04. Dezember 2019 / 11:21 Uhr

„Danke für nichts!“ RB Leipzigs Fanverband ohne Verständnis für Pyro-Einsatz

„Danke für nichts!“ RB Leipzigs Fanverband ohne Verständnis für Pyro-Einsatz

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Einige RB-Fans zündeten in Paderborn Bengalos.
Einige RB-Fans zündeten in Paderborn Bengalos. © Getty Images
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RB Leipzig kommt nicht zur Ruhe: Nach Oliver Mintzlaff hat sich nun der Fanverband in der Debatte um den Einsatz von Pyrotechnik beim Spiel in Paderborn zur Wort gemeldet. Vor den Karren des RB-Bosses wollen sich die Vertreter aber nicht spannen lassen.

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Leipzig. Der Einsatz von Pyro-Technik beim Spiel RB Leipzig gegen den SC Paderborn erhitzt weiter die Gemüter. Nachdem Bullen-Boss Oliver Mintzlaff die Aktion bereits scharf kritisiert hatte, meldet sich nun der Fanverband Leipzig zu Wort.

Auf seiner Homepage wurde am Mittwochvormittag ein Statement veröffentlicht, in dem die Verfasser zunächst jene Fans kritisieren, die sich Anfang der zweiten Halbzeit zunächst vermummt und dann mehrere Bengalische Feuer gezündet hatten. „Das was in Paderborn passiert ist, lässt uns sprachlos zurück. Alles, was unsere Fanszene bis dahin auszumachen schien, wurde mit Füßen getreten oder ging, wie man so schön sagt, in Rauch auf“, lauten die Zeilen des knapp einseitigen Schreibens.

Zeitpunkt äußerst unglücklich

Besonders sauer stößt den Verfassern offensichtlich der Zeitpunkt der Aktion auf. Zur Erinnerung: Vor dem Heimspiel gegen Köln hatte der Fanverband eine Aussprache organisiert, bei der Vertreter verschiedener Fanclubs und der aktiven Szene versuchten, kurveninterne Missverständnisse der Vergangenheit und einen gemeinsamen Weg für die Zukunft vorzubereiten. Anlass hatte das Auswärtsspiel gegen Hertha BSC gegeben, in dessen Rahmen es unter anderem wegen unterschiedlicher Auffassungen zum Umgang mit der Mannschaft und dem Einsatz großer Fahnen im Gästeblock zu Auseinandersetzungen gekommen war. Fans kritisierten in den sozialen Medien zudem das teilweise „aggressive“ Auftreten der Capos.

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Eigentlich schienen die Wogen nach der „Kurvensitzung“ dann weitgehend geglättet, doch nur eine Woche später sitzt der spaltende Keil in der ohnehin äußerst heterogenen Anhängerschaft wohl tiefer denn je. „Monatelange Dialoge und Versuche, sich aufeinander zuzubewegen, unterschiedlichste Gruppen an einen Tisch zu holen und zusammen zu bringen, wurden für ein bisschen Party und Selbstdarstellung Einzelner mit einer geplanten Aktion zu Nichte gemacht“, schreibt der Fanverband in seinem Statement weiter.

Klare Position gegen Pyro-Technik

Die Vertretet positionieren sich in der seit jeher kontrovers diskutierten Thematik mit aller Deutlichkeit: „Oft wird argumentiert 'Pyrotechnik ist kein Verbrechen', wenn jedoch mehrere Personen im Nachgang unter Atemnot leiden, so reden wir von Körperverletzung und damit von einer Straftat.“ Des weiteren heißt es: „Dass Leuten, die zu derartigen Mitteln greifen, um eine wie auch immer geartete Aufmerksamkeit zu erregen, nicht klar ist, dass die kreative und bunte Gestaltung der Fankurve, des Supports, dass schlichtweg unsere Choreos in Gefahr sind, weil Menschen aus unterschiedlichen Fangruppierungen ihre finanzielle als auch personelle Unterstützung einstellen werden, da sie annehmen müssen, dass die Spendengelder nicht ausschließlich im Sinne der friedlichen Fankultur verwendet werden, lässt uns nur noch mit dem Kopf schütteln und am Sinn unserer langjährigen Arbeit zweifeln.“

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Charaktertest bestanden: RB Leipzig hat die Auswärtspartie beim SC Paderborn mit 3:2 gewonnen . Zur Galerie
Charaktertest bestanden: RB Leipzig hat die Auswärtspartie beim SC Paderborn mit 3:2 gewonnen . ©

Im gleichen Atemzug kündigte der Fanverband an, sich nicht vor den Karren Mintzlaffs spannen zu lassen: „In solchen Fällen ist Ermittlungsarbeit Sache von Verein und Polizei. Wir leben die Werte und Normen der friedlichen Fankultur, sehen uns jedoch definitiv nicht als Erfüllungsgehilfen des Vereins.“ Der RB-Boss hatte einen Tag nach den Vorkommnissen unter anderem über die Social-Media-Kanäle des Vereins ein Statement verbreiten lassen, in dem er die Null-Toleranz-Politik gegenüber Pyrotechnik bekräftigte, ankündigte, gegen die Paderborn-Verursacher vorzugehen und Fanprojekt sowie den Fanverband in die Pflicht nahm. Mintzlaff wollte dabei die erbetene Unterstützung jedoch nicht missverstanden wissen. Es gehe nicht darum, den Fanverband und das Fanprojekt bei der Identifikation der beteiligten Fans einzuspannen, sondern auch künftig klar gegen den Einsatz von Pyrotechnik Stellung zu beziehen.