13. Januar 2020 / 12:22 Uhr

"Dann gibt es Freibier für alle": Die drei RSE-Macher im großen Interview

"Dann gibt es Freibier für alle": Die drei RSE-Macher im großen Interview

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Dieses Trio steht für Erfolg: Jürgen Stern,, Kurt Becker und Philipp Gasde (von links nach rechts).
Dieses Trio steht für Erfolg: Jürgen Stern,, Kurt Becker und Philipp Gasde (von links nach rechts). © Debbie Jayne Kinsey
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Gelingt dem SV Ramlingen/Ehlershausen in dieser Spielzeit der Sprung in die Oberliga? Die drei RSE-Macher Jürgen Stern, Kurt Becker und Philipp Gasde sprechen im großen SPORTBUZZER-Interview unter anderem über die Folgen eines möglichen Aufstiegs und das gemeinsame Verhältnis.

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Der SV Ramlingen/Ehlershausen spielt seit 2011 in der Landesliga und galt lange als „unaufsteigbar“. Nun steht er als Tabellenführer mit 13 Punkten Vorsprung vor der Rückkehr in die Oberliga. Im Interview sprechen der Vorsitzende Jürgen Stern, der Sportliche Leiter Kurt Becker und Trainer Philipp Gasde über ihre Erwartungen für 2020.

Herr Gasde, im Sommer haben Sie das Ziel ausgegeben, besser abzuschneiden als im Vorjahr. Da waren Sie Dritter, wäre Platz zwei demnach ein Erfolg?

Philipp Gasde: Nein, wir wollen aufsteigen, gerade bei dem Vorsprung. Und wir haben ja schon gegen viele Mannschaften von oben zweimal gespielt. Grundsätzlich treten wir lieber gegen Teams an, die offensiv spielen. Deshalb ist die Oberliga für uns attraktiver.

Wer könnte Ihnen noch gefährlich werden?

Gasde: Der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide wird der größte Konkurrent. Den hatte ich schon vor der Saison auf dem Zettel.

Man hört oft, dass die Oberliga nicht attraktiv ist: weite Anfahrten, weniger Derbys ...

Jürgen Stern: Das halte ich für aberwitzig. Ich arbeite für diesen Verein, um eine Klasse höher zu kommen. Klar ist die Oberliga für uns die Grenze, aber ich freue mich auf Spiele gegen Celle, Arminia und Egestorf. Auch um dem Publikum mal andere Gegner zu zeigen. Es ist ein fester Wunsch des gesamten Vereins, im Jubiläumsjahr 2021 (der RSE wird 100 Jahre alt, d. Red.) Oberligist zu sein. Nach diesen Zeiten sehne ich mich zurück. Ich weiß noch, wie wir in der Saison 2006/2007 bei einem Oberligaspiel in Wolfsburg von einem Offiziellen mit der Frage empfangen wurden: „Wo liegt eigentlich Rammelshausen?“

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"Dass die Klasse ein wirtschaftliches Risiko ist, ist Schwachsinn"

Herr Becker, Sie sind Anhänger des Hamburger SV. Würden Sie die Bundesliga oder die Oberliga nehmen, wenn Sie sich einen Aufstieg wünschen dürften?

Kurt Becker: Es wird einen Aufstieg im Norden und einen in Ramlingen geben. Da brauchen wir keine Prioritäten zu setzen. Wobei unserer wahrscheinlicher ist.

Was müsste sich eine Klasse höher ändern?

Stern: Wir sind schon mittendrin, werden 280.000 Euro in Kabinen, Sanitäranlagen und Klubhaus investieren. Die Zuschüsse sind beantragt. Wir geben nur das aus, was wir sicher haben – keine Experimente.

Becker: Wir gehen davon aus, dass wir ohne Probleme den Platz in der Oberliga bekommen würden. Dass die Klasse ein wirtschaftliches Risiko ist, ist Schwachsinn. Fixe Mehrkosten entstehen nur, weil man ein paar Busfahrten mehr hat. Und die kompensiert man durch höhere Attraktivität für Sponsoren. Man hat viele Gegner, die nur bis zu 80 Kilometer entfernt sind. Diese Weltraumstaffel, wie es sie früher gab, existiert nicht mehr.

"Man muss noch erfahrene Spieler dazunehmen"

Und sportlich?

Gasde: Man muss noch erfahrene Spieler dazunehmen, damit der Kader vor allem qualitativ verstärkt wird – und nicht nur in der Breite

Becker: Philipp entscheidet, und ich versuche das dann umzusetzen. Wir wissen grundsätzlich, was wir machen wollen. Unsere jetzigen Spieler sind die Basis. Sie haben den Erfolg erreicht, sie sollen ihn auch genießen. Wir sprechen natürlich neue Spieler an, die uns helfen, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen.

