09. Juli 2020 / 16:54 Uhr

Das Einreiseverbot in die USA brachte Alexander Paul zum MTV Rehren A/R

Das Einreiseverbot in die USA brachte Alexander Paul zum MTV Rehren A/R

Daniel Kultau
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Mercyhurst
Alexander Paul (hintere Reihe, Dritter von rechts) spielt für die Mercyhurst University. Momentan läuft er jedoch für den MTV Rehren A/R auf. © pr.
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Eigentlich sollte Alexander Paul gerade für die Mercyhurst University auflaufen. Doch weil er nicht in die USA darf, trägt er nun das Trikot seines Heimatvereins MTV Rehren A/R. Wann es wieder in die USA geht, ist noch unklar.

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Wie so viele Menschen hatte sich Alexander Paul das Jahr 2020 ganz anders vorgestellt. Normalerweise wäre er jetzt im Rahmen seines Fußball-Stipendiums in den USA rund 6400 Kilometer von seinem Wohnort Lauenau entfernt.

Aufgrund des Einreiseverbots im Zuge des Coronavirus lässt man ihn aber nicht rein. Stattdessen geht er nun mit dem MTV Rehren A/R in die neue Saison in der Bezirksliga. „Wenn die Grenze wieder offen ist, fliege ich aber wieder zurück“, so Paul.

Erste Schritte in Rehren

Dass er überhaupt einmal in den USA studieren würde, daran war vor einiger Zeit noch gar nicht zu denken. Seine ersten Fußballschritte machte er im jungen Alter beim MTV. Danach ging es zum SV Victoria Lauenau („Ich wollte dort spielen, wo ich wohne.“) und durch seine Auftritte bei Deister United, der Jugendspielgemeinschaft der Victoria, geriet er ins Blickfeld von Mathias Scholz. Ein ausgewiesener Fachmann im Jugendfußball. Er lockte den heute 20- Jährigen zum JFV Calenberger Land, wo der Fan des FC Bayern seine nächsten Schritte machte.

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Doch wie kommt man aus der ruhigen Region zu einem Fußball-Stipendium in den USA? Ein JFV-Mannschaftskollege war Schuld daran. Er hatte sich eine Agentur gesucht, die sich auf die Förderung in den USA spezialisiert hatte und nahm eine Partie von sich auf Video auf. Die Agentur schnitt daraus ein Highlightvideo, erstellte ein Profil und schickte es an die Unis im Land. Paul ging den gleichen Schritt und bekam prompt Antworten. „Trainer von vier Unis hatten sich bei mir gemeldet.“ In Skype-Gesprächen lernten sich beide Seiten kennen, verhandelten, tauschten sich aus und am Ende entschloss sich der Lauenauer für die Mercyhurst University in Erie. „Akademisch war es außerdem die beste.“

Im Nordosten des Landes, zwischen Pittsburgh und Toronto im Bundesstaat Pennsylvania spielt er seitdem nicht nur Fußball, sondern studiert in seinem vierjährigen Bachelorstudiengang auch International Business und Sportmanagement. „Es ist eine urbane Gegend und der Campus ist schön zentral gelegen“, beschreibt der Schaumburger die rund 100.000 Einwohner große Stadt, die direkt am riesigen Lake Erie liegt.

Sport mit wichtiger Rolle in den USA

Paul profitierte dabei auch davon, dass Fußball in den USA immer beliebter wird. So beliebt, dass die Unis aktiv in Europa auf Spielersuche gehen und den Kickern ein Stipendium anbieten. Damit motzen sie ihre Mannschaften auf, um bei Uni-Wettkämpfen Erfolge einzufahren. Denn anders als in Deutschland ist der Amateursport in den USA in der Regel nicht in Vereinen oder Vereinsligen organisiert. Er ist stattdessen an den amerikanischen Universitäten und Colleges angesiedelt. Deshalb hat der Hochschulsport in den USA eine ganz andere, nämlich wichtigere Bedeutung als hierzulande. Dementsprechend international ist sein aktuelles Team. Neben vier Deutschen und einigen US-Amerikanern kommen die Spieler aus Spanien, Honduras, den Niederlanden, Australien und Co.

Vom Torjäger zum Verteidiger

Inzwischen spielt Alexander Paul für Mercyhurst in der Innenverteidigung und versucht Tore zu verhindern, doch das war nicht immer so. Noch bei den B-Junioren des JFV war er für das Tore schießen zuständig und lief im Sturm auf. „Mein A-Junioren-Trainer kam zu mir an und meinte, dass er mich in der Innenverteidigung sieht“, erinnert sich der 20-Jährige. „Das haben wir ausprobiert und es funktionierte gut.“ So gut, dass sogar die Regionalliga-Mannschaft des 1. FC Germania Egestorf/Langreder Interesse zeigte und anklopfte.

Professionelles Umfeld

Der Weg führte aber nach Erie, wo Paul schnell feststellen durfte, dass der gesamte Ablauf deutlich professioneller ist. „In der Kabine gibt es 15 Liegen, wir haben einen Masseur, vier Physiotherapeuten und ein Eisbad.“ Auf dem Platz geht es zudem deutlich härter zur Sache. „Fußballerisch ist es Oberliga-Niveau, aber physisch ist es deutlich besser.“ Das läge vor allem am harten Training. Die erste Einheit gibt es morgens um sechs Uhr. Direkt danach geht es für Paul und seine Teamkollegen zum Krafttraining.

Daran, dass er später mal mit dem Fußball Geld verdienen könnte, verschwendet er wenige Gedanken. „Ich werde alles geben, vielleicht klappt es, aber ich bin da jetzt nicht fanatisch hinterher“, so Paul. Aktuell hat er sowieso sehr viel Lust darauf, das blaue Rehrener Trikot tragen zu können. „Ich hätte schon Bock mal wieder für Rehren zu spielen. Es ist ja schließlich mein Heimatverein.“

Wann die Saison wieder startet ist noch unklar, genauso wie die Frage, wann die USA die Grenzen wieder öffnen und Paul weiterstudieren kann. Auch beim MTV hofft man, dass der Spielbetrieb bald wieder startet, ansonsten wäre der Innenverteidiger wieder in 6400 Kilometer Entfernung, ehe er überhaupt das MTV-Trikot tragen konnte.