. Für etwas Unmut im olympischen Sport hatte die Tatsache gesorgt, dass die RB-Fußballer bereits am vergangenen Freitag wieder in der Akademie trainierten, während bei allen anderen Sportarten die Mühlen der Bürokratie langsamer mahlten.

Schwimmtraining beginnt unmittelbar

Der Olympiastützpunkt für die Tokio-Kandidaten und der SC DHfK für die Handballer, Finswimmer und Judoka Marie Branser reichten getrennte Anträge ein, die zunächst vom Gesundheitsamt der Stadt befürwortet werden mussten. Anschließend gingen die Anträge in Dresden durch zwei Instanzen: das für Sport zuständige Innen- und das in der Corona-Krise verantwortliche Sozialministerium.

DURCHKLICKEN: So reagieren Leipzigs Top-Athleten und Verantwortliche

Philipp Weber (Handballer des SC DHfK Leipzig und Nationalspieler): Ich bin der festen Meinung , dass dies die richtige Entscheidung ist. Momentan gibt es wichtigere Sachen, als an Sport zu denken. Wir müssen schauen , dass möglichst alle Menschen gut und vor allen gesund  durch die Krise kommen. Natürlich ist es schade , jetzt im Sommer nicht zu den Spielen zu fahren, aber die werden ja ,NUR' verschoben. Zur Galerie
Philipp Weber (Handballer des SC DHfK Leipzig und Nationalspieler): "Ich bin der festen Meinung , dass dies die richtige Entscheidung ist. Momentan gibt es wichtigere Sachen, als an Sport zu denken. Wir müssen schauen , dass möglichst alle Menschen gut und vor allen gesund durch die Krise kommen. Natürlich ist es schade , jetzt im Sommer nicht zu den Spielen zu fahren, aber die werden ja ,NUR' verschoben." ©
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Weniger problematisch war bislang schon das Training im Freien - wie für Kanuten, Läufer und Radsportler. "Uns war wichtig, dass alle Kader wieder in die Krafträume dürfen - bei Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen. Und die Schwimmer sollen ihr Wassergefühl nicht verlieren", meinte Stefan Sadlau, Standortchef am hiesigen Olympiastützpunkt. Schwimmcoach Frank Embacher bestätigt: "Die vielen Trockenschwimm-Übungen, die derzeit durchs Netz geistern, sehen zwar lustig aus. Aber auf Dauer bringen die nichts."

Daher will er schon am Freitag in der Mainzer Straße wieder mit dem Ausdauertraining im Wasser beginnen: "Wir werden das so steuern, dass jeder Athlet einzeln auf der Bahn unterwegs ist. Schwimmer, Triathleten und Flossenschwimmer kommen versetzt, sodass sie sich nicht in der Umkleide begegnen." Dass bislang nur drei Leipziger Schwimmer von der zehnköpfigen Trainingsgruppe eine Sondergenehmigung erhalten haben, schmeckt Embacher nicht. Vor allem kämpft er nun um Rückenspezialist Marek Ulrich, der in dieser Saison mit Blickrichtung Tokio sein Comeback gibt und nach seiner Pause noch gar keine Chance hatte, in den Bundeskader zurückzukehren.

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Zwischendurch: Treppentraining am "Völki"

Paralympicssieger Martin Schulz vom SC DHfK will auch endlich in den Pool zurückkehren - selbst mit Neopren sind die Seen noch viel zu kalt. "Ich hoffe ja, dass es im Sommer wieder Wettkämpfe geben wird. Im August will ich meinen EM-Titel erneut verteidigen", so der am Arm gehandicapte Triathlet.

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Keep calm and train alone! #abstandhalten #trainalone

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Leichtathletik-Bundestrainer Ronald Stein zeigte sich erleichtert: "Endlich dürfen wir wieder normal trainieren. Die Genehmigung zog sich eine gefühlte Ewigkeit hin. Noch am Mittwoch wurden wir von der Nordanlage weggescheucht. Am Donnerstag haben wir Treppentraining am Völkerschlachtdenkmal angesetzt. Wir waren schon auf der Suche nach einer geeigneten Wiese für Sprints - das hat sich jetzt zum Glück erübrigt."

Für Handballer nur Individualtraining gestattet

Der Stützpunkleiter Kanuslalom Frithjof Bergner erklärte: "Wir haben unseren Antrag zurückgezogen. Unsere Sportler pausieren aufgrund der Olympia-Verschiebung bis zum 20. April. Danach beginnen wir mit einem völligen Neuaufbau." Auch die Rennkanuten regenerieren und legen zunächst bis nach Ostern eine Pause ein. Sie sind aber froh über die Genehmigung. Bundestrainer Kay Vesely: "Dann brauchen wir im April keine Anträge stellen, sondern können mit unseren drei Top-Athleten neu loslegen." Die Ringer und Judoka müssen aufgrund des besonderen Ansteckungsrisikos bei Zweikampfsportarten noch auf ihre Rückkehr auf die Matte warten.

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Die DHfK-Handballer erhielten aber keine Genehmigung zum Mannschaftstraining, sondern für individuelle Übungen im Fitnessbereich des Vereins. DHfK-Generalsekretär Alexander Schlenzig ist froh, dass auch die Flossenschwimmer wieder trainieren dürfen: "Bei ihnen geht es im Sommer um die Qualifikation zu den World Games 2021. Und die WM im Juli in Russland ist auch nicht abgesagt." DHfK-Sportdirektor Steffen Matthes gibt zu bedenken, dass ein Fünf-Kilometer-Radius ums eigene Haus für einen Weltklasseradsportler wie Felix Groß viel zu wenig ist. Auch hier strebt der Verein eine weitere Ausnahmeregelung an.

Die vom Freistaat erteilte Genehmigung gilt für 27 ausgewählte Bundeskader des Olympiastützpunktes und einige Sportler des SC DHfK in folgenden Trainingsstätten: Kanu-Bootshaus Klingerweg, Ruder-Bootshaus Burghausen, Fitnessstudio des SC DHfK, Sportanlagen am Sportgymnasium Leipzig, Wassersportzentrum der Uni (Schwimmen und Wasserspringen inklusive Triathlon und Finswimming) sowie Nordanlage im Sportforum. Ebenfalls vom Freistaat genehmigt ist das Schieß-Training am Stützpunkt des SSC Neiden in Nordsachsen.

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