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Kirchdorfs Jan-Erik Berkenkamp köpft ein zum zwischenzeitlichen 3:1, SV Wilkenburgs Keeper Burhan Öztürk ist chancenlos, trifft mit dem Fuß nur die Nase des Kirchdorfers. ©

Herr Stern, wäre ein Aufstieg eine gute Gelegenheit, Ihr Amt nach zwei Jahrzehnten abzugeben?

Stern: Ein potenzieller Nachfolger ist bereits gefunden. Aber ich stelle mich Ende März noch einmal zur Wahl, um möglichst das 100-jährige Jubiläum entscheidend mitzugestalten. Danach werde ich den Posten übergeben. Unabhängig vom Aufstieg.

"Insgesamt herrscht hier momentan Hochstimmung"

Es scheint zu stimmen zwischen Ihnen dreien ...

Becker: Wichtig ist, dass man einander vertraut, voneinander überzeugt ist und jeder seine festen Kompetenzen hat. Das funktioniert hervorragend. Philipp kommt vom Dorf und weiß, wie die Dörfler ticken. Deshalb passt das so gut. Wir sind ein kleiner Verein, da kannst du nicht mit einer Gucci-Tasche rumlaufen. Jemanden, der erfolgreich ist, aber zwischenmenschlich Probleme hat, können wir nicht gebrauchen.

Gasde: Ich fühle mich sehr wohl und habe so noch nicht zusammengearbeitet. Wir telefonieren oft, unser Verhältnis ist toll, und es macht Spaß, mit den Jungs auf dem Trainingsplatz zu stehen. Wie lang der gemeinsame Weg ist, kann man nie sagen. Aber ich hoffe, dass er einige Zeit dauern wird.

Stern: Seit geraumer Zeit stimmt es im gesamten Verein. Weil die erste Mannschaft toll spielt, dazu der Erfolg der Zweiten, das gute Abschneiden der A-Jugend. Insgesamt herrscht momentan Hochstimmung.

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Sie sprachen den Unterbau an. Wie wichtig sind Reserve und Junioren für die Erste?

Becker: Wir liegen fernab vom Schuss. Trotzdem haben wir in der Jugend keine einzige Spielgemeinschaft. Die A-Jugend ist in die Bezirksliga aufgestiegen – wir möchten mittelfristig in die Niedersachsenliga kommen. Und die U23 – die beste in der gesamten Region Hannover – ist für die Spielpraxis der jungen Akteure ganz wichtig. Ziel ist, dass aus der Jugend zwei bis drei Spieler für die Erste infrage kommen und der Rest für die U23.

Wenn wir sicher aufgestiegen sind, gibt es Freibier für alle"

Herr Gasde, Sie haben ein Jahr in der Jugend des PSV Eindhoven gespielt. Welche Einflüsse hat diese Zeit auf Ihre Karriere?

Gasde: Viele. Der technisch-taktisch geprägte Fußball ist mir wichtig, besonders im Passspiel, was ja den holländischen Fußball ausmacht. Eine vorgegebene Spielweise für den gesamten Verein, wie es sie beim PSV gab, haben wir in Ramlingen nicht. In Eindhoven musste es überall einen kantigen Stoßstürmer geben, weil Ruud van Nistelrooy auf dieser Position gesetzt war. Neben dem habe ich übrigens mal auf der Massagebank gesessen (lacht). Ich lege großen Wert auf Individualität. Jeder bringt seine Stärken ein und muss sich entfalten können.

Was machen Sie als Erstes, wenn Sie es geschafft haben?

Stern: Von dem Tor, das unseren Aufstieg perfekt macht, träume ich jetzt schon. Das wäre für mich das Größte. Da sehe ich mich jetzt schon auf den Platz rasen. In allen Heimspielen dieser Saison, nachdem wir sicher aufgestiegen sind, gibt es von mir Freibier für alle.

Das ist das Ramlinger Erfolgstrio:

Jürgen Stern ist seit gut 20 Jahren RSE-Vereinsvorsitzender. Der 76-jährige frühere Verlagsleiter bei Madsack hat angekündigt, sich im März erneut zur Wiederwahl zu stellen.

22 Spielzeiten lang war Kurt Becker (65) Chefcoach der Ramlinger. 2018 hörte er an der Linie auf und wurde Sportlicher Leiter. Um kurz darauf für ein Vierteljahr als Interimscoach wieder einzuspringen.

Philipp Gasde trainiert den RSE seit einem Jahr. Zuvor war der A-Lizenz-Inhaber Coach von Germania Hagen und der SpVgg. Bad Pyrmont. Der 36-jährige Lehrer wohnt in Ramlingen und besitzt beim RSE einen unbefristeten Vertrag.

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