11. Dezember 2020 / 23:44 Uhr

Das Beste zum Schluss: Wolfsburg für mindestens einen Tag Vierter

Das Beste zum Schluss: Wolfsburg für mindestens einen Tag Vierter

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der VfL Wolfsburg bleibt ungeschlagen - und jetzt geht's zu den Bayern
Der VfL Wolfsburg bleibt ungeschlagen - und jetzt geht's zu den Bayern © Roland Hermstein
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Mit dem 2:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt baute der VfL Wolfsburg nicht nur seinen Start-Rekord aus, sondern sprang zumindest für einen Tag auf Tabellenplatz vier.

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Sie hatten viele schöne Angriffe – aber den schönsten haben sie sich bis zum letzten Moment aufgehoben: Durch einen Treffer von Wout Weghorst kurz vor Schluss gewann der VfL Wolfsburg am Freitagabend in der Fußball-Bundesliga mit 2:1 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt, bleibt damit auch am elften Saisonspieltag ohne Niederlage – und klettert in der Tabelle zumindest für einen Tag sogar auf den Champions-League-Rang vier!

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Vorm Weghorst-Tor nach feinem Pass von Xaver Schlage hatte es so ausgesehen, als würde es ein Unentschieden im Elfmeterschießen geben, die Niederländer Bas Dost und Weghorst hatten jeweils vom Punkt getroffen. Das allerdings wären für Wolfsburg zwei verloren Punkte gewesen, denn die Gastgeber überzeugten offensiv, wussten sich nur lange nicht dafür zu belohnen

<b>Koen Casteels</b>: Der Wolfsburger Schlussmann und Kapitän agierte bei den wenigen Offensivaktionen der Frankfurter souverän, beim Elfmeter machtlos.
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Koen Casteels: Der Wolfsburger Schlussmann und Kapitän agierte bei den wenigen Offensivaktionen der Frankfurter souverän, beim Elfmeter machtlos. - Note: 3 ©

Dann traf Weghorst aus der Drehung, der VfL baut damit seinen Start-Vereinsrekord aus. Am Mittwoch kann er den nächsten Rekord folgen lassen, denn bei einer weiteren Partie ohne Niederlage hätte Wolfsburg zwölfmal in Folge in der Bundesliga nicht verloren, das hat der VfL in der Bundesliga noch nie geschafft. Dummerweise heißt der Gastgeber dann FC Bayern. Und die Münchner sind nicht nur ohnehin kaum zu schlagen, sie sind auch das bisher letzte Team, das dem VfL eine Bundesliga-Niederlage beigebracht hat – am letzten Spieltag der Vorsaison.

Auch weil die nächste Hürde so hoch ist, war der Sieg gegen Frankfurt wichtig. „Das wird ein geiles Spiel jetzt in München“, freute sich VfLer Ridle Baku nach dem Abpfiff. „Wir sind ungeschlagen, wir werden mit breiter Brust dahin fahren.“


Und der VfL hat für diese breite Brust am Freitagabend einiges getan – vor allem über die neue rechte Seite, auf der Baku diesmal als Vertretung für Renato Steffen die offensive Rolle spielte und Kevin Mbabu dahinter seine Saison-Premiere gab. Aber wenn es im Strafraum hätte gefährlich werden können, stand 86 Minuten lang zu oft ein hessisches Abwehrbein dazwischen. „Wenn du die ersten 45 Minuten so kontrollierst, musst du auch in Führung gehen, das haben wir leider nicht geschafft“, stellte Sportdirektor Marcel Schäfer schon zur Pause fest.

Dann kamen die Elfmeter, und sie kamen aus heiterem Himmel. Erst leistete sich John Anthony Brooks einen komplett überflüssigen Schubser gegen Martin Hinteregger, Ex-VfLer Dost verwandelte souverän. Nicht weniger souverän agierte auf der Gegenseite Weghorst, nachdem Stefan Ilsanker der Ball im Strafraum eher unglücklich an die Hand gesprungen war.

Anschließend hatte der VfL weiter mehr Strafraumaktionen, dennoch sah es lange danach aus, als würden die Unentschieden-Könige der Liga (die Eintracht hatte zuletzt sogar fünf Ein-Punkte-Spiele nacheinander) wieder mal mit einem Remis vom Platz gehen – bis der Siegtreffer fiel. „Verdient“, fand Baku, „denn wir sind super zurück gekommen, haben auch nach dem 0:1 noch an unsere Chance geglaubt.“

VfL Wolfsburg gegen Eintracht Frankfurt - Die Bilder

Treffen sich zwei Österreicher in der Bundesliga... Vorm Spiel waren VfL-Coach Oliver Glasner und Eintracht-Trainer Adi Hütter gemeinsam guter Dinge, plauderten angeregt miteinander. Zur Galerie
Treffen sich zwei Österreicher in der Bundesliga... Vorm Spiel waren VfL-Coach Oliver Glasner und Eintracht-Trainer Adi Hütter gemeinsam guter Dinge, plauderten angeregt miteinander. ©

VfL-Trainer Oliver Glasner war entsprechend happy: "Ich bin sehr, sehr glücklich über den Sieg und auch über die Leistung. Das Spiel hat so viel hergegeben heute, das war eine richtig, richtig gute Leistung von uns in der ersten Halbzeit. Wir haben das Tor nicht gemacht und dann gehen wir unglücklich durch einen Elfmeter in Rückstand. Die Reaktion der Mannschaft war dann fantastisch!" Kollege und Landsmann Adi Hütter war dagegen "verärgert und sauer, dass wir dieses Spiel nicht gewinnen konnten." Denn: "Wir müssen versuchen, bis zum Schluss konsequenter zu verteidigen. Wir haben teilweise über die Seite zu passiv agiert. Deshalb ärgern wir uns über diese unnötige Niederlage gegen eine allerdings gute Mannschaft. Es wäre vielleicht nicht unverdient gewesen, hier drei Punkte mitzunehmen."

Frankfurts Vorstand musste sich das Ganze im Fernsehen anschauen. Nachdem Finanz-Chef Oliver Frankenbach positiv auf Corona getestet wurde, begaben sich auch Sportchef Fredi Bobic und Marketingvorstand Axel Hellmann in Quarantäne, verzichteten auf den Trip nach Wolfsburg. Eintracht-Sprecher Jan Strasheim bestätigte einen entsprechenden Bild-Bericht und bezeichnete die Selbst-Isolation als „reine Vorsichtsmaßnahme“. Bobic und Hellmann sollen bereits negativ getestet worden sein, Bobic sagte allerdings auch seinen Besuch beim Sport1-Doppelpass für Sonntag ab.