16. Februar 2021 / 16:03 Uhr

Das Aus für die Handball-Saison ist „die einzig sinnvolle Entscheidung“

Das Aus für die Handball-Saison ist „die einzig sinnvolle Entscheidung“

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Großes Gewurschtel: Die Landesliga-Handballerinnen der SG Zweidorf/Bortfeld (blaue Trikots) und der HSG Nord Edemissen (weiß) haben noch kein Punktspiel in dieser Saison ausgetragen - und jetzt ist die Serie vorbei.
Landesligen: Anderthalb Jahre Pause © ISABELL MASSEL
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Der Handball-Landesverband hat die Saison beendet. Anderthalb Jahre Punktspielpause bedeutet das für die Landesligen, sollte die neue Saison wie gewohnt im September beginnen können. Peiner Handball-Trainer halten die Entscheidung aber für „richtig“ und „alternativlos“. 

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Das war’s mit der Handball-Saison. Der Landesverband Niedersachsen (HVN) wird den Abbruch der Saison 2020/2021 in den Spielklassen Ober-, Verbands- und Landesliga noch bis zum Ende dieser Woche offiziell machen. Zuvor sei nur noch Rechtssicherheit zu schaffen. Das kündigte der HVN nach einer Online-Besprechung zwischen Präsidium und den elf Regionsvorsitzenden an. Auch die Regionen würden sich laut Pressemitteilung einvernehmlich für den Saisonabbruch entscheiden.

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In der Landesliga wird die Pflichtspielpause, wenn die kommende Saison im September wie gewohnt beginnen kann, anderthalb Jahre dauern. Aber die aktuelle Saison noch irgendwie zu retten, war kaum mehr möglich. „Die ursprünglich geplante Einfachrunde ist nach der Verlängerung des Lockdowns endgültig nicht mehr realistisch“, schreibt der HVN in seiner Pressemitteilung.

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Die Entscheidung wird von den Peiner Handballtrainern begrüßt. „Das ist alternativlos“, sagt Marco Wittneben, Coach der Oberliga-Handballerinnen des MTV Vater Jahn Peine. „Die einzig richtige und sinnvolle Entscheidung“, urteilt Dennis Bühn, Trainer der Verbandsliga-Handballer des MTV Groß Lafferde.

Es ist zurzeit nicht abzusehen, wann die Handballer wieder in der Halle trainieren, geschweige denn spielen dürfen. „Nach so langer Pause bräuchten wir mindestens vier Wochen Training, um wieder konkurrenzfähig sein zu können“, sagt Bühn. Bleibt die Frage nach dem Alternativprogramm. „Es würde erstmal schon helfen, wenn wir draußen etwas machen könnten“, sagt der Lafferder Coach. Er glaubt auch nicht, dass regionale Pokalwettbewerbe möglich sein werden.


Das Problem: Der niedersächische Stufenplan erlaubt Kontaktsport (wozu Handball zählt) in der Halle erst ab einem Inzidenzwert unter 25, draußen ab einem Wert unter 50. In Kleingruppen auf dem Rasen oder im Sand zu trainieren, hält Bühn immer noch für besser als dauerhaftes Online-Training.

So sieht es auch Martin Staats, Trainer der Landesliga-Handballer der SG Zweidorf/Bortfeld. „Wir sind keine Leichtathleten, sondern wir wollen Handball spielen.“ Er hält eine Rückkehr in die Halle vor den Sommerferien für unwahrscheinlich. „Und bevor wir gar nichts machen, gehe ich mit den Jungs lieber in den Sand. Dafür haben wir bei der SG ja die Möglichkeit.“

Julian Winkel würde es begrüßen, wenn regionale Pokalwettbewerbe möglich werden. „Sie hätten einen ’halb-pflichtspielartigen’ Charakter. Der Anreiz wäre größer als bei normalen Testspielen“, sagt der Trainer der Landesliga-Handballerinnen der HSG Nord Edemissen. Zudem könne er eventuell Neuzugänge testen.

Die Entscheidung des Landesverbandes über den Saisonabbruch bedeutet auch, dass es keine Auf- und Absteiger geben wird – mit Ausnahme der Aufsteiger in die dritte Liga, deren Nennung vom Bundesverband gefordert wird. Sie könnten nach Vorstellung des HVN in einer freiwilligen Aufstiegsrunde ermittelt werden.

„Nicht glücklich“ mit dem Stufenplan

Nicht glücklich“ sind die Vertreter des Handballsports in Niedersachsen mit dem „Stufenplan 2.0“ der Landesregierung, sagt der HVN-Präsident Stefan Hüdepohl. Der Plan sieht bestimmte Lockerungen anhand des Inzidenzwertes vor und sei zuletzt durch den Niedersächsischen Fußballverband (NFV) zu Recht kritisiert worden. „Die Regelungen, die den Sport betreffen, lassen uns fürchten, nicht vor Juni oder gar erst nach den Ferien in die Hallen zurückzukehren. Wir brauchen schnellstmöglich in den Bereichen, in denen die Inzidenz niedrig ist, eine Trainingsmöglichkeit in Gruppen auch in der Halle“, sagt Hüdepohl.

NFV-Präsident Günter Distelrath hatte zuvor den Corona-Zeitplan des Landessportbundes (LSB) kritisiert, der sich am Stufenplan orientiert. Der LSB hatte vorgeschlagen, Fußball erst wieder ab dem 23. Juli zuzulassen. Distelrath lehnt das aber strikt ab. Er wünsche sich einen verantwortungsvollen Übergang vom Lockdown in den Normalzustand, der berücksichtigt, „dass beim Fußballspielen im Freien eine Übertragung des Corona-Virus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist“.

Von Matthias Press