23. November 2021 / 17:27 Uhr

Darum geht's im Streit zwischen Schiedsrichter Ludwig und dem Landesfußballverband MV

Darum geht's im Streit zwischen Schiedsrichter Ludwig und dem Landesfußballverband MV

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Schiedsrichter Steffen Ludwig (l.), Schiri-Chef Torsten Koop und LFV-Präsident Joachim Masuch (r.)
Schiedsrichter Steffen Ludwig (l.), Schiri-Chef Torsten Koop und LFV-Präsident Joachim Masuch (r.)
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Zuletzt stritten der Landesfußballverband und Steffen Ludwig vor Gericht. Das Schiedsrichterverbot für den Rostocker wurde Beschluss aufgehoben. Abgeschlossen scheint der Fall damit nicht. 

Steffen Ludwig darf nach viermonatiger Zwangspause wieder Fußballspiele leiten. Der Unparteiische wurde vor der Saison von der Schiedsrichterliste gestrichen. Der Landesfußballverband MV (LFV) hatte ihm mehrere Fehlverhalten vorgeworfen. Dagegen klagte der 46-Jährige. Anfang November kippte das Verbandsgericht die Entscheidung des Schiedsrichterausschusses (VSA). Das Urteil: Die Streichung ist mehrfach fehlerhaft. Der Gerichtsbeschluss ist eine „Ohrfeige“ für den Verband, meint die Siegerseite des Rechtsstreits. LFV-Sprecher Robert French entgegnet: „Dass das Verbandsgericht die Entscheidung, für die es seinerzeit dringende Beweggründe gab, revidiert hat, ist keine ‚Ohrfeige‘. Es ist schlichtweg das Ergebnis der Anwendung gültiger Rechtsmittel, welches natürlich anerkannt wird.“

Ludwig wurde umgehend wieder in die Schiedsrichterliste aufgenommen. Unterstützer Ludwigs warten noch auf eine Reaktion des Verbands. „Nach dem Urteil liegt einiges in Scherben. Intern geht das nicht mehr aufzukehren. Daher fordere ich klipp und klar: Der Präsident und der VSA-Vorsitzende müssen ihren Hut nehmen!“, sagt Ulf Kuchel deutlich.

Die Beteiligten im Konflikt
Die Beteiligten im Konflikt ©

Vorwürfe landen vor Gericht

Der Ex-Vorsitzende des LFV-Spielausschusses brachte den jahrelang schwelenden Streit zwischen Ludwig und führenden Köpfen des LFV im Juli letztmalig zum Kochen. Mit Pauken und Trompeten räumte Kuchel vor Saisonstart seinen Platz und erhob schwere Vorwürfe gegen Präsident Joachim Masuch und VSA-Chef Torsten Koop. Es war die Reaktion auf den Rausschmiss von Ludwig.

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Der Ursprung des Konflikts keimte während des Verbandstages im Jahr 2018. Nachdem Koop vor drei Jahren als VSA-Vorsitzender wiedergewählt wurde, stellte er seinen Ausschuss neu zusammen. Trotz anfänglicher Zusage wurde Ludwig nicht mehr berücksichtigt. Neun Jahre lang koordinierte „Lupe“ für den VSA die Einsätze der Unparteiischen auf Landesebene. In einem Brief an Koop äußerten Florian Lechner (zu dem Zeitpunkt Drittliga-Schiedsrichter) und weitere überregionale Referees, für die Ludwig gar nicht verantwortlich war, Unmut über dessen Arbeit. Der Vorwurf: Respektlosigkeit und Untauglichkeit fürs Amt. „Der Brief war Mobbing“, empfindet LFV-Mitglied Peter Dluzewski.

French entkräftet den Vorwurf: „In der Tat wurden in dem Schreiben auch kritische Worte gewählt, die jedoch allein der Sache dienen sollten und keineswegs Personen verunglimpft haben.“

Der Brief gab zwar einen Impuls, entscheidend für die Nichtberücksichtigung Ludwigs im neuen VSA war aber ein „Meinungsbild“ (French), das sich Koop von seinen Ausschussmitgliedern über Ludwig einholte. Demnach stimmte das damals siebenköpfige Komitee gegen Ludwig. Uwe Hyllus, Vorgänger von Ludwig als Schiedsrichteransetzer im VSA, glaubt an Mauschelei. In das Votum seien nicht alle miteinbezogen worden. „Wenn ich richtig rechne, haben zwei Leute des VSA festgelegt, dass Ludwig rausfliegt“, zählt Hyllus in einen Schreiben an den LFV-Vorstand auf. Aus anderer Quelle heißt es, dass sich drei von fünf Abstimmenden gegen Ludwig gewandt hatten.


Die Nachricht über die Abstimmung und weitere Details aus den Streitigkeiten seit 2018, mit ergebnislosen Gesprächen, Provokationen und Reaktionen von beiden Seiten schilderte Ludwig im November 2020 in einer Mail an alle Schiedsrichter im Land. Darin formulierte er weiter: „Für mich ist Herr Koop in seiner Funktion als Vorsitzender des VSA nicht tragbar. Heute weiß ich, dass dieser Vorsitzende mich auf das Übelste belogen hat.“

Die Rundmail brachte den Disput zum Beben. Drei Monate später musste Ludwig auf anwaltlichen Erlass in dem Schreiben aufgestellte Behauptungen richtigstellen. Wiederum zwei Monate später teilte der LFV Ludwig mit, ihn von der Schiedsrichterliste zu streichen. Die Vorwürfe: Missachtung der Schiedsrichterkameradschaft und Verbandsentscheidungen, leistungstechnische und charakterliche Untauglichkeit sowie verbandsschädigendes Verhalten.

In allen Punkten wurde Ludwig vom Verbandsgericht entlastet.

Verband hofft auf Ruhe, Gegenseite auf Aufklärung

Torsten Koop lässt verlauten, er habe das Urteil akzeptiert und Ludwig wieder in die Aktivenliste aufgenommen. Präsident Masuch sagt knapp: „Selbstverständlich akzeptieren wir das Urteil des Verbandsgerichtes. Dieses zu kommentieren steht aber weder mir als Präsident noch anderen zu.“ Der LFV hofft, dass nun wieder Ruhe im drei Jahre lang gereizten Verband einkehrt.

Es scheint eine trübe Zuversicht zu sein. Die Rücktrittsforderungen gegen Masuch und Koop stehen im Raum. Der LFV kanzelt sie als haltlos ab. „Sie entbehren jeglicher Grundlage“, sagt French.

Ulf Kuchel legt nach: „Der Präsident hat nicht erkannt, dass es um Aufarbeitung geht. Wenn ich von zwei Personen eidesstattlich versicherte Hinweise über Lügen und Betrügen bekomme, kann ich mich nicht hinstellen und sagen, es ist alles rechtens gelaufen.“ Masuch wehrt sich: „Ich sehe keine Schuld bei mir. Ich habe mit Steffen Ludwig zweimal gesprochen, mich der Sache persönlich angenommen.“ French ergänzt: „Kritik, es gäbe keine Aufklärungsarbeit, ist aus Sicht des LFV schlichtweg nicht angebracht. Der LFV war auf unterschiedlichen Ebenen immer auf Klärung des Sachverhaltes aus. Das gilt auch für teils nachfolgende Aufbereitung des Falles durch Dritte, die der LFV transparent unterstützt.“

Ludwig lässt sich nicht entmutigen. Er will sich noch mehr einbringen. „Ich will dem LFV helfen, indem ich Anträge stelle. Vieles ist in den Satzungen und Ordnungen nicht geregelt. Da können wir nachbessern.“ Bleibt zu hoffen, dass künftige Zusammenarbeit nicht vor Gericht endet.