21. August 2021 / 12:01 Uhr

Danny Trodler: Vom Handball-Torjäger bei Concordia Delitzsch zum Familienmenschen

Danny Trodler: Vom Handball-Torjäger bei Concordia Delitzsch zum Familienmenschen

Ulrich Milde
Leipziger Volkszeitung
Danny Trodler (l.) wie man ihn in Delitzsch kennt: Als Handballer im Trikot des NHV. Doch inzwischen spielt der 35-Jährige Fußball für Selben in der Kreisklasse.
Danny Trodler (l.) wie man ihn in Delitzsch kennt: Als Handballer im Trikot des NHV. Doch inzwischen spielt der 35-Jährige Fußball für Selben in der Kreisklasse. © Jens Teresniak
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2019 entschied sich Danny Trodler die Handballschuhe bei Concordia Delitzsch an den berühmten Nagel zu hängen und sich mehr Zeit für die Familie zu nehmen - und diese genießt er in vollen Zügen. Nebenher stürmt er jetzt für Grün-Weiß Selben: Mit dem Fuß.

Delitzsch. Danny Trodler schnappt sich gerne seinen Sohn Wilhelm und fährt mit ihm zum Angeln. Dem Vierjährigen „macht das wahnsinnig viel Spaß“, berichtet der stolze Vater, der nun überlegt, sich ein Boot anzuschaffen. Als er dem Filius von dem Plan erzählte und sagte, darauf werde er jetzt sparen, lautete dessen Antwort: „Papa, das brauchst du nicht, du kannst doch mein Geld dafür nehmen.“

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Eine Episode, die erklärt, warum Trodler im Frühjahr 2019 seine Handballkarriere beim Oberligisten NHV Concordia Delitzsch beendete. „Es gab eingeschränkte Möglichkeiten, was mit der Familie zu unternehmen“, erzählt der 35-Jährige, der heute im Landratsamt Nordsachsen arbeitet und den Breitbandausbau organisiert. Dreimal Training die Woche, dazu am Sonnabend oder Sonntag Punktspiele – „der Zeitaufwand war ganz schön groß“. Trodler – vom Handball-Torjäger zum Familienmenschen.

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Doch ganz hat er dem Sport nicht entsagt, auch der Torejagd nicht. Handball „wollte ich nicht mehr spielen“. Dafür schnürt Trodler die Fußballstiefel für Grün-Weiß Selben in der Kreisklasse West. In der Saison 2019/20 erzielte der Stürmer immerhin zehn Tore, vorwiegend mit dem Fuß. „Kopfbälle sind nicht so meine Sache.“ Für Fußball hat er sich schon immer interessiert. „Große Ziele haben wir als Mannschaft nicht“, sagt er. „Klar wollen wir erfolgreich sein, aber vor allem Spaß haben.“ Trodler hat dadurch viel Zeit gewonnen, einmal pro Woche wird geübt, und wenn beim Training oder bei einem Spiel mal einer fehlt, weil ein Ausflug mit der Familie ansteht – dann wird das allseits akzeptiert. Warum er sich Selben angeschlossen hat? Ganz einfach: „Dort spielt mein Bruder Christian, er ist der Kapitän.“

Trodler, ein Delitzscher durch und durch, erlernte das Handballspielen beim Vorgängerverein Concordia Delitzsch und brachte es auch zu einigen Spielen in der zweiten Bundesliga. Später lief er für DHfK Leipzig und LVB Leipzig auf. 2010 schloss er sich dem Süd-Regionalligisten SG Köndringen/Teningen an. Für den 1,93 Meter großen Sportler war das Gesamtpaket entscheidend. Er konnte in Offenburg Wirtschaftsingenieurwesen studieren und gleichzeitig weiter drittklassig Handball spielen. 2013 wechselte er zum TV Willstädt. Zurück ging es dann nach Delitzsch, zum 2010 neu gründeten NHV Concordia Delitzsch. Dort feierte der linke Rückraumspieler zweimal seinen Abschied. Nach der Saison 2017/18 hörte er auf, um wenige Monate später sein Comeback zu feiern. Dem NHV war es damals nicht gelungen, einen Ersatz für Trodler zu finden. Das Spiel litt darunter, war notgedrungen zu sehr auf Torjäger Frank Grohmann im rechten Rückraum zugeschnitten.

Die Rückholaktion klappte. Ohne Trodler holten die Concorden 1:9 Punkte, mit ihm waren es 24:18 Zähler. In seiner letzten Partie war er beim 26:25-Erfolg beim SV Oebisfelde mit sieben Treffern der beste Torschütze. Ein Abgang nach Maß.

Der Handball hat ihm nach eigener Einschätzung sehr viel gegeben. „So ist es mir gelungen, auf diese Weise mein Studium zu finanzieren.“ Er konnte sich seinen Lebensunterhalt mit dem Sport verdienen und hatte zugleich genügend Zeit für Training und Wettkampf. Andernfalls wäre er womöglich immer noch Kaufmann im Einzelhandel. In diesem Beruf war er nach der Schule ausgebildet worden. Zudem seien viele Freundschaften entstanden, „die auch heute noch halten“. Regelmäßig besucht Trodler Freunde in Südbaden – natürlich mit der Familie.


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Seit seinem Abschied hat Trodler sich nur selten bei Punktspielen der Oberliga-Mannschaft sehen lassen. Aber er ist weiterhin regelmäßig in der Mehrzweckhalle anzutreffen. Sein Sohn wird beim NHV behutsam an den Handball herangeführt. Die Tochter ist mit ihrem einem Jahr noch zu klein. „Wir wollen schon, dass unsere Kinder Leistungssport betreiben, aber es ist egal, welchen“, sagt er und spricht auch für seine Frau, die einst das Trikot des HC Leipzig trug und in der zweiten Bundesliga aktiv war. Nicht ausgeschlossen ist, dass er irgendwann als Trainer in der Halle stehen wird. „Das ist vorstellbar.